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Mark Dowding: Günstigere Kurse abwarten

Der Rentenchef von RBC BlueBay AM analysiert die jüngsten Entwicklungen am US-Rentenmarkt und empfiehlt angesichts relativ hoher Kurse bei Credits und Aktien bei Neuinvestments etwas günstigere Notierungen abzuwarten.

Mark Dowding, RBC Bluebay AM
Mark Dowding, RBC Bluebay AM© Tom Birtchnell / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Steilere US-Zinsstrukturkurve nur dann, wenn es 2026 mehr als die erwarteten zwei Zinssenkungen geben sollte
  • „The Adolescence of Technology” von Dario Amodei, CEO von Anthropic und andere KI-Sorgen bewegen die Gemüter
  • KI könnte inflationsdämpfend wirken und damit die Staatsanleihenkurse unterstützen
  • Investoren sollten auf günstigere Kurse für Aufstockungen warten

Vieles bereits eingepreist
"Die Kurve der US-Staatsanleihen hat sich in den letzten Wochen etwas abgeflacht, was der Konsenspositionierung der Anleger zuwiderläuft, da es keinen neuen Katalysator gibt, der die Kurve weiter steiler werden lässt", rekapituliert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem Wochenkommentar eine wichtige Marktentwicklung der jüngeren Vergangenheit.

Zwei Zinsschritte in den USA eingepreist
Dowding zufolge sei eine deutlich steilere Zinsstrukturkurve nur in einem Szenario wahrscheinlich, in dem die Fed die Zinsen aggressiver senkt, als es die Märkte derzeit einpreisen. "Da jedoch das Protokoll der Fed-Sitzung dieser Woche Fragen hinsichtlich einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik aufwirft, gehen wir davon aus, dass sich die Markterwartungen hinsichtlich zweier Zinssenkungen durch die US-Notenbank im Jahr 2026 nur aufgrund signifikanterer Korrekturen der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen werden", merkt Dowding an.

Aufreger: „The Adolescence of Technology”
Da sich die allgemeinen Bewertungsniveaus derzeit kaum verändern, konzentriert sich das Augenmerk der Anleger Dowding zufolge in letzter Zeit vor allem auf die Aktien- und Anleihemärkte, während die KI-Debatte weiterhin die Diskussionsforen dominiert. Verschärft wurde sie in den letzten Wochen durch den Essay „The Adolescence of Technology” von Dario Amodei, CEO von Anthropic, aus dem Januar. Er sieht die Zivilisation bedroht und fürchtet gravierende Umbrüche, wenn KI-Plattformen in den nächsten ein bis fünf Jahren möglicherweise einen Großteil der Bürojobs ersetzen werden.

Disruptiert neueste KI einen Teil der traditionellen Software-Industrie?
Der Essay und die danach angekündigten Fortschritte bei Claude Code haben eine existenzielle Debatte über einen bedeutenden Teil des Software-Sektors ausgelöst, der im letzten Monat rund zwei Billionen US-Dollar im Marktkapitalisierung eingebüßt hat.

Derzeit wird spekuliert, dass sich der Stellenabbau in allen Bereichen der Professional Services beschleunigen wird, was die Nachfrage in allen möglichen Wirtschaftssektoren beeinflussen wird. Sogar die Zukunft von Städten wie London, New York oder Singapur steht in Frage, da sie besonders stark von Dienstleistungsarbeitsplätzen abhängig sind, merkt Dowding an.

"Angesichts dieser neuen düsteren Einschätzungen haben wir allerdings den Eindruck, dass der KI-Pessimismus zum Teil übertrieben ist. Möglicherweise spiegelt die Stimmung auch das miserable Winterwetter wider. Nichtsdestotrotz haben wir es mit einem sehr unsicheren und schwierigen Investmentumfeld zu tun, und die Bewertung bewegen sich auf relativ hohem Niveau", relativiert Dowding.

Auswirkungen auf die Rentenmärkte
Letztlich könnte sich die Nutzung von KI laut Dowding zu einem wichtigen disinflationären Motor entwickeln. Es ist jedoch möglich, dass wir dafür noch für einige Zeit keine Anzeichen sehen werden.

Aufgrund dieser makroökonomischen Unsicherheiten behält Dowding einen neutralen Ausblick für US-Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen bei. In Europa hält Dowding niedrigere Inflationsraten in naher Zukunft für wahrscheinlicher. Bundesanleihen dürften sich dabei eher seitwärts bewegen, da steigende Militärausgaben die Staatshaushalte und das Angebot an Staatsanleihen belasten. Dowding erwartet, dass die EZB an ihrer geldpolitischen Linie festhält – die Frage, wer auf Christine Lagarde als EZB-Präsidentin oder -Präsident folgen wird, dürfte die Diskussionen und Spekulationen deutlich stärker anfachen.

Warten auf günstigere Kurse empfehlenswert
Dowding hält das Risiko vorerst auf moderatem Niveau. Die Märkte scheinen sich seitwärts zu bewegen. Das verdeckt jedoch die darunter liegende teilweise extreme Volatilität.

Es wäre laut Dowding keine große Überraschung, wenn es in den nächsten Wochen zu einer etwas längeren Phase der Risikoaversion käme, bevor sich die Aktienmärkte auf einer solideren Basis bewegen, von der aus sie wieder Aufwärtsmomentum aufbauen können: "Daher würden wir eher weiter abwarten und unsere Positionen in Schwächephasen ausbauen. Bei Unternehmensanleihen gibt es aus unserer Sicht keinerlei Druck zum Kauf, da in den kommenden Monaten ein reichliches Angebot zur Verfügung stehen wird." (aa)

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