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Mark Dowding: Warum es bald wieder spannend werden könnte

Die USA – und mit ihnen Präsident Donald Trump – haben den Handelskrieg vorerst für sich entschieden. Damit wendet sich die Investorenaufmerksamkeit anderen Themen zu. Welche das sind, verrät Mark Dowding in einer aktuellen Einschätzung.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© Tom Birtchnell / Institutional Money

Die US-Aktien haben gegen Ende Juli erneut Höchststände erreicht. Zumindest die jüngsten Nachrichten waren vorteilhaft für risikoreiche Anlagen. "Die Kapitulation der EU gegenüber den Zollforderungen der USA wurde in ganz Europa mit einem Gefühl der Demütigung, Verbitterung und Unausweichlichkeit aufgenommen. Aus US-amerikanischer Sicht herrscht jedoch Hochstimmung", schreibt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar.

Das Gefühl besteht, dass Trump in den bisherigen Verhandlungen so ziemlich alle Zugeständnisse herausgeholt hat, die er sich erhofft hatte. "Unsere Analyse kommt zu dem Schluss, dass die USA den durchschnittlichen Zollsatz weltweit auf etwa 18 Prozent angehoben haben. Unter dieser Annahme prognostizieren wir annualisierte US-Zolleinnahmen von rund 450 Milliarden US-Dollar gegenüber 77 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024, was einem Anstieg von 1,25 Prozent des BIP entspricht. Diese Einnahmen dürften dazu beitragen, das US-Haushaltsdefizit im kommenden Jahr leicht unter sieben Prozent des BIP zu senken", erklärt Dowding.

Eine Seltenheit: Lob von allen Seiten für Trump
Da es keine nennenswerten Vergeltungszölle gibt, wird dies als großartiges Ergebnis für die USA angesehen. Es hat sogar dazu geführt, dass ein US-Präsident für seine Steuerpolitik quer durch das politische Spektrum Lob geerntet hat. Das ist an sich schon eine Seltenheit!

Noch wichtiger ist laut Dowding jedoch, dass der Abschluss des Handelsabkommens zusammen mit der Verabschiedung des US-Haushalts dazu beigetragen haben, die extreme politische Unsicherheit zu verringern, die noch vor wenigen Monaten das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucherinnen und Verbraucher belastet hatte.

Investoren sind für die USA wieder optimistischer gestimmt
Infolgedessen sehen Marktbeobachter die Konjunkturentwicklung in den USA wieder deutlich optimistischer als zuletzt befürchtet. Auch die These, dass die wirtschaftliche Ausnahmestellung der USA an ihr Ende gekommen sei, wird nun wieder infrage gestellt. Denn nicht zuletzt der Tech-Sektor hat gerade erneut hohe Gewinne vorgelegt. Die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Lösungen kurbelt die Investitionen in den USA an.

Der Dollar jedenfalls war eindeutig der Gewinner dieser Woche. "Die USA sind, Stand heute, als klarer Sieger aus dem Handelskrieg hervorgegangen. US-Aktien haben sich überdurchschnittlich gut entwickelt, und die Ängste rund um den Staatshaushalt haben sich vorerst gelegt. Letztlich sind die Befürchtungen, Trump könnte die Glaubwürdigkeit der US-Politik untergraben, einem widerwilligen Respekt für ihn als Verhandlungsführer gewichen", räumt Dowding ein.

US-Dollar: Kurzfristig stärker, längerfristiger weicher
Kurzfristig könnte der Dollar sogar noch weiter zulegen, wenn Investoren ihre Positionen in Erwartung einer anhaltenden Abwertung des Dollars auflösen. Mittelfristig könnte sich der Trend zu einem schwächeren Dollar allerdings fortsetzen, wenn die US-Geldpolitik lockerer wird und sich dadurch die Leitzinsen aus Anlegersicht annähern.

Zwar hat Jerome Powell diese Woche vorerst an den bestehenden US-Zinssätzen festgehalten. Die guten Wirtschaftsdaten bestätigen diese Entscheidung ebenso wie die höheren Inflationsrisiken in nächster Zeit. Normalerweise sollte es also wenig Grund zur Annahme geben, dass die Zinsen demnächst gesenkt würden.

Doch wegen Donald Trumps aggressivem Druck auf die Fed geht Dowding davon aus, dass eine Lockerung der US-Geldpolitik eher eine Frage des „wann” als des „ob” ist. Schließlich hat Trump in den letzten Monaten so gut wie alle Kämpfe für sich entschieden – es wäre also womöglich unklug darauf zu wetten, dass er seine Wünsche hinsichtlich des geldpolitischen Kurses nicht durchsetzen wird.

"Im Handelsstreit mit der EU hat Trump deren Machtlosigkeit und Führungsschwäche offenbart. Zumindest besteht das Gefühl, dass aber das schlimmste Szenario im Handelsstreit abgewendet wurde", merkt Dowding an.

Die EU hat eine Vereinbarung geschlossen, die mit den meisten anderen Handelspartnern der USA vergleichbar ist, sodass sich die relative Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz in den USA nicht verändert. Der europäische Binnenmarkt entwickelt sich in die richtige Richtung und sollte davon profitieren, dass die von Trump verursachte Unsicherheit im Handel mit Europa auf absehbare Zeit beigelegt worden ist.

Ausblick
Der Fokus liegt Dowding zufolge nun wieder auf den Wirtschaftsdaten. Er erwartet, dass der US-Arbeitsmarktbericht und der kommende US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe eine weitgehend positive Prognose untermauern werden. Die Märkte haben das Getöse um die vierteljährlichen BIP-Zahlen nicht allzu sehr beachtet. Obwohl die meisten Experten davon ausgehen, dass die Zölle in der zweiten Jahreshälfte die US-Wirtschaft etwas bremsen dürften, könnte die BIP-Prognose von 1,5 Prozent sogar noch etwas Luft nach oben haben.

"Wenn die Juli-Inflationszahlen am 12. August veröffentlicht werden, sehen wir mehr Potenzial für eine Marktvolatilität. Bei weiterhin positiven Wachstumsaussichten könnten die nächsten Daten zum Verbraucherpreisindex ausschlaggebend für die Entscheidungen der Fed sein und die Richtung für die Finanzmärkte in den nächsten Monaten angeben", erklärt Dowding abschließend. (aa)

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