MainSky: Warsh könnte den Fed-Put infrage stellen
Die erste Fed-Sitzung unter Kevin Warsh könnte nach Einschätzung von MainSky ein weniger unterstützendes Umfeld für die Finanzmärkte einläuten. Der Asset Manager sieht Risiken durch weniger Liquidität, steigende Laufzeitprämien bei US-Staatsanleihen und einen möglichen Abschied vom Fed-Put.
Eckpunkte:
- Warsh könnte Forward Guidance redudzieren
- Signale zu Verkürzung der Fed-Bilanz erwartet
- Steilere Zinskurve als mögliche Folge
Für die Finanzmärkte könnte die erste Fed-Sitzung mit dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh am Mittwoch richtungsweisend werden, auch wenn die US-Notenbank die Leitzinsen unverändert lassen dürfte. Nach Einschätzung von MainSky Asset Management stehen weniger die Zinsentscheidung als vielmehr mögliche Veränderungen bei Kommunikation und Bilanzpolitik im Fokus.
„Unter dem Strich dürfte Warshs Debüt kein Traumstart für die Finanzmärkte werden“, schreibt Dr. Eckhard Schulte, Vorstandsvorsitzender von MainSky Asset Management, in einem Kommentar. Die Märkte müssten sich möglicherweise auf eine Notenbank einstellen, die weniger stark auf die Erwartungen der Investoren Rücksicht nimmt und ihnen künftig deutlich weniger Orientierung bietet.
Aus Sicht von MainSky könnte Warsh mit mehreren Traditionen der vergangenen Jahre brechen. Der neue Fed-Chef gilt als Kritiker langfristiger Vorabfestlegungen und könnte die Bedeutung der sogenannten Forward Guidance deutlich reduzieren. Statt klarer Signale über den künftigen Zinspfad dürfte die Notenbank wieder stärker von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Auch die Bedeutung der Dot Plots, also der Zinsprojektionen der einzelnen Notenbankmitglieder, könnte sinken. Schulte hält es sogar für denkbar, dass Warsh bewusst auf eine eigene Projektion verzichtet, um deren Bedeutung weiter zu relativieren.
Bilanzabbau könne ein Thema werden
Noch wichtiger als die Kommunikation ist aus Sicht des Asset Managers die Bilanzpolitik der Notenbank. Warsh gilt als Skeptiker einer aktiven Nutzung der Fed-Bilanz als geldpolitisches Instrument. Entsprechend erwartet MainSky Signale, dass der Bilanzabbau der Notenbank wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Eine kleinere Bilanz könnte nach dieser Lesart helfen, Inflationsrisiken einzudämmen und langfristig Spielraum für Zinssenkungen zu schaffen.
Für die Märkte hätte ein solcher Kurswechsel jedoch Folgen. Weniger Liquidität und eine geringere Bereitschaft der Notenbank, die Finanzmärkte aktiv zu stützen, könnten die Risikobereitschaft der Anleger belasten. „Schlimmstenfalls könnte sogar der Fed-Put infrage gestellt werden“, warnt Schulte. Gemeint ist die verbreitete Erwartung, dass die US-Notenbank bei größeren Verwerfungen an den Finanzmärkten unterstützend eingreift.
Auch für den Anleihemarkt sieht MainSky Risiken. Der Abschied von einer stark steuernden Kommunikation und ein möglicherweise beschleunigter Bilanzabbau könnten die Laufzeitprämien bei US-Staatsanleihen steigen lassen und die Zinskurve steiler werden lassen.
Allerdings sieht Schulte auch Grenzen für einen aggressiveren Bilanzabbau. Bereits in der Vergangenheit hätten Spannungen am Repo-Markt und sinkende Liquiditätsreserven im Bankensystem gezeigt, wie sensibel die Finanzmärkte auf eine Verknappung von Liquidität reagieren können. (dv)