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Marc Renaud, Mandarine Gestion: „Ich stehe bereit“

Der Mastermind von Mandarine Gestion und Grandseigneur des Value-Investings steht mit seinem Europaaktienfonds Mandarine Valeur in den Startlöchern, um von einem Value-Comeback zu profitieren. Dies erklärte Renaud anlässlich einer Präsentation vor Investoren in Wien.

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Performance-Analyse des Mandarine Valeur
Performance-Analyse des Mandarine Valeur
Die Performance des Europaaktienfonds Mandarine Valeur litt unter der Schwäche vieler Substanzaktien im Vergleich zum Gesamtmarkt. Während der Fonds 2016 und auch 2017 besser als der Index performte, hinkte er die letzten beiden Jahre hinterher.

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© Mandarine Gestion

„Für Value-Investoren waren die letzten zehn Jahre ein Albtraum“, erklärte Marc Renaud, Präsident und Gründer der französischen Investmentboutique Mandarine Gestion, anlässlich einer von Willenbacher Advisory organisierten Fondspräsentation vor professionellen Marktteilnehmern in Wien. „Wir haben gerade das schlimmste Szenario für Value-Anlagen erlebt.“

Renaud zeigte am Beginn seines Vortrags einen Chart, in dem die beiden Anlagestile Growth und Value anhand der beiden Indizes MSCI World Value und MSCI World Growth miteinander seit Mitte der 1970er Jahre relativ zu einander verglichen werden und in dem die seit 2007 andauernde Underperformance von Value klar ersichtlich ist (siehe die Grafik in der Bildergalerie oben). Abgesehen von den disruptiven Entwicklungen in der Realwirtschaft zählen, aufgrund der Bedeutung von DCF-(Discounted Cash Flow)-Modellen bei der Aktienbewertung, immer niedrigere Zinsen als Hauptgrund für das Hinterherhinken von Substanz- im Vergleich zu Wachstumsaktien (siehe den zweiten Chart oben).

Anlagestil bleibt unverändert
Renaud, der seit mehr als zwei Jahrzehnten auf europäische Value-Aktien setzt, bleibt seinem Anlagestil jedoch weiterhin treu. Er ist überzeugt, dass der Value Stile nicht tot ist. „Warum sollte ein Anlagestil, bei dem man in günstige Aktien investiert, tot sein? Das ist nicht plausibel“, betonte Renaud. Er ist überzeugt, dass Überrenditen möglich sind, wenn man als Anleger gute, günstig bewertete Unternehmen identifiziert sowie kauft und einfach wartet, bis der Aktienkurs wieder steigt. Das sei eine erfolgversprechendere Strategie, als überteuerte, hochgejubelte Aktien zu kaufen, deren Bewertungen viel Fantasie, aber nur wenig Substanz hätten.

Angesichts der jahrelangen Underperformance von Value hätte dieser Anlagestil gerade jetzt großes Performance-Potential, da viele Anleger diesem zu Gunsten von Growth oder Quality-Strategien den Rücken gekehrt hätten und damit aus markttechnischer Sicht unterinvestiert seien.

Bei einer Value-Strategie benötigen aber nicht nur Einzelwerte, um nicht als „Value Trap“ jahrelang dahinzu dümpeln, einen „Katalysator“, sondern der Value-Stil selbst wartet auf einen Katalysator. Im Idealfall handelt es sich dabei um eine Kombination aus besserer Konjunktur und leicht steigenden Zinsen. Davon würden beispielsweise europäische Banken und zyklische Aktien überdurchschnittlich stark profitieren.

Wann feiert Value ein Comeback?
Langsam aber sicher könnte es so weit sein. Renaud verwies an dieser Stelle auf Studien und Präsentationen großer Banken und Fondshäuser, die vor dem Hintergrund leicht steigender Zinsen sowie einem Silberstreif am Konjunkturhimmel von einem Comeback von Value sprechen. „Sofern Value ein Comeback feiert, stehe ich interessierten Investoren mit meinem Fonds zur Verfügung“, betonte Renaud. Der Franzose stellte in Folge seinen langjährig erprobten Investmentansatz vor, der in guten Value-Phasen, beispielsweise 2016, den Gesamtmarkt klar outperformte.

Strenge Selektion
Basierend auf einem Bottum-Up-Stock-Picking-Prozess landen von rund 1.300 europäischen Aktien nach Einsatz eines Value-Filters und der Identifizierung eines Katalysators zwischen 35 und 45 Einzelwerte im Portfolio des Mandarin Valeur. Dabei haben Marc Renaud und sein Co-Fondsmanager Yohan Salleron große Freiheiten im Vergleich zur Benchmark Stoxx Europe 600 NR, was Sektoren, Länder und Aktiengröße angeht.

Basierend auf historischen Daten (Durchschnitt der letzten zehn Jahre) werden normalisierte Bewertungs- und Rentabilitätsniveaus für jeden einzelnen europäischen Aktien-Subsektor und jedes einzelne Unternehmen dieses Sektors berechnet und in Folge jene Firmen erworben, die im historischen Vergleich unterbewertet sind.

Dieser „Mean-Reversion“-Ansatz führt zu einem konträr zur allgemeinen Marktmeinung positionierten Aktienportfolio, das Fondsanlegern Diversifikationsvorteile bringen soll. Die Idee dahinter?

Laut Renaud seien alle Übertreibungen des Marktes, nach oben oder nach unten, nur vorübergehende Erscheinungen und seien nicht von Dauer. Daher sei ein konträrer Ansatz, der auf das Prinzip der Rückkehr zum Durchschnitt setze, eine erfolgsversprechende Strategie. Zu Vermeidung von Value-Traps entscheidend sei aber auch der Katalysator.

Renaud nannte dabei Kurstreiber wie Bilanzsanierungen, zyklische Aufschwünge, Rückgänge der Risikoprämien und als viertes „Veränderungsfaktoren“ wie Änderungen beim Management oder der Unternehmensstrategie. „Meine Investoren bekommen ein auf Überzeugungen beruhendes, konzentriertes Portfolio mit aktiven Management“, betonte Renaud.

Blick ins Portfolio
Basierend auf dieser Value-Strategie übergewichtete Renaud per Jahresultimo 2019 die Branchen Banken, Energie, Bau und Rohstoffe über, während beispielsweise Gesundheit aufgrund zu hoher Bewertungen untergewichtet ist. Mehr Details zum Portfolio, insbesondere Renauds Top-Picks, können Sie der Bildergalerie oben entnehmen.

Trotz aller Bemühungen war die Performance im Jahr 2019 mit 20,00 Prozent unterdurchschnittlich, da die Benchmark fast 27 Prozent zulegte. Auch auf lange Sicht musste der Value-Fonds der strukturellen Schwäche von Substanzaktien Tribut zollen und liegt verständlicherweise hinter dem breiten, auch Growth-Titel umfassenden, Gesamtmarkt (siehe Grafik oben). (aa)

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