Logo von Institutional Money
| Märkte

Mark Dowding über attraktive Zinsen und begehrtes Grünland

Der Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management zeichnet ein aktuelles Bild der Märkte, das einerseits wie gewohnt von den Entwicklungen an den Rentenmärkten, aber andererseits von größeren politischen Entwicklungen geprägt ist.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© Tom Birtchnell / Institutional Money

"Wie lange träumt Europa schon davon, den Fossil-Fan Trump zu einer grüneren Politik zu bekehren? – So, wie es jetzt läuft, haben sich die Strategen in Berlin, London und Paris das jedenfalls nicht vorgestellt. Trump greift nach Grönland, übersetzt „Grünland“, und Europa hat seiner brachialen Machtpolitik wenig entgegenzusetzen", beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem aktuellen Wochenkommentar.

Ein politischer Paukenschlag folgt dem nächsten - der Rentenmarkt bleibt gelassen
Venezuela, ein gekaperter Tanker, Grönland – 2026 beginnt mit Paukenschlägen, doch die Anleihemärkte bewegen sich weitgehend in einer engen Bandbreite. In den USA wurden zehnjährige Staatsanleihen in den letzten vier Monaten zwischen 4,00 und 4,25 Prozent gehandelt, wobei die Märkte für Zinsfutures eine Zinssenkung der Fed in der ersten Hälfte des Jahres 2026 und eine weitere in der zweiten Jahreshälfte einpreisen.

Die Neuauflage der Monroe-Doktrin legt die westliche Hemisphäre als Einflussbereich der USA fest, etwa wenn der US-Präsident behauptet, dass sein Land Venezuela in absehbarer Zukunft effektiv „regieren“ werde, und erklärt, dass die USA ihre Ziele in Grönland mit allen notwendigen Mitteln verfolgen würden.

Höheres Ölangebot aus Venezuela könnte auf mittlere Sicht die Karten neu mischen
In Venezuela könnte die Intervention der USA zu einem Wiederaufbau der erschöpften Infrastruktur in der Ölindustrie führen, wodurch das Land mehr Reservekapazitäten kontrollieren würde als die OPEC insgesamt, merkt Dowding an.

Niedrigere Ölpreise wiederum könnten gute Nachrichten für Inflation und Zinsen bedeuten, aber auch Probleme für Produzenten von schwerem Rohöl mit höheren Kosten (wie Kanada) oder für Staaten, die zur Stützung ihrer Finanzlage stark von Öleinnahmen abhängig sind (wie Saudi-Arabien) hervorrufen. Solche Entwicklungen könnten sich allerdings eher in den kommenden Quartalen als in den nächsten Wochen abzeichnen.

Der Stärkere gewinnt
Trumps Grönland-Drohungen lösen in Europa Panik und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit aus. Europa ist im Zeitalter der Machtpolitik ein schwacher Akteur. Es kann protestieren, hat aber nur wenig Einfluss auf die Trump-Regierung. Wer soll die USA daran hindern, sich Grönland einzuverleiben, wenn sie es wirklich wollen? Die größere Gefahr besteht vielleicht darin, welche Auswirkungen die Politik der USA auf andere, autoritärere Regime hat, siehe China/Taiwan und Russland/Ukraine.

Es sieht laut Dowding so aus, als seien Marktteilnehmer weltweit in den letzten Jahren gegenüber geopolitischer Instabilität und Trumps Launen abgestumpft. Solange es der US-Wirtschaft gut geht, schauen die Märkte offenbar gerne weg.

"Wir befinden uns allerdings in einer Phase fundamentaler Umbrüche in der nationalen wie internationalen Politik. Möglicherweise braucht es nicht viel, um das Investment-Umfeld in den kommenden Monaten zu verunsichern, Anleger in sichere Häfen und die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe zu treiben. Auch die aktuelle KI-Begeisterung könnte umschlagen, unserer Meinung nach allerdings eher gegen Ende 2026, falls sich abzeichnen sollte, dass die Investitionen in KI langsamer ansteigen", prognostiziert Dowding.

