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Mark Dowding: Warum die USA derzeit Europa vorzuziehen ist

Der Chief Investment Officer (CIO) bei BlueBay Asset Management zeichnet sein aktuelles Bild der Wirtschaft sowie der Märkte und erläutert, warum die USA und der Greenback gegenüber dem Alten Kontinent im Vorteil sind. Vor allem die Mischung aus Inflation und Nahrungsmittelknappheit sorgt den CIO.

Mark Dowding
Mark Dowding, BlueBay Asset Management
© BlueBay Asset Management

Die Staatsanleiherenditen stiegen in der vergangenen Woche weltweit an. Im Fokus der Marktteilnehmer stand die anhaltend hohe Inflationsrate in Europa. Die Großhandelspreise für Gas sind in der Region inzwischen zehnmal so hoch wie im vergangenen Jahr, rekapituliert Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, ein paar der wichtigsten Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit.

Lohn-/Preisspirale und Hungersnöte drohen
Auch wenn die Regierungen versuchen, Verbraucher und Unternehmen vor den vollen Auswirkungen des Energieschocks zu schützen: Allmählich zeigen sich Zweitrundeneffekte bei den Preisen für Waren und Dienstleistungen. Unterdessen verschärft die jüngste Dürre in Europa die Teuerung bei Lebensmitteln. Durch den Mangel an Düngemitteln besteht das Risiko einer künftigen weiteren Verknappung der Lebensmittelversorgung, warnt Dowding.

Infolge dieser Auswirkungen dürfte die Inflation in der Eurozone erst Anfang 2023 ihren Höhepunkt erreichen. Im Vereinigten Königreich könnte der Verbraucherpreisindex sogar noch monatelang zweistellig bleiben und im ersten Quartal 2023 möglicherweise einen Höchststand von 15 Prozent erreichen.

Stagflation bringt System unter Druck
Der Druck auf die Realeinkommen in ganz Europa verschärft die Rezessionsrisiken. Die Europäische Zentralbank lässt indes verlauten, dass höhere Zinssätze derzeit kaum Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben. Das zeigt Dowding zufolge, dass die Währungshüter weiterhin die Zinsen erhöhen müssen – selbst wenn das Wachstum weiter einbricht. Dieses stagflationäre Umfeld ist eine Herausforderung und es ist verständlich, dass die Regierungen die Auswirkungen abfedern wollen.

Teufelskreis setzt sich in Bewegung
Eine Erhöhung der Ausgaben in Zeiten sinkender Staatseinnahmen droht jedoch, die Haushaltsdefizite in der gesamten Region in den kommenden Quartalen in die Höhe zu treiben, warnt Dowding.

Eine lockere Fiskalpolitik könnte bedeuten, dass die Zentralbanken zu gegebener Zeit mehr Spielraum für weitere Zinserhöhungen haben. Es ist für Dowding absehbar, dass die Renditen im Laufe des kommenden Jahres weiter steigen werden, sofern keine besseren Nachrichten mit Blick auf die Inflation zu erwarten sind.

USA kriegt die Kurve
In den USA sind Dowding zufolge die Entscheidungsträger derweil offenbar zuversichtlicher als beispielsweise in UK, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und sich auf einem Abwärtspfad befindet. Die nachlassenden Ölpreise, der starke US-Dollar und die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt sind Faktoren, die in den kommenden Monaten zu einer Mäßigung der Preise beitragen können, prognostiziert Dowding.

Im Gegensatz zur Fiskalpolitik in Europa, die die Inflation anheizen kann, ist das Haushaltsdefizit in den USA im vergangenen Jahr dank der robusten Wirtschaft deutlich gesunken. Nach zweistelligen Defiziten – in Prozent der Wirtschaftsleistung – in den Jahren 2020 und 2021 liegt es im laufenden Quartal bei knapp drei Prozent. Die US-Fiskal- und Geldpolitik waren in den vergangenen Jahren gut aufeinander abgestimmt: In der Pandemiezeit kurbelten sie die Wirtschaft an und arbeiten in jüngster Zeit daran, den Nachfrageüberhang zu dämpfen.

"Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass die Ausnahmestellung des US-Wachstums in absehbarer Zeit ein Ende findet. Grundsätzlich scheint die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in einer viel solideren Lage zu sein als auf der anderen Seite des Atlantiks", hält Dowding abschließend fest. (aa)

 

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