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Mark Dowding: Geduldig abwarten, bis....

Der Rentenchef von RBC BlueBay Asset Management zeichnet ein aktuelles Bild der Märkte und empfiehlt angesichts eines möglichen Kursrückgangs in den Sommermonaten, an der Seitenlinie zu bleiben, um im Fall des Falles zu günstigeren Kursen Positionen bei Risiko-Assets aufzustocken.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© Tom Birtchnell / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Extrem hohe Emissionen von Anleihen und auch Aktien könnten auf Sicht die Märkte belasten
  • Noch ist nicht der richtige Zeitpunkt, um auf eine steilere Zinsstrukturkurve zu setzen
  • Investoren sollten geduldig auf niedrigere Einstiegskurse warten

Die Ruhe vor dem Sturm?
Die US-Renditen stiegen in den vergangenen Tagen vor dem Hintergrund erneuter Nahost-Spannungen weiter an. Eine Normalisierung des Handels durch die Straße von Hormus liegt in weiter Ferne. Präsident Trump erklärte das Waffenstillstandsabkommen für obsolet, doch die Märkte bleiben skeptisch, ob es zu einer wesentlichen Eskalation kommt oder nicht. Taten sagen mehr als Worte, und Anleger glauben nicht, dass die US-Regierung sich erneut in den regionalen Sumpf hineinziehen lassen will. Daher die geringe Volatilität. Das berichtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem aktuellen Wochen-Kommentar.

Infolgedessen sieht Dowding den Markt weiterhin in Richtung Carry-Geschäfte tendieren. Die anhaltende Nachfrage nach neuen Aktien- und Anleiheemissionen bleibt vorerst robust – die jüngste Jumbo-Anleiheemission von Amazon in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar ist die siebte Transaktion dieser Größenordnung seit Jahresbeginn.

Allerdings scheint das schiere Volumen der Neuemissionen von Anleihen (und Aktien) zunehmend zu einem Engpass zu werden, der die Aufwärtsdynamik der Kurse begrenzt. Der Ansturm auf die Beschaffung von Liquidität könnte Dowding zufolge irgendwann die Frage aufwerfen, wie wirksam groß angelegte Unternehmensinvestitionsprogramme wirklich sind, und Anleger dürften Belege für Gewinnwachstum fordern, um diese Ambitionen zu untermauern. "Wir gehen davon aus, dass diese Frage in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen wird, und eine abrupte Kehrtwende in der Stimmung rund um KI könnte einen erheblichen makroökonomischen Schock auslösen. Allerdings sehen wir vorerst noch kaum Anzeichen dafür, dass dies eintreten könnte."

KI beeinflusst die Inflationsentwicklung
Für Anleger in festverzinsliche Wertpapiere dürfte derzeit wichtiger sein, dass die robuste Investitionsdynamik im KI-Bereich einen relativ langsamen Rückgang der US-Inflation wahrscheinlich macht, was die Fed auf einem restriktiven Kurs halten dürfte.

Bei einer genaueren Analyse der Inflationsaussichten fällt laut Dowding auf, dass die Benzinpreise trotz niedrigerer Rohölpreise aufgrund der Knappheit an Raffinerieprodukten relativ stabil bleiben. "Unterdessen ist zwar mit einer Abschwächung der Inflation auf dem US-Wohnungsmarkt zu rechnen, doch da gleichzeitig KI die Chip-Preise in die Höhe treibt, rechnen wir nicht mit einem deutlich schnelleren Rückgang des Verbraucherpreisindexes", prognostiziert Dowding.

Geldmarkt preist in den USA derzeit zwei Zinsschritte nach oben ein
Dowdings Meinung nach preisen die US-Geldmärkte die künftige Zinsentwicklung mit einer Anhebung um 25 Basispunkte im September und einem weiteren Schritt im ersten Quartal des nächsten Jahres angemessen ein.

Eine Prognose für die Fed-Sitzung im Juli sei schwieriger. Da Kevin Warsh auf eine Forward Guidance verzichtet, werden die Marktteilnehmer wahrscheinlich bis zur letzten Minute im Unklaren bleiben. "Eine Diskussion innerhalb des Offenmarktausschusses über eine Zinserhöhung schon im Juli ist wahrscheinlich, aber es würde uns auch nicht überraschen, wenn die Zinserhöhung bis Herbst aufgeschoben würde", erklärt Dowding.

Euroland: Zinspause voraus
In Europa rechnen wir eher mit einer Zinspause der EZB im Juli, doch eine Entscheidung im September wird von der Entwicklung der Konjunkturdaten der nächsten Monate abhängen. Die Renditekurven in den USA und Europa sind relativ flach, und anhaltende Bedenken hinsichtlich der Fiskalpolitik und der Entwicklung der Staatsverschuldung dürften auf absehbare Zeit auf Wertpapiere mit langer Laufzeit drücken.

"Es scheint jedoch noch nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um auf eine Versteilung der Zinsstrukturkurve zu setzen, solange das Aufwärtsrisiko für die Märkte – die eine noch stärkere geldpolitische Straffung einpreisen, als derzeit berücksichtigt ist – nicht überwunden ist", betont Dowding.

Frankreich: Investoren wollen bei OATs höhere Risikoprämien
Diese Woche rückte die französische Politik erneut in den Fokus, nachdem Marine Le Pen die Zulassung als Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National für die Wahl im nächsten Jahr erhalten hat. Die Märkte betrachten Le Pen als extremer und polarisierender als ihren jüngeren Kollegen Jordan Bardella. Infolgedessen haben sich französische OATs im Laufe der Woche unterdurchschnittlich entwickelt, wobei sich der Spread für 10-jährige Anleihen auf 82 Basispunkte ausgeweitet hat und damit knapp unter dem Höchststand des vergangenen Sommers von 85 Basispunkten liegt.

Geduldig auf niedrigere Kurse warten
Das Risiko einer weiteren Eskalation im Nahen Osten in den kommenden Wochen bleibt. Ein Ausverkauf an den Märkten wäre ein attraktiver Einstiegspunkt, um Risikopositionen aufzubauen, es sei denn, die US-Regierung überdenkt ihre Haltung hinsichtlich eines Bodeneinsatzes im Iran, aber das ist wenig wahrscheinlich. Die Märkte sind im Sommer weniger liquide, was sich auf die Volatilität auswirkt. Schon geringfügige Anlässe könnten für Positionsschließungen und kurzfristige Verwerfungen sorgen. Dies spricht dafür, geduldig abzuwarten, bis sich Chancen bieten. (aa)

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