M&G sieht Europa vor Renaissance, Deutschland als Schlüsselmarkt
Im Interview mit Institutional Money erläutert M&G-CEO Andrea Rossi, warum Deutschland für den Asset Manager zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählt, weshalb internationale Investoren Europa wiederentdecken und welche Rolle die Kapitalmärkte künftig bei der Finanzierung von Infrastruktur spielen.

Eckpunkte:
- M&G will in Europa im institutionellen Geschäft wachsen
- Internationale Investoren erhöhen ihre Europa-Allokationen
- Chancen in Energie, Infrastruktur und Verteidigung
Europa befindet sich nach Ansicht von Andrea Rossi, Group CEO von M&G, in einer neuen Investitionsphase. "Europa erlebt derzeit eine Renaissance", sagte er im Gespräch mit Institutional Money in London. Deutschland spiele dabei für den Asset Manager eine zentrale Rolle. Vor allem im institutionellen Geschäft sieht M&G erhebliches Wachstumspotenzial. Deutschland sei ein großer Sparmarkt, zugleich steige bei Versicherern die Nachfrage nach alternativen Kreditanlagen. Insbesondere mittelgroße Gesellschaften interessierten sich zunehmend für europäische Private-Credit-Strategien und CLOs. "Wir wollen unser institutionelles Geschäft in Deutschland ausbauen. Das Land zählt zu unseren wichtigsten Märkten."
Nach Einschätzung des M&G-Chefs werden in den kommenden Jahren enorme Investitionen in Energieversorgung, digitale Infrastruktur und Verteidigung erforderlich sein. Staaten und Banken allein könnten diesen Kapitalbedarf nicht decken. Banken reduzierten ihre Bilanzen, während öffentliche Mittel nur einen Teil der Investitionen finanzieren könnten. Deshalb werde der Kapitalmarkt deutlich an Bedeutung gewinnen. "Der Großteil der Finanzierung wird wahrscheinlich über die Kapitalmärkte und Asset Manager wie uns erfolgen", so Rossi. M&G sieht sich dabei durch die Unterstützung des japanischen Lebensversicherers Dai-ichi Life und seine Erfahrung im europäischen Privatmarktgeschäft gut aufgestellt.
Veränderung der internationalen Kapitalströme
Parallel dazu beobachtet Rossi eine spürbare Veränderung der internationalen Kapitalströme. Investoren reduzierten ihre Gewichtung in den USA und erhöhten ihre Europa-Allokationen. Ausschlaggebend seien attraktivere Bewertungen europäischer Anlagen, insbesondere im Private-Credit-Bereich, sowie der Wunsch nach einer breiteren regionalen Diversifikation. "So großes Anlegerinteresse an Europa habe ich in meinen 20 Berufsjahren noch nie erlebt", erklärt er. Besonders stark sei das Interesse europäischer Investoren, aber auch Anleger aus Japan, Korea, Singapur, dem Nahen Osten und Kanada bauten ihre Engagements in Europa aus.
Europa habe sich dadurch von einer untergewichteten zu einer neutralen oder teilweise sogar übergewichteten Region in institutionellen Portfolios entwickelt. Gleichzeitig entstünden durch Investitionen in Energie, Digitalisierung und Verteidigung langfristige Wachstumsfelder. Um den steigenden Investitionsbedarf dauerhaft finanzieren zu können, brauche Europa zudem stärkere grenzüberschreitende Unternehmen und Finanzinstitute. "Europa braucht europäische Champions – im Bankwesen, in der Versicherungswirtschaft, im Asset Management und in der Verteidigung." (dv)