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Mark Dowding erwartet "düstere Nachrichten"

Der Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management zeichnet ein aktuelles Bild der Märkte, das von Versorgungsengpässen, höheren Inflationsraten, politischen Risiken geprägt ist. Entsprechend nimmt das Korrekturpotenzial an den Märkten zu.

Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management
Mark Dowding, RBC Bluebay Asset Management© Tom Birtchnell / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Höhere Inflationsraten wie auch die Krise im Nahen Osten werden mehr und mehr zum Problem
  • Donald Trump gerät stärker unter Druck
  • Aktienmärkten droht Korrektur

Die Anleiherenditen weltweit sind angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks, der die Stimmung belastet, weiter angestiegen. Bereits seit mehr als 60 Monaten in Folge hat der US-Verbraucherpreisindex (CPI) das Zwei-Prozent-Ziel der Fed überschritten. Vor diesem Hintergrund hat das US-Finanzministerium vor wenigen Tagen erstmals seit 2007 30-jährige Anleihen mit einem Kupon von fünf Prozent begeben, blickt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in einem Marktkommentar zurück.

Kurzfristig ist die Beschleunigung des Preisdrucks in den USA auf die steigenden Energiepreise seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten zurückzuführen. "Allerdings erklärt das nicht vollständig den Sprung der US-Erzeugerpreise im letzten Monat von 4,0 auf 6,0 Prozent", merkt der Rentenchef an.

"Viele US-Ökonomen gehen seit einiger Zeit davon aus, dass sich der Preistrend wieder dem Mittelwert annähern und die Inflation zurück zum Zielwert führen wird. Richtig ist: Sollten die Lieferketten im Nahen Osten wieder funktionieren, könnten die Ölpreise im Frühjahr 2027 niedriger sein als heute. Das dürfte zu einem deutlich günstigeren Marktumfeld beitragen", prognostiziert Dowding.

Gefahr einer neuerlichen Lohn-/Preisspirale
Dowding merkt ein "Aber" an: Je länger die Inflation vom Zielwert abweicht, desto stärker wird sich ein höheres Inflationsniveau in den Preiserwartungen verankern. Das führt dazu, dass Arbeitnehmer höhere Löhne fordern, um sicherzustellen, dass ihre Realeinkommen nicht geschmälert werden. Ein solcher Lohndruck dürfte erst nachlassen, wenn der Arbeitsmarkt unter einem deutlich ungünstigeren Wachstumsumfeld leidet.

Vorerst wird laut Dowding das Wachstum in den USA jedoch durch die enormen Tech-Investitionen gestützt. Dazu kommt, dass denjenigen höhere Löhne gezahlt werden müssen, die die schlechter bezahlten Jobs besetzen, die bisher von Migranten übernommen wurden – zum Beispiel für Gärtner, die Kinderbetreuung oder Reinigungskräfte.

Um Inflationssorgen zu entkräften, wird häufig mit KI argumentiert. Ihr Einsatz soll in den kommenden Quartalen Produktivitätssteigerungen vorantreiben, von denen man annimmt, dass sie zu niedrigeren Preisen führen werden. Auf kurze Sicht führt der Ansturm auf den Bau von Rechenzentren und den Ausbau von Kapazitäten jedoch eher zu Engpässen, was sich offenbar preistreibend auswirkt.

"Ungeachtet der erhöhten Inflation erwarten wir, dass die Fed unter Kevin Warsh eine optimistischere, vorausschauende Sicht auf die Preise beibehält. Aus dieser Perspektive erscheint die Hürde für Zinserhöhungen weiterhin sehr hoch", prognostiziert Dowding.

