Living 2.0: Gefördertes Wohnen besondere Rendite-Quelle
Wer heute in Wohnimmobilien investiert, kommt häufig nur noch mit Manage-to-Core-Strategien auf auskömmliche Renditen, sagt Wertgrund-Chef Thomas Meyer im Interview mit "Institutional Money". Im geförderten Wohnen sieht er ein besonders attraktives Segment.

Eckpunkte:
- Energetische Aufwertung des Bestands im Fokus
- Geförderter Wohnungsbau sichert stabile Cashflows
- KI macht bezahlbares Wohnen noch wichtiger
Höhere Zinsen, gestiegene Ausschüttungsanforderungen und der wachsende Sanierungsbedarf verändern den deutschen Wohnimmobilienmarkt grundlegend. Für Thomas Meyer, Vorstandsvorsitzender der Wertgrund Immobilien AG, beginnt damit eine neue Phase des institutionellen Wohninvestments: Statt passiver Core-Strategien rücken aktives Management, energetische Sanierung und bezahlbares Wohnen in den Mittelpunkt.
„Die Renditeanforderungen institutioneller Anleger sind deutlich gestiegen. Entsprechend wichtiger wird die operative Wertschöpfung im Bestand“, sagt Meyer. Passive Core-Anlagen reichten vielerorts nicht mehr aus, um die gewünschten Ausschüttungsrenditen zu erzielen. „Mit klassischen Core-Investments lassen sich die Renditeanforderungen institutioneller Anleger heute kaum noch erfüllen. Aktives Management wird zum entscheidenden Werttreiber.“
Im Fokus steht dabei die energetische Aufwertung bestehender Wohnungsbestände. Meyer beschreibt einen Ansatz, bei dem Investoren Core-Plus-Objekte erwerben, sanieren und zu Core-Investments entwickeln. „Manage-to-Core ist aus meiner Sicht notwendig, um die Renditeanforderungen institutioneller Anleger überhaupt noch erreichen zu können.“
Sanierung als Renditehebel
Nach Ansicht des Wertgrund-Chefs werden energetische Maßnahmen künftig zum zentralen Hebel für Wertsteigerungen. „Ohne energetische Sanierung, Modernisierung und aktives Management werden viele Wohnimmobilien die geforderten Ausschüttungsrenditen nicht mehr erreichen.“
Obwohl das Angebot an Wohnobjekten nicht klein sei, sei die Auswahl für Investoren nicht leicht: „Aktuell kommt relativ viel Wohnungsbestand auf den Markt, weil viele Eigentümer den Aufwand und die Risiken energetischer Sanierungen scheuen" sagt Meyer. "Wirklich attraktive Objekte für Manage-to-Core-Strategien bleiben jedoch selten.“
Besonders positiv bewertet Meyer den geförderten Wohnungsbau. „Das stabilste und sicherste Segment sehe ich nach wie vor im geförderten Wohnungsbau. Gefördertes Wohnen verbindet hohe Vermietungssicherheit, stabile Cashflows und einen klaren ESG-Beitrag.“
Die zentrale Herausforderung des deutschen Wohnungsmarktes sei dabei weniger die reine Wohnungszahl als die Bezahlbarkeit. „Die eigentliche Wohnungsfrage in Deutschland ist die Frage nach bezahlbarem Wohnraum.“
KI als neuer Einflussfaktor
Für die Zukunft erwartet Meyer zudem Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf den Wohnungsmarkt. „Alle Szenarien zur Künstlichen Intelligenz haben eines gemeinsam: Sie erzeugen Druck auf die mittleren Einkommen. Wenn Einkommen unter Druck geraten, wird bezahlbares Wohnen noch wichtiger als heute.“
Institutionelle Investoren müssten deshalb schon heute überlegen, welche Wohnsegmente langfristig besonders widerstandsfähig seien. „Das resilienteste Wohnportfolio der Zukunft besteht aus energetisch saniertem Bestand, gefördertem Wohnen und sozialen Wohnformen mit langfristig stabilen Zahlungsströmen.“
Trotz der weiterhin herausfordernden Marktbedingungen sieht er die heutige Phase als günstig für die Vorbereitung auf den nächsten Zyklus. „Wer in zehn Jahren zurückblickt, wird die aktuelle Marktphase vermutlich als attraktive Einstiegszeit bewerten.“ Noch bestehe kein unmittelbarer Investitionsdruck. „Jetzt ist die Zeit, die strategischen Weichen zu stellen und den nächsten Zyklus vorzubereiten, insbesondere bei den Wohnsegmenten, die von Demografie, Bezahlbarkeit und gesellschaftlichem Wandel profitieren.“ (dv)