Langes Ende der Zinskurve wird wieder interessant
Vor diesem Hintergrund weist Dowding darauf hin, dass die Renditen aller zehnjährigen Staatsanleihen zum ersten Mal seit Jahren etwas über den aktuellen Kassazinsen liegen. Dieses Jahr dürften weitaus mehr Länder ihre Zinsen senken als anheben. Damit sind die Ertragsaussichten für globale festverzinsliche Anlagen besser als zu Beginn irgendeines Jahres seit 2020.

2025 haben sich die Staatsanleihen der Euro-Kernländer unterdurchschnittlich entwickelt. Grund dafür war u.a. die Ankündigung, die deutsche Staatsverschuldung auszuweiten. Der Druck am langen Ende der Kurve hielt bis zum Jahresende an, da Änderungen der niederländischen Pensionsfonds-Gesetzgebung zu einem Rückgang der Nachfrage nach langlaufenden Anleihen führten.

Die Wirtschaft der Eurozone hat mit Wachstumsproblemen zu kämpfen, so dass die Inflation zukünftig eher sinken als steigen könnte. Angesichts der Äußerungen von Isabel Schnabel und anderen könnte sich die EZB dennoch mit Zinssenkungen zurückhalten. Das dämpft die Begeisterung für Bundesanleihen.

Südamerika gewinnt an Attraktivität
In Lateinamerika zeichnet sich allgemein eine eher US-freundliche Stimmung ab. Unabhängig von der Monroe-Doktrin könnten sich Argumente für ein steigendes Interesse an südamerikanischen Assets entwickeln. Sinkende Risikoprämien würden das Investment-Umfeld insgesamt verbessern.

"Wir sind optimistisch, was die Zinssätze in Kolumbien und Brasilien betrifft. Wir denken, dass die Tage der linksgerichteten Regierungen gezählt sind. Beim Thema Devisen sind wir für den chilenischen Peso positiv gestimmt", merkt Dowding an.

Ausblick: Volatilere Zeiten voraus?
Nach dem Shutdown der US-Regierung werden wieder regelmäßig Wirtschaftsdaten aus den USA veröffentlicht. Die jüngsten veröffentlichten Beschäftigungszahlen von Freitag sind wie immer ein wichtiger Markttreiber, gefolgt vom Verbraucherpreisindex am kommenden Mittwoch.

Große Überraschungen oder ein Schock wären laut Dowding nötig, um die Staatsanleihen aus ihrem Gleichgewicht zu bringen. In der kommenden Woche wird wahrscheinlich auch eine Entscheidung zu den Zöllen fallen, die Trump unter Berufung auf den nationalen Notstand verhängt hatte. "Das könnte zu Volatilität an den Märkten führen, doch mittlerweile dürfte klar sein, dass eventuell abgelehnte Zölle schnell durch andere ersetzt werden würden. Außerdem dürften wenig Unternehmen versuchen, bereits gezahlte Zölle zurückzufordern und dadurch vielleicht den Zorn der US-Regierung auf sich zu ziehen", meint Dowding.

Schnappt sich die USA "Grünland"?
Eine militärische Intervention der USA in Grönland ist nach Ansicht von Dowding eher unwahrscheinlich. Doch könnte ein Land mit so wenig Einwohnern davon überzeugt werden, die Souveränität über Schnee, Fels und Eis gegen eine Handvoll Dollar aufzugeben. Der historische Präzedenzfall sind die amerikanischen Jungferninseln. Die USA kaufen sie 1917 von Dänemark – angeblich um sich die Kontrolle über den Zugang zum Panamakanal zu sichern.

Ein Kaufpreis von 60 Milliarden Dollar würde bedeuten, dass die 57.000 Einwohner der Insel über Nacht zu Millionären werden könnten – das sei ein Lottogewinn, der das Leben in diesem rauen Klima fast schon attraktiv erscheinen lässt.

"Das Markanteste zum Jahresbeginn ist jedenfalls die offensichtliche Demonstration von Macht und Stärke der USA im Gegensatz zur Schwäche und Zurückhaltung Europas. In der Vergangenheit haben europäische Politiker immer gehofft, dass Trump zu einer grünen Politik bewegt werden könnte. Eines ist sicher: Was gerade passiert, ist nicht das, was sie sich vorgestellt hatten!", erklärt Dowding abschließend. (aa)

Dieses Seite teilen