Gesamt-Inflationsprognose für die USA: 4,5 Prozent
Dowding und seine Kollegen gehen davon aus, dass die US-Gesamtinflation in den nächsten Monaten 4,5 Prozent erreichen wird. Die US-Notenbank dürfte vorerst dennoch eine eher „transitorische“ Haltung einnehmen und darauf hoffen, dass eine Normalisierung der Energiepreise und ein Ende der Lieferkettenengpässe in den kommenden Monaten die Notwendigkeit reduziert, Maßnahmen zu ergreifen. Diese Einschätzung könne sich natürlich ändern, falls sich die Krise im Nahen Osten weiter hinzieht.

Sperre der Straße von Hormuz wird immer größere Belastung
Derzeit scheinen die meisten Beobachter davon auszugehen, dass ein Friedensabkommen kurz bevorsteht. Manche Nachrichten-Kanäle platzieren offenbar jedes Mal, wenn die Börsen zu schwanken beginnen, Meldungen über ein bevorstehendes Abkommen, so dass diese Erwartung bislang nicht wirklich in Frage gestellt wurde. Doch mit jeder Woche scheint Dowding der zufolge der Druck des Iran weiter zu steigen, und die Trump-Regierung sucht immer dringlicher nach einem Ausweg.

Dies könnte laut Dowding auf eine letztendliche Niederlage der USA hindeuten. Doch da die Positionen beider Seiten nach wie vor weit auseinanderliegen, ist ein rascher Ausweg aus der aktuellen Sackgasse eher nicht zu erwarten. Folglich besteht weiterhin das Risiko, dass die Energiepreise steigen, zumal die Reserven zur Neige gehen. Und solange kein Ende des Konflikts in Sicht ist, ist es schwierig, den Höhepunkt der Inflation vorherzusagen.

Trump gerät immer stärker unter Druck
Nach dem China-Gipfel zwischen Trump und Xi ist der nächste wichtige Termin im Kalender des US-Präsidenten die Feier zum 4. Juli, die in diesem Jahr den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung markiert. Beobachter gehen davon aus, dass Trump sicherstellen will, dass der Konflikt im Nahen Osten rechtzeitig vor diesem Jubiläum beendet ist.

Einige Experten in Washington haben angedeutet, dass dies in den nächsten ein bis zwei Wochen Raum für eine letzte militärische Eskalation schaffen könnte. Mit 21 Prozent ist Trumps Zustimmungsrate derzeit so niedrig, dass er wenig zu verlieren hat. Tatsächlich verschlechtern sich die Aussichten für die Republikaner bei den Zwischenwahlen weiter, so dass der Kampf um den Senat nun völlig offen ist.

Sollte sich die Lage für Trump im Laufe des Sommers noch weiter verschlechtern, könnten laut Dowding sogar Diskussionen über ein scheinbar weit hergeholtes Szenario aufkommen. Danach könnten die Demokraten 60 Sitze gewinnen und wären in der Lage, 2027 gegen Trump ein Impeachment-Verfahren einzuleiten.

Aktienkurse zeigen sich unbeeindruckt, steigen und steigen
Unbeeindruckt von den makroökonomischen und politischen Problemen haben US-Aktien ihre Rally fortgesetzt. Sowohl Verbraucher als auch Unternehmen verschulden sich oder nutzen vorhandenes Kapital, um zu konsumieren oder zu investieren. Das stützt die Gewinne im S&P. Da die Fed unter Warsh dieser Entwicklung wahrscheinlich nicht entgegenwirken wird, könnte sich der Trend vorerst fortsetzen, auch wenn die Bewertungen sehr hoch sind.

"... düstere Nachrichten"
In vielerlei Hinsicht sei es verlockend zu glauben, dass nur eine echte US-Rezession ausreichen würde, um die tief verwurzelte „Buy-the-Dip“-Mentalität einzudämmen. Dowding bezweifelt allerdings, dass Anlagen außerhalb der USA und des Tech-Booms solche Kurse aufrechterhalten können.

Insbesondere bei Anleihen und den Spreads ist er eher vorsichtig. "Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich eher düstere Nachrichten produziert." (aa)

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