LVMH, SAP und Novo Nordisk und ein 420-Milliarden-Euro-Börsenverlust
Die ehemaligen Investorenlieblinge LVMH, SAP und Novo Nordisk haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Europas Aktienmarkt im ersten Quartal einen Wertverlust von 420 Milliarden Euro verzeichnete. Ein bekanntes Unternehmen hat hingegen dafür gesorgt, dass der Verlust nicht noch größer wurde.

Eckpunkte:
- Drei einstige Börsenlieblinge LVMH, SAP und Novo Nordisk stehen für mehr als die Hälfte der 420 Milliarden Euro, die europäischen Aktien im ersten Quartal 2026 an Wert verloren haben.
- Dafür hat ASML rund 20 Prozent Kurszuwächse erzielt
- Trotz ASML: Europa fehlt es derzeit an ausreichend vielen Wachstumschampions
Liebesentzug
LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, SAP und Novo Nordisk sind im ersten Quartal um etwa 30 Prozent gefallen und machen zusammen rund 53 Prozent der gesamten Marktkapitalisierungsverluste der im Stoxx Europe 600 enthaltenen Unternehmen aus. Ihr Anteil an den Verlusten liegt damit deutlich über ihrer gemeinsamen Indexgewichtung von drei Prozent. Darauf weist Bloomberg in einer Analyse hin.
Die einst wertvollsten Unternehmen Europas wurden von Branchenabschwüngen und neuem Wettbewerb getroffen und notieren deutlich unter ihren Höchstständen zu Beginn des Jahres. Nachdem sie in den ersten beiden Monaten nicht von den breiteren Marktgewinnen profitieren konnten, gerieten sie im März in den globalen Ausverkauf im Zuge des Iran-Kriegs.
“Wenn man sich diese Unternehmen anschaut, ist es Fakt, dass ihre Märkte einfach geschrumpft sind – und damit auch ihre Bewertungsmultiplikatoren”, sagte Nicolas Domont, Fondsmanager bei Optigestion in Paris. “Im Luxussegment gab es nach Covid aufgestaute Nachfrage, SAP sieht sich mit KI konfrontiert, und Novo steht nun unter starkem Wettbewerb im Bereich Adipositas”, fügte er hinzu.
Der französische Konzern LVMH führte die Verluste mit einem Minus von 90 Milliarden Euro an, da sich die Luxusbranche auf eine Nachfrageschwäche infolge geringeren Wachstums und den Wegfall von Geschäften in wohlhabenden Golfstaaten einstellt. Der Rivale Hermès International verlor ebenfalls mehr als 20% an Marktkapitalisierung.
Der deutsche Softwarekonzern SAP büßte 75 Milliarden Euro ein, da Investoren Branchen mieden, die als besonders anfällig für neue KI-Technologien gelten.
Novo Nordisk, lange als führendes europäisches Unternehmen beim Umsatzwachstum angesehen, erlitt einen schweren Rückschlag nach enttäuschenden Daten zu seinem Adipositas-Medikament der nächsten Generation.
ASML zählt zu den wenigen Gewinnern
Zu den wenigen Gewinnern zählt der niederländische Chipausrüster ASML. Das Unternehmen — mittlerweile das wertvollste Europas — legte um mehr als 20 Prozent zu und steigerte seine Marktkapitalisierung um fast 74 Milliarden Euro, gestützt durch die Nachfrage aus der KI-Branche. “Es ist traurig zu sagen, aber Europa fehlt es derzeit an Wachstumschampions”, sagte Domont.
Anfangselan verpufft
Das Jahr 2026 begann zunächst positiv für europäische Aktien. Der regionale Leitindex legte sowohl im Januar als auch im Februar um mehr als drei Prozent zu und entwickelte sich besser als der S&P 500. Der Iran-Krieg führte jedoch zu einer drastischen Trendwende: Der Stoxx Europe 600 fiel im März um 8,4 Prozent und vernichtete Marktkapitalisierung in Höhe von 1,4 Billionen Euro, da steigende Ölpreise Sorgen über höhere Inflation und schwächeres Wachstum schürten. Im Quartal liegt der Index knapp zwei Prozent im Minus.
US-Tech-Riesen ebenfalls unter Druck
An der Wall Street ist der S&P 500 seit Jahresbeginn um fast sieben Prozent gefallen. Microsoft, Nvidia und Apple stehen für 45 Prozent der Verluste im US-Index bei einer gemeinsamen Gewichtung von 19 Prozent. Große Technologiewerte wurden in diesem Jahr von doppelten KI-Sorgen belastet – wann sich hohe Investitionen auszahlen und in welchem Ausmaß Start-ups wie Anthropic Geschäfte abziehen könnten. (aa)
Alte und neue Anlegerlieblinge im Performancevergleich


