Martin Blessing drängt auf schnellere Public-Private-Partnerships
Deutschlands Investitionsbeauftragter sieht nicht fehlendes Anlegergeld als Hauptproblem für Infrastrukturprojekte. Entscheidend sei, öffentliche Stellen schneller für Kooperationen mit privaten Investoren und Leasingmodelle zu gewinnen. Skepsis dürfe Modernisierungsprojekte nicht ausbremsen.

Eckpunkte:
- Internationale Investoren erwarten schnellere Entscheidungen und mehr Tempo
- Private können Infrastrukturvorhaben schneller und effizienter umsetzen
- Breiterer Zugang zu langfristigen Engagements für institutionelle Investoren
Brücken, Straßen und Häfen brauchen nach Ansicht von Martin Blessing mehr als staatliche Mittel, erklärt Deutschlands Investitionsbeauftragter gegenüber der "Financial Times", und fordert eine deutlich offenere Haltung des Staates gegenüber privatem Kapital. Für die Modernisierung der Infrastruktur sei weniger die Verfügbarkeit von Investorengeldern das Problem als die Bereitschaft öffentlicher Stellen, mit privaten Geldgebern zusammenzuarbeiten, so der frühere Commerzbank-Chef.
Blessing zufolge stoßen Public-Private-Partnerships und Leasingmodelle bei internationalen Investoren durchaus auf Interesse. Diese erwarteten jedoch schnellere Entscheidungen und mehr Tempo bei der Umsetzung. Nach seiner Einschätzung sei die Skepsis gegenüber solchen Finanzierungsformen in mehreren Bundesministerien zwar rückläufig, der Wandel gehe aber langsamer voran als erhofft.
Ambitionierte Mobilisierungsziele
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will nach Angaben der "Financial Times" bis 2040 bis zu 3,75 Billionen Euro an privatem Kapital für die deutsche Wirtschaft mobilisieren. Dieses Volumen soll öffentliche Investitionen von rund 1,9 Billionen Euro im gleichen Zeitraum ergänzen. Die Zahlen verdeutlichen den Anspruch der Bundesregierung, bei Infrastruktur, Transformation und Wachstum stärker auf eine Hebelwirkung öffentlicher Mittel zu setzen.
Bereits der im Dezember 2025 gestartete Deutschlandfonds verfolgt dieses Prinzip. Nach Angaben der Bundesregierung sollen rund 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln und Garantien Investitionen von etwa 130 Milliarden Euro ermöglichen. Der Fonds soll unter anderem kritische Rohstoffprojekte sowie Wachstumskapital für Start-ups und Scale-ups finanzierbar machen.
Staatliche Hürden im Fokus
Blessing verlagert den Fokus damit von der Kapitalseite auf die Projekt- und Verwaltungsseite. Private Investoren könnten Infrastrukturvorhaben nach seiner Auffassung häufig schneller und effizienter umsetzen als der Staat allein. Ob dies gelinge, hänge allerdings von belastbaren Projektstrukturen, klaren Vergabeverfahren, langfristigen Zahlungsströmen und einer angemessenen Risikoallokation zwischen öffentlicher Hand und Kapitalgebern ab.
Für institutionelle Investoren eröffnet die politische Initiative potenziell einen breiteren Zugang zu langfristigen Infrastrukturengagements. Zugleich bleibt die deutsche Debatte über private Beteiligungen an öffentlicher Infrastruktur sensibel, insbesondere bei Renditeerwartungen, Kontrolle über kritische Netze und möglichen Folgekosten für den Staat. Blessings Forderung zielt erkennbar darauf, diese Vorbehalte zugunsten einer rascheren Investitionsumsetzung zurückzudrängen.
Gipfel im Oktober geplant
Die Bundesregierung will den Dialog mit Kapitalgebern beim "Invest in Germany Summit" am 19. und 20. Oktober in Berlin weiterführen. Die Veranstaltung ist nach Angaben der Organisatoren auf hochrangige Investoren und Unternehmen ausgerichtet; auf der Agenda stehen konkrete Investitionsmöglichkeiten und bilaterale Gespräche. Die Bundesregierung verweist dabei auf einen 500 Milliarden Euro schweren Infrastruktur- und Klimafonds sowie geplante Verteidigungsausgaben von 600 Milliarden Euro bis 2029.
Ob daraus in größerem Umfang investierbare Public-Private-Partnerships entstehen, dürfte sich an konkreten Projekten zeigen. Für private Kapitalgeber sind neben regulatorischer und politischer Stabilität vor allem eine verlässliche Pipeline, standardisierte Vertragsmodelle und zügige Genehmigungsverfahren entscheidend. (hh)



