Lidl-Mutter soll Milliarden in KI-Gigafactory stecken wollen
Die Schwarz-Gruppe (Lidl-Eigentümerin), will führender Entwickler eines Rechenzentrums seinken., das eine Schlüsselrolle in der künftigen europäischen KI-Infrastruktur einnehmen soll. Das Vorhaben steht in Zusammenhang mit der Vergabe von Milliarden schweren EU-Subventionen für KI-“Gigafabriken".

Bloomberg-Informanten zufolge will die Unternehmensgruppe von Lidl-Gründer und Milliardär Dieter Schwarz der Bundesregierung bereits am heutigen Freitag ein Investitionsvorhaben im Milliardenbereich vorlegen. Ein Sprecher der Schwarz-Gruppe bestätigte das Interesse an dem Vorhaben. Der Vorstoß erfolgt vor einem Hintergrund intensiver industriepolitischer Bemühungen: Deutschland konkurriert um Mittel aus einem EU-Programm mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro, das den Aufbau leistungsfähiger digitaler Infrastrukturen vorantreiben soll.
Ziel: technologischen Abhängigkeiten in Deutschland und Europa verringern
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger trifft am Freitag Vertreter führender Unternehmen, darunter die Schwarz-Gruppe, die Deutsche Telekom und SAP, um über “digitale Souveränität” zu sprechen. Das geht aus einer Einladung hervor, die Bloomberg vorliegt. Ein Sprecher des Digitalministeriums bestätigte das Treffen und erklärte in einer E-Mail, die Regierung wolle “die technologischen Abhängigkeiten in Deutschland und Europa reduzieren” und das eigene Know-how in Schlüsseltechnologien wie KI, Cloud, Halbleiter und Cybersicherheit massiv ausbauen.
Finanzmittel für bis zu fünf KI-Gigafactories in Europa durch die EU bereitgestellt
Europa drängt auf Investitionen in eigene KI-Infrastruktur, da Politik und Wirtschaft fürchten, technologisch gegenüber den USA ins Hintertreffen zu geraten und zu abhängig von US-Anbietern zu sein. Im Januar kündigte OpenAI mit “Stargate” ein KI-Projekt mit einem Investitionsvolumen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar in den USA an. Drei Monate später sagte die EU-Kommission Finanzmittel für bis zu fünf KI-Gigafactories in Europa zu – riesige Rechenzentren mit jeweils rund 100.000 Hochleistungs-Chips zur Entwicklung von KI-Modellen. Ziel sei es, durch die Förderung private Investitionen auszulösen, die Europas Rechenzentrumskapazität binnen fünf bis sieben Jahren verdreifachen könnten.
Wird eine gemeinsame deutsche Bewerbung gelingen?
Mehrere deutsche Unternehmen haben laut Insidern bereits Absichtserklärungen bei der EU-Kommission eingereicht. Die Schwarz-Gruppe will nun eine gemeinsame deutsche Bewerbung anführen und versucht, weitere Unternehmen ins Boot zu holen. Ob dieser Plan erfolgreich sein wird, ist laut den Informanten unklar. Bereits zuvor hatte die Schwarz-Gruppe Gespräche über eine Zusammenarbeit mit einem Konsortium geführt, dem die deutschen Großkonzerne Siemens, SAP und Deutsche Telekom angehörten. Diese Gespräche waren jedoch gescheitert. SAP-CEO Christian Klein — der eine europäische Alternative zu Stargate ursprünglich unterstützt hatte — erklärte Anfang Juli, Europa solle anders investieren. Im Juni kündigte die Deutsche Telekom an, 2026 ein Cloud-Computing-Zentrum mit 10.000 Chips von Nvidia zu eröffnen. Das ist ein Zehntel der Chips, die laut Angaben der EU in jeder geplanten Gigafactory zum Einsatz kommen sollen.
Die Schwarz-Gruppe ist ein vergleichsweise später Akteur im Technologiesektor
Erst 2017 begann das Unternehmen mit dem Aufbau eines eigenen Cloud-Dienstes namens StackIt – auf der Suche nach Geschäftsfeldern mit höheren Margen als der Einzelhandel. Zugleich begründete der Konzern seine Strategie mit unzureichenden Datenschutz- und Sicherheitsgarantien von US-Cloud-Anbietern. “Niemand konnte uns sagen, wo die Daten gespeichert werden”, sagte Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, der IT-Sparte des Unternehmens, in einem Interview im Mai. “Also haben wir gesagt: ‘Wir brauchen unsere eigene Cloud.’” Damals erklärte Schumann, die Schwarz-Gruppe plane Investitionen in Höhe von elf Milliarden Euro in ihre Cloud-Einheit innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre. Amazon.com — der führende Cloud-Anbieter — gab allein im Jahr 2024 rund 78 Milliarden US-Dollar für Investitionen aus. Wie zu hören ist, hat sich die Schwarz-Gruppe noch nicht auf einen konkreten Finanzplan festgelegt. Sie baut derzeit ein Rechenzentrum in Lübbenau im brandenburgischen Spreewald, das zu einer Gigafactory ausgebaut werden soll. (kb)