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Mark Dowding über ein bedrohliches Auseinanderdriften am Rentenmarkt

In einer Marktanalyse beleuchtet der Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management die jüngsten Entwicklungen bei Anleihen und Währungen und weist u.a. darauf hin, dass es bei High Yield Bonds gewisse Warnsignale gibt, die Investoren genauer beobachten sollten.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© Tom Birtchnell / Institutional Money

Die US-Renditen blieben nach der jüngsten Fed-Zinssenkung diese Woche innerhalb ihrer jüngsten Handelsspanne. Der Mittelwert der Zinsspanne von 3,625 Prozent war allgemein erwartet worden, und die Prognosen des FOMC sowie Powells anschließende Kommentare enthielten kaum Überraschungen.

"Zukünftig wird der Kurs der US-Geldpolitik stark von der Datenlage abhängen, da sich der Leitzins aktuell nahezu auf neutralem Niveau befindet. In diesem Zusammenhang verweisen die Befürworter einer lockeren Geldpolitik auf die wachsenden Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt im kommenden Jahr. Die Befürworter einer restriktiven Geldpolitik schauen hingegen auf die Inflationsrate, die bereits seit fünf Jahren über der Zielmarke liegt", schreibt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem aktuellen Wochenkommentar.

Dowding geht weiterhin davon aus, dass sowohl Wirtschaftswachstum als auch Inflation deutlich über den aktuellen Prognosen der Fed liegen werden, insbesondere im ersten Halbjahr 2026. "Die Wachstumsdaten für das aktuelle Quartal sind zwar aufgrund des Shutdowns verzerrt, aber wir sehen dennoch eine robuste Nachfragedynamik", merkt Dowding an.

Rückenwind voraus
Die Daten der Woche deuten Dowding zufolge auf ein solides Angebot auf dem Arbeitsmarkt sowie auf bessere Stimmung bei kleinen Unternehmen hin und scheinen damit diese These zu stützen. Anfang 2026 sollte Rückenwind durch Steuererleichterungen, Deregulierung und die verzögerten Auswirkungen früherer Zinssenkungen hinzukommen. Investitionen in KI-bezogene Geschäftsbereiche legen ebenfalls weiter zu.

"Auf dieser Grundlage rechnen wir für das erste Halbjahr 2026 mit einem durchschnittlichen Wachstum des US-BIP von 3,5 Prozent, was mehr als ein Prozentpunkt über den aktuellen Prognosen der Fed für das Gesamtjahr liegt. Die Inflation auf Basis des Verbraucherpreisindexes sehen wir bei 3,5 Prozent und die vom FOMC bevorzugte Kerninflationsrate bei etwa 0,5 Prozent über der jüngsten Prognose des Ausschusses. Falls keine überraschenden neuen Daten hinzukommen, gibt es aus unserer Sicht daher keine Grundlage für weitere Zinssenkungen in den USA", prognostiziert Dowding.

Hohe Erwartungen an den neuen Fed-Chef
Allgemein wird allerdings erwartet, dass ein neuer Fed-Vorsitzender sein Amt mit einer klaren Tendenz zur Lockerung antreten wird. Da die Märkte eine Zinssenkung in den USA in den nächsten sechs Monaten und eine weitere Lockerung in der zweiten Jahreshälfte einpreisen, könnte es Dowding zufolge schwierig werden, diesen Erwartungen allzu stark zu widersprechen.

Höhere Renditen in Europa, vor allem am langen Ende
Auf der anderen Seite des Atlantiks standen die Renditen von Staatsanleihen in Europa weiterhin unter einem gewissen Aufwärtsdruck. Die bevorstehenden Änderungen der niederländischen Rentengesetzgebung lassen Anleger von Anleihen mit langer Laufzeit Abstand nehmen. Angesichts des hohen Januar-Angebots an den europäischen Staatsanleihemärkten hat die Kaufzurückhaltung die Renditen in die Höhe getrieben.

Die ziemlich falkenhaften Äußerungen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel trugen letzte Woche ebenfalls zur negativen Stimmung bei Euro-Anleihen bei. Angesichts der sinkenden Gaspreise in Europa geht Dowding jedoch eher davon aus, dass die Inflation in der Eurozone in den nächsten Monaten unter das Zielniveau fallen wird, anstatt zu steigen.

UK und Japan: Unterschiedliche Entwicklungen
Da die Fed-Sitzung nun hinter uns liegt, richten sich nächste Woche alle Augen auf die Meetings der Notenbanken in Großbritannien und Japan. Sehr wahrscheinlich werden wir im ersten Fall eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sowie im zweiten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte sehen.

Für Japan erwartet Dowding zwei weitere Anhebungen 2026 und eine weitere Anfang 2027. Damit würden die Leitzinsen bis zum Beginn des japanischen Geschäftsjahres 2027 auf 1,5 Prozent steigen und auf das untere Ende der neutralen Bandbreite der Bank of Japan angehoben.

