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Finanzmarkt-Ausblick 2020

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Martin Hüfner: Schon ein kleiner Funke könnte alles brennen lassen

Ökonom Martin Hüfner warnt vor den Auswirkungen der erheblichen Wechselkursverschiebungen, die in den letzten Wochen zu beobachten waren. Diese könnten der Vorbote oder gar der Auslöser für eine schwierige Marktphase werden. Eine Funke genügt, und das (Finanz)-Haus könnte brennen.

Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
© Assenagon

Die teilweise massiven Wechselkursänderungen an den Devisenmärkten der letzten Wochen stimmen Dr. Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon, für die kommenden Wochen vorsichtiger. Seiner Ansicht nach schaffe dies für die Finanzmärkte ein gefährliches Umfeld. Investoren sollten sich nach einem "heißen" August auf einen "schwierigen" September einstellen: (aa)


"Der August ist normalerweise ein heißer Monat für die Ur­lauber. An den Finanzmärkten geht es dagegen meist ruhi­ger zu. Viele Händler und Anleger sind in den Ferien. Parla­men­te haben geschlossen. Politiker und Zentralbanker ver­dauen den Stress der vorherigen Monate und bereiten neu­en Stress im Herbst vor.

Ursprünglich sah es so aus, als ob es auch in diesem Jahr wieder so werde. Dann aber kam es ganz anders. An den Bondmärkten wurden bei den Zinsen Tiefstände erreicht (beziehungsweise Höchststände bei den Kursen), die viele nicht für möglich gehalten hatten. An den Aktienmärkten hatte man bisweilen den Eindruck, als würde Jo-Jo gespielt. Ohne größere Gründe ging es mal hoch und mal runter. Präsident Trump twitterte wild darauf los. Mal verkündete er neue Zölle gegen chinesische Importe. Mal nahm er sie wieder zurück. In Hongkong eskalierten die Spannungen trotz Regens und schwüler Temperaturen.

Die Turbulenzen waren so groß, dass es schließlich auch den Devisenmärkten zu viel wurde. Die spektakulärste Be­wegung war die überraschende Abwertung des chinesi­schen Renminbis. Er schwächte sich seit Anfang August gegenüber dem US-Dollar um vier Prozent ab. Ursprünglich hielt man das für eine Antwort Pekings auf die Zollpolitik der Amerika­ner und damit den Beginn eines Währungskrieges. Die Chi­nesen wiegelten allerdings ab. Sie seien gar nicht an einer größeren Abwertung interessiert. Trotzdem gab der Ren­minbi seitdem weiter nach.

Nicht ganz so unerwartet kam die Schwäche des britischen Pfundes (gegenüber dem US-Dollar seit Ende Juni um über vier Prozent). Sie hing mit der Entschlossenheit der neuen Regie­rung Johnson zusammen, den Brexit notfalls auch ohne ein Abkommen mit der EU durchzupauken. Jeder rechnet da­mit, dass ein solches Verfahren zu einer weiteren Abwer­tung des Pfundes führt. Dies auch deshalb, weil Johnson an einem schwächeren Pfundkurs interessiert sein müsste, um die Wettbewerbsposition der britischen Industrie zu stärken.

Hinzu kamen dann noch weitere Währungsbewegungen in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Der argentinische Peso ging gegenüber dem US-Dollar um fast 30 Prozent in die Knie als absehbar war, dass Präsident Macri nicht mehr wieder­gewählt werden würde. Der südafrikanische Rand ermäßig­te sich im Zusammenhang mit Korruptionsaffären um über zehn Prozent. Die türkische Lira, die schon in der Vergan­genheit stark gebeutelt worden war, erlebte erneut einen Schwäche­anfall (Abwertung um 6 % gegen den US-Dollar). Der brasiliani­sche Real wertete sich ab. Selbst die indische Rupie und der russische Rubel mussten Federn lassen.

Zunehmende Unsicherheit

Der Euro (gerade Linie) gegenüber verschiedenen Währungen (Ende 2018 = 100).

Wenn sich einige Währungen abwerten, müssen andere an Wert gewinnen. Die Grafik zeigt, wie sich das Band zwi­schen starken und schwachen Wechselkursen im Sommer auseinanderzog. Am ausgeprägtesten war trotz der niedri­gen Zinsen die Aufwertung des japanischen Yens.

Im August zog dann aber auch der Schweizer Franken an. Er ging allerdings weniger stark nach oben. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass es hier keine oder weniger Kapitalzuflüsse gab. Es war vielmehr die Schweizer Noten­bank, die am Markt Franken verkaufte, um eine größere Aufwertung zu vermeiden. Seit Anfang Juli dürfte es sich – gemessen an den Sichtguthaben von Banken und Bund bei der Notenbank – um einen Betrag von immerhin über 13 Milliarden Franken gehandelt haben.

Auch der US-Dollar war mit von der Partie. Sein effektiver Wechselkurs (also der Durchschnitt gegenüber einer gro­ßen Anzahl von anderen Währungen) hat sich im Juli und August um 2,5 Prozent aufgewertet. Das hat in der amerikani­schen Industrie manchen Vorteil aus den Zollerhöhungen aufgefressen.

Gegenüber dem Euro hat sich der US-Dollar ebenfalls auf­gewer­tet. Ein Grund hierfür war die Lockerung der Geldpoli­tik, die die Europäische Zentralbank Ende Juli in Aussicht gestellt hatte. Die Kritik, die sie im Weißen Haus auslöste, war aber bei weitem übertrieben. Die Dollar-Stärke kommt nicht aus Europa, sondern beruht darauf, dass die Verei­nigten Staaten derzeit aufgrund ihres Wachstums und der hohen Zinsen Kapital aus aller Welt aufsaugen.

So große Währungsbewegungen rund um den Globus sind ungewöhnlich. Sie sind gefährlich. Wechselkursveränderun­gen verschieben die Wettbewerbsverhältnisse viel stärker als jede Art von Zöllen. Sie drohen, kontrolliert oder unkon­trolliert Gegenreaktionen auszulösen. Länder mit schwa­chen Währungen können ihre Geldpolitik nicht so expansiv fahren, wie dies im Hinblick auf die Konjunktur eigentlich notwendig wäre. Dies um so mehr als die Inflationsraten bei Abwertungen anziehen.

Besonders betroffen sind Schwellen- und Entwicklungslän­der, die sich in US-Dollar verschuldet haben. Sie haben – siehe Argentinien – Schwierigkeiten, bei einer Abwertung ihrer Währungen ihre Schulden zurückzuzahlen. Dies vor allem in einem Umfeld, in dem der Welthandel nicht mehr so stark zunimmt. Da genügt ein kleiner Funke, um das Gebäude lichterloh brennen zu lassen. Wir haben das schon in frühe­ren Währungskrisen erlebt.

Für den Anleger
Im August haben sich so viele Ungleichgewichte aufgebaut, dass der September nicht einfacher wird. Die Unfallgefahr ist gestiegen. Diversifizierung ist angebracht. Denken Sie dabei aber daran, dass sich die Wechselkurse weiter ver­schieben können."

 

 

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