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LFDE-CIO: Entsteht eine immer größere Technologie-Blase?

Der Anlagechef von LFDE geht der Frage nach, ob US-Technologieaktien eine Börsenblase gebildet haben oder ob die derzeit hohen Bewertungen gerechtfertigt sind.

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE
Olivier de Berranger, LFDE
© LFDE

Die Kursanstiege bei Aktien wie Tesla, Amazon oder Apple sorgen bei vielen Marktteilnehmern für Sorgenfalten. So ist seit Anfang Juni Tesla um rund 70 Prozent in die Höhe geklettert, Amazon und Apple um ca. 30 bzw. 20 Prozent. "Zwar wachsen Bäume nicht in den Himmel, doch es scheint, als hätten die Elektronen