"Den Yen finden wir nach wie vor attraktiv. Allerdings könnte die Befürchtung, Premierministerin Sanae Takaichi könnte auf eine noch lockerere Geldpolitik drängen, wenn der Yen nicht unter Abwärtsdruck steht, durchaus Carry Trades begünstigen. Dann könnte der Yen seine Verluste nicht wieder wettmachen – selbst bei einer relativ robusten wirtschaftlichen Grundlage", hält Dowding fest.

Corporate Debt: Divergenzen unter der Oberfläche
Bei Unternehmensanleihen sind die Spreads auf Indexebene relativ stabil geblieben, und Dowding geht davon aus, dass diese Bedingungen bis in die erste Hälfte des Jahres 2026 hinein anhalten können. "Schaut man sich das High-Yield-Segment genauer an, ist eine zunehmende Streuung zwischen den Bonitätsstufen zu erkennen: Euro-Anleihen mit einem stabilen B-Rating erzielen plus 4,7 Prozent, während Emittenten mit CCC-Rating bei minus 3,4 Prozent liegen", weist Dowding auf eine wichtige Entwicklung "unter der Oberfläche" hin.

Dieser Trend ist zwar nur am sehr schwachen Ende des Marktes zu beobachten, doch er verdeutlicht das wachsende Auseinanderdriften. Durch negative Schlagzeilen in Verruf geratene Schuldner werden von den Anlegern schnell abgestraft.

Stress am Private Debt-Markt
Vor diesem Hintergrund wird die gezielte Titelauswahl 2026 wohl noch wichtiger. Dieser Trend wird durch die steigenden Spannungen an den Private Markets noch bestätigt. Mittlerweile werden 20 Prozent des Private-Debt-Volumens im Payment-in-Kind-Format gehalten, da diese Emittenten zunehmend nicht mehr in der Lage sind, ihre Kuponzahlungen zu leisten.

Euro gegenüber Greenback zuletzt gestiegen, da Zinsdifferenz geringer wurde
Am Währungsmarkt hat der Euro gegenüber dem Dollar zuletzt weiter leicht zugelegt, da sich der Spread zwischen den Renditen in Euro und US-Dollar weiter eingeengt hat. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen sind 2025 um 50 Basispunkte gestiegen, womit sich der Spread zwischen US Treasuries und Bundesanleihen im Laufe des vergangenen Jahres um 100 Basispunkte verringert hat.

Das erklärt die relative Stärke des Euro 2025. Allerdings ist die Wirtschaftsleistung der Eurozone weiterhin enttäuschend. Das herausragende Wachstum in den USA wird dagegen wohl auch 2026 weitergehen.

Bundesanleihen vs US-Treasuries
Dowding bezweifelt, dass US-Staatsanleihen Bundesanleihen in den nächsten Monaten weiter outperformen werden. Die Entwicklung der Bundesanleihen ist 2025 zum Teil auf die expansive deutsche Fiskalpolitik zurückzuführen. In der Eurozone insgesamt dürfte der fiskalische Impuls im kommenden Jahr dagegen zu vernachlässigen sein.

Für die Eurozone geht Dowding eher von einer sinkenden Inflation aus. Auf der anderen Seite des Atlantiks dürfte sie dagegen in den nächsten sechs Monaten leicht ansteigen. "Daher tendieren wir in der ersten Jahreshälfte 2026 eher zu einem stärkeren Dollar. Angesichts der anderen Einflussfaktoren auf dem Devisenmarkt als Anlageklasse vertreten wir diese Meinung derzeit allerdings nicht mit großer Überzeugung", erklärt Dowding.

Ausblick auf 2026: Trump hat seinen Schrecken verloren, KI ist DAS Thema
In der Rückschau auf 2025 ist es laut Dowding bemerkenswert, dass wir uns alle etwas weniger den Kopf über Donald Trump zerbrechen als noch vor einem Jahr: "Für die kommenden Monate sehen wir keine großen politischen Veränderungen oder Initiativen. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass der US-Präsident die Finanzmärkte sowohl verunsichern als auch beunruhigen wird. Wir haben jedenfalls den Eindruck, dass uns sein Getöse bis zu einem gewissen Grad abgestumpft hat. Das zeigt sich auch im Anlegerverhalten: Die KI ist wohl das wichtigste Thema im nächsten Jahr – nicht die politische Entwicklung in Washington DC."

In den nächsten Monaten könnte die optimistische Stimmung auf den Finanzmärkten weltweit anhalten, da die Investitionen in KI weiter zunehmen. In der zweiten Jahreshälfte 2026 könnten sich aber Risiken für die Bewertungen ergeben, falls die Investitionen zurückgehen.

"Auch in Zukunft dürfte es nicht an einschneidenden makroökonomischen Ereignissen mangeln. Schon oft hatten gerade unerwartete Ereignisse und unterschätzte Faktoren letztlich die größten Auswirkungen auf die Märkte. Vor diesem Hintergrund würden wir bezweifeln, dass die Volatilität im kommenden Jahr gering bleiben wird – was wiederum aktiven Investoren neue Chancen eröffnen kann", erklärt Dowding abschließend. (aa)

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