LFDE: „Rechenzentren im All sind keine Utopie mehr“
Rechenzentren im Weltraum sind keine Utopie mehr, sagt Christophe Pouchoy vom Vermögensverwalter LFDE. Demnach sind die hohen Kosten noch ein Haupthindernis. Um gegenüber dem US-Markt wettbewerbsfähig zu werden, müssten auch europäische Unternehmen es schaffen, wiederverwendbare Raketen zu bauen.

Eckpunkte:
- „Space Economy“ wächst laut WEF um neun bis zehn Prozent pro Jahr
- Rechenzentren im Orbit sind laut LFDE keine Utopie mehr
- Hauptproblem sind die Kosten
- Wiederverwendbarkeit der Raketen wichtigster technologischer Vorsprung von SpaceX
- Europa verfügt bislang über kein vergleichbares System
Der Markt für gelistete Weltraum-Investments war bislang ein Nischenmarkt, doch die technologische Entwicklung und auch der jüngste Mega-Börsengang von Space X dürfte diesem Markt, der weltweit im Jahr 2024 laut dem Space Economy Report von Novaspace aus dem Januar 2026 rund 626 Milliarden US-Dollar umfasste, mittelfristig mehr Liquidität zu führen. Davon ist Christophe Pouchoy, Fondsmanager des „Echiquier Space“- Fonds beim Vermögensverwalter LFDE, überzeugt: „Die Space Economy wächst nach Zahlen des World Economic Forum mit rund neun bis zehn Prozent pro Jahr. Das World Economic Forum erwartet, dass sich der Markt bis 2035 auf etwa 1,8 Billionen US-Dollar rund verdreifacht. Wir halten diese Prognose für eher konservativ.“
So dürfte allein durch den Mega-Börsengang von SpaceX der Markt massiv wachsen. Doch neben dem US-Börsenriesen existierten mittlerweile neben staatlichen Programmen viele private Unternehmen, etwa aus den Bereichen Herstellung von Raketen und Satelliten und Satellitenkommunikation, Satelliteninternet, Raumfahrtmissionen und Exploration, Erdbeobachtung und Energiegewinnung im Weltraum. So wurden nach Informationen von LFDE 78 Prozent der Weltraumwirtschaft im Jahr 2024 von kommerziellen Anwendungen getragen. Viele bösentnotierte Unternehmen verzeichneten derzeit ein schnelleres Wachstum als der Gesamtmarkt: Pouchoy nennt hier das US-amerikanisch-neuseeländische Raumfahrtunternehmen Rocket Lab oder auch Planet Labs, ein US-Unternehmen aus dem Bereich der Erdbeobachtung, als Beispiele: „Diese Unternehmen wachsen sehr dynamisch und erreichen zunehmend eine Größenordnung, die auch für größere institutionelle Investoren attraktiv wird“, meint Pouchoy.
Gewicht bedingt massive Kosten
Gerade das Thema Rechenzentren im Orbit sei mittlerweile keine Utopie mehr, so die Einschätzung von Pouchoy. Insbesondere SpaceX setze langfristig auf dieses Thema. Die Idee dazu sei relativ einfach, so Pouchoy: Bislang würden Satelliten für klar definierte Aufgaben eingesetzt wie etwa Telekommunikation oder Erdbeobachtung. Künftig könnten Satelliten auch mit KI-Servern ausgestattet werden, die direkt im Orbit KI-Modelle trainierten oder ausführten.
Hier sieht Pochoy jedoch die Hauptherausforderung in den massiven Kosten: Einerseits benötigten diese Server sehr viel Energie und erzeugten andererseits sehr viel Wärme. „Daher werden große Solarpaneele benötigt, um ausreichend Strom bereitzustellen. Zusätzlich sind sogenannte Wärmestrahlungspaneele erforderlich, um die entstehende Hitze abzuleiten. Dadurch steigt das Gewicht erheblich“, so Pouchoy. Er rechnet vor, dass ein solches System mit Satelliten, Servern, Solarpaneelen und Kühlsystemen schnell mehrere Tonnen wiegen kann. „Der Transport in den Orbit kostet derzeit rund 2.000 US-Dollar pro Kilogramm. Deshalb ist das Konzept heute noch schwer wirtschaftlich darstellbar“, sagt Pouchoy. Er erwartet jedoch, dass hier die Kosten mittel- bis langfristig sinken könnten: „Sollte SpaceX die Startkosten mit seinem Raketenprogramm Starship tatsächlich um den Faktor zehn senken, könnten sich Weltraum-Rechenzentren jedoch rechnen und profitabel werden“, schätzt Pouchoy. Hier könnte demnach ein weiterer Milliardenmarkt entstehen.
Wiederverwendbarkeit senkt Kosten
Wichtigster technologischer Vorsprung von SpaceX sei die Wiederverwendbarkeit seiner Raketen. Nach Ansicht von Fondsmanager Pouchoy wird zudem Europas Wettbewerbsfähigkeit langfristig davon abhängen, ob europäische Anbieter ebenfalls wiederverwendbare Trägerraketen entwickeln können. „Europäische Unternehmen arbeiten daran, wettbewerbsfähiger zu werden und neue Produkte zu entwickeln. Entscheidend wird jedoch sein, dass Europa ebenfalls über wiederverwendbare Raketen verfügt. Nur so können wir langfristig mit den USA und China mithalten.“
Anleger haben bei Weltraum-Investments daher ein Übergewicht in US-Titeln. Der von Pouchoy verwaltete Weltraumfonds ist derzeit zudem überwiegend in kleinere und mittelgroße Unternehmen investiert. Geographisch betrachtet entfallen rund 65 bis 70 Prozent des Portfolio auf US-Unternehmen. Daneben gewinne auch Japan als Raumfahrtstandort zunehmend an Bedeutung. (de)