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Martin Hüfner überrascht mit einem Plädoyer für die Kunstwährung Libra

Es gibt tausend Einwände gegen die neue Kunstwährung Libra, doch Hüfner bezieht ausnahmsweise einmal die Gegenposition. Der große Vorteil: Sie ist eine Autobahn für den Zahlungsverkehr. Aber: Noch sind viele Fragen offen. Die großen Leidtragenden sind die Banken, sagt der Ökonom in seinem Kommentar.

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
Dr. Martin W. Hüfner, Chief Economist der Investment-Boutique Assenagon Asset Management, sagt: "Alle scheinen sich, bevor sie sich näher mit Libra befasst haben, einig zu sein, dass das neue Geld schleunigst reguliert werden müsste. Facebook dürfe damit nicht an den Markt gehen, bevor nicht gegen alle Eventualitäten Vorsor­ge geleistet wurde. Wenn wir das mit der Dampfmaschine so gemacht hätten, hätten wir sie vielleicht heute noch nicht!"
 
© Assenagon

Man versetze sich 200 Jahre zurück. Als die Dampfmaschi­ne ihren Siegeszug begann, waren die Reaktion der Men­schen überwiegend negativ. Den meisten waren die neuen Maschinen unheimlich. Sie hatten Angst vor Unfällen. Sie fürchteten den Verlust ihrer Arbeitsplätze und eine weitere Verarmung.

Beispiel Dampfmaschine: zuerst Ablehnung, dann Triumpf
1844 kam es zu dem berühmten Weberauf­stand in Schlesien. Die positiven Wirkungen auf den Wohl­stand und das Wachstum, die später eintraten, konnte sich keiner vorstellen. Heute sind wir froh, dass es die Dampf­maschine gegeben hat (wenn sie auch etwas sozial verträg­licher hätte eingeführt werden können). Bei allen großen wirtschaftlichen und technischen Umwäl­zungen, die wir seitdem erlebt haben, war das Muster ähn­lich. Zuerst schroffe Ablehnung, dann zum Teil schmerzhaf­te Umstrukturierungen, am Ende ein Wohlstandsgewinn, den niemand mehr missen möchte.

Jetzt passiert dasselbe mit Libra 
Nun will Dr. Hüfner das neue Kunstgeld, das Facebook dieser Tage vorgestellt hat, in seiner Bedeutung nicht mit der Dampfmaschine verglei­chen: "Es ist bei weitem nicht so grundlegend. Es ist aber doch bemerkenswert, dass die meisten Kommentare auch hier negativ sind. Facebook werde noch unkontrollierbarer. Der Schutz der persönlichen Daten sei gefährdet. Geldwä­sche und "Dark Economy" würden gefördert. Die Geldpolitik der Zentralbanken werde unterlaufen. Die Stabilität des internationalen Finanzsystems sei gefährdet."

Plädoyer 
Um was geht es? Libra ist ein Kunstgeld, das den Zahlungsverkehr vor allem mit dem Ausland erleichtern soll. Dieser ist bisher sehr teuer und zeitaufwändig. Man rechnet mit Gebühren von sieben Prozent und einer Bearbeitungszeit von 3 bis 4 Tagen. Das liegt daran, dass nicht nur verschiedene Banken involviert sind, sondern meist auch noch das Telekommunikationsnetzwerk Swift. Besonders kostspielig sind Überweisungen in Entwicklungs­länder (zum Beispiel von Gastarbeitern im Ausland). Man­che Banken warten mit der Überweisung, bis eine bestimm­te Anzahl von Aufträgen zusammenkommt, um sie dann ge­bündelt auszuführen. 

Mit Libra wird alles viel einfacher
Wer überweisen will, kauft mit seinem nationalen Geld die neue Kunstwährung. Diese kann er mit einem Klick über seinen Facebook Ac­count an den Empfänger schicken. Das Ganze kostet so viel wie eine SMS und wird in Sekunden abgewickelt. Der Empfänger kann die Libra behalten und sie, wenn das in seinem Land möglich ist, hier verwenden. Er kann sie aber auch als Reserve halten. Dafür gibt es spezielle Wallets (Brieftaschen), die aber nicht verzinst werden. Er kann sie aber auch in seine nationale Währung tauschen und hat dann Geld wie jedes andere.

Autobahn für den Zahlungsverkehr
Wer kann da schon konkurrieren? Vor allem in Entwicklungsländern sind Libra unschlagbar. Viele haben dort zwar ein Handy, aber kein Bankkonto. Auslandszahlungsverkehr spielt eine große Rolle wegen der Gastarbeiter im Ausland, die ihr Einkommen an ihre Famili­en überweisen. Nach Schätzungen von Facebook gibt es in der Dritten Welt über zwei Milliarden potenzielle Nutzer für Libra. Das ist ein immenser Markt, der erschlossen werden kann.

Abgewicklung über die Block­chain-Technologie
Sie ist sicherer als normale Überweisun­gen, weil in den "Blöcken" die gesamte Historie der Zahlun­gen für alle Teilnehmer dokumentiert ist. Wer eine Transak­tion manipulieren will, fällt auf, weil das ganze System in Unordnung gerät.

Libra hat nichts mit Bitcoin et al zu tun
Manche haben Bedenken wegen der Ähnlichkeit zu Bitcoin und anderen Kunstwährungen. Libra ist aber etwas ganz anderes. Es gibt hier nicht die riesigen Wertschwankungen wie bei Bitcoins. Libra sind relativ stabil. Sie sind vollständig gedeckt durch einen Korb von Staatsanleihen und Bankein­lagen in den großen Währungen der Welt (Stablecoins). Wer Libra kauft, erwirbt ein Stück dieses Währungskorbes. Natürlich gibt es auch hier Schwankungen, wenn sich die Zinsen und Devisenkurse bewegen. Sie sind jedoch viel ge­ringer als die zwischen nationalen Währungen, die sonst beim Auslandszahlungsverkehr anfallen.

Einlagensicherung fehlt bei Libra
Ein großer Nachteil der Bitcoins ist auch die Affinität zu ungesetzlichen oder verbrecherischen Geschäften. Die Organisatoren von Libra versuchen dies auszuschalten, indem sie sich mit großen und renommierten Anbietern im Zahlungsverkehr wie Visa, Mastercard oder Paypal zusammengetan haben. Bei der Eröffnung von Wallets für Libra sollen die gleichen Betrugsbekämpfungsverfahren und Überprüfungen angewandt werden wie bei Banken. Eine Einlagensicherung, wie sie bei Banken existiert, gibt es bei Libra allerdings nicht.

Was bedeutet das für den Investor? 
Mit einer endgültigen Bewertung von Libra muss man der­zeit vorsichtig sein. Noch sind zu viele Fragen offen. Es muss auch viel reguliert werden. Vieles sind Versprechun­gen von Facebook, die erst eingelöst werden müssen. Ge­nerell aber sollte man nicht zu skeptisch sein, meint Hüfner: "Innovationen sind für Volkswirtschaften und Kapitalmärkte etwas Gutes. Da gibt es Chancen, Geld zu verdienen. Verlierer sind die Banken, die wegen der niedrigen Zinsen und der hohen Regulierung schon jetzt in Schwierigkeiten sind. Das zeigt die Grafik. Ihnen entgeht mit dem Zahlungsverkehr nicht nur eine wich­tige Ertragsquelle, sie verlieren auch einen bedeutsamen Zugang zu den Kunden für andere Geschäfte." 

Schrumpfende Banken
Beschäftigte im Kreditgewerbe in Deutschland

(kb)

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