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Mark Dowding über Deutungshoheiten, Crack Spreads und Crowding Outs

Der Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management analysiert die jüngsten Entwicklungen an der Inflationsfront sowie der Zinsfront und warnt vor hohen Crack Spreads sowie der relativen Ruhe an den Märkten, die oftmals von unerwarteten Entwicklungen jäh beendet wird.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© RBC Bluebay Asset Management

Eckpunkte:

  • Jüngste makroökonomische Zahlen reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA auf ca. 35 Prozent
  • Mark Dowding will sich dieser Mehrheitsmeinung noch nicht anschließen
  • Kevin Warsh muss darauf achten, die Deutungshoheit zu behalten
  • Crack Spreads sehr hoch
  • Sommerliche Ruhe könnte von unerwarteten Entwicklungen beendet werden

Die Märkte waren zuletzt verhalten – Hitzewelle und Sonnenfinsternis waren die wichtigsten Gesprächsthemen in Europa. Der US-Verbraucherpreisindex für Juli lag bei 3,4 Prozent im Gesamtindex und bei 2,5 Prozent im Kernindex. Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht der vergangenen Woche stuft der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September auf nur noch 35 Prozent ein. Vor wenigen Wochen war sie noch fast vollständig eingepreist. Allerdings werden vor der Septembersitzung noch weitere Daten veröffentlicht werden, in denen sich die höheren Energiepreise niederschlagen werden; daher geht RBC BlueBay Asset Management davon aus, dass die Inflation wieder ansteigen wird. Das ist dem aktuellen Wochenkommentar von Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, zu entnehmen.

Es dürfte nach Einschätzung von Dowding und seinem Team noch zu früh für den Schluss sein, dass die Fed die Zinsen im September nicht anheben wird: "Sollten die Wirtschaftsdaten in den nächsten Wochen mit unseren eigenen Einschätzungen übereinstimmen, rechnen wir weiterhin damit, dass eine Mehrheit des Offenmarktausschusses für eine Anhebung um 25 Basispunkte stimmen wird."

Veröffentlichte Daten gewinnen stärker an Bedeutung
Ohne Forward Guidance gewinnt Dowding zufolge die Datenlage an Bedeutung, auch wenn der Datenkalender für den Rest dieses Monats eher ruhig ist. Die Märkte warten auf Kevin Warshs Aussagen in Jackson Hole Ende des Monats.

Da die Arbeitsgruppen des Vorsitzenden jedoch noch einige Wochen und Monate davon entfernt sind, ihre Ergebnisse vorzulegen, dürfte Warsh nur sehr wenig mitteilen können. Ohne Forward Guidance werden die Märkte sich daran gewöhnen müssen, dass der Fed-Vorsitzende deutlich weniger sagt – so wie es etwa auch unter Alan Greenspan der Fall war.

Eine Frage der Deutungshoheit
Dieser Ansatz wird jedoch nur funktionieren, wenn Warsh die anderen Mitglieder des Offenmarktausschusses dazu bewegen kann, ihre Ansichten ebenfalls für sich zu behalten. "Sonst liefe er durch sein Schweigen Gefahr, die Deutungshoheit zu verlieren. Es wird interessant sein zu beobachten, ob er sich in dieser Frage durchsetzen kann", erläutert Dowding.

Spreads bewegen sich in einer engen Spanne
Die Renditen von US-Staatsanleihen und die Spreads von Investment-Grade-Unternehmensanleihen bewegten sich zuletzt in einer engen Spanne. Ungeachtet der Diskussionen über das steigende Angebot an Unternehmensanleihen, das in den letzten Monaten zu einer fortschreitenden Ausweitung der Spreads für die KI-Hyperscaler geführt hat, bewegt sich der Spread des Index für US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen seit Ende April weiterhin in einer engen Spanne zwischen 75 und 80 Basispunkten und damit auf dem gleichen Niveau wie Ende Dezember letzten Jahres.

Hohe Investorennachfrage absorbiert die hohen Anleihenemissionen
Die Credit-Nachfrage wurde in den vergangenen Monaten durch höhere absolute Nominalrenditen gestützt, wobei die Nachfrage vor allem von renditeorientierten Anlegern ausging.

Angesichts eines geringen Rezessionsrisikos und günstiger Finanzierungsbedingungen half in den letzten Monaten die reichlich vorhandene Liquidität, Nachfrage nach neuen Anleihe- (und Aktien-)Emissionen zu generieren. Allerdings besteht Sorge, die Nachfrage könnte versiegen, sobald die Geldpolitik gestrafft wird und Liquidität aus dem System abfließt.

Sorge vor Crowding out
Die Wirtschaftstheorie besagt Dowding zufolge, dass ein stetiger Anstieg der Emissionen von Staats- und Unternehmensanleihen letztendlich weitere potenzielle Kreditnehmer aus dem Markt drängen muss. Ausfallzyklen können entstehen, wenn Kreditnehmer nicht mehr in der Lage sind, ihre laufenden Schulden zu tragbaren Konditionen zu refinanzieren. Diese möglichen Schwierigkeiten scheinen für die Anleger aktuell allerdings noch keinen Grund zur Sorge darzustellen.

Crack Spreads in der Nähe ihrer Höchststände
Trotz der Sommertemperaturen ist der Herbst nicht mehr weit, und die erschöpften Gasreserven müssen noch vor dem Winter wieder aufgefüllt werden. Die Hoffnungen auf ein Ende des Konflikts und sinkende Preise sind geschwunden, und ganz allgemein lohnt es sich auch weiterhin, die Crack Spreads im Blick zu behalten, den Preisunterschied zwischen Rohöl und dem fertigen Produkt, etwa Benzin oder Diesel. Aktuell liegen sie bei 65 US-Dollar. Viele Produkte werden somit auf einem Niveau gehandelt, das nicht weit unter den im zweiten Quartal dieses Jahres verzeichneten Höchstständen liegt.

Ausblick: Die Ruhe vor dem Sturm?
Es dürfte Dowding zufolge keine große Überraschung sein, wenn die kommende Woche erneut ruhig verläuft. Die Berichtssaison ist vorbei, wir befinden uns zwischen den Sitzungen der Zentralbanken und der Kalender ist arm an bevorstehenden Wirtschaftsdaten – zu einer Jahreszeit, in der sich viele eine Auszeit von ihren Bildschirmen gönnen. "Allerdings können gerade in solchen Momenten Überraschungen die Märkte unvorbereitet treffen, und das Unbekannte kann die größten Auswirkungen auf die Märkte haben", warnt der erfahrene Marktakteur abschließend. (aa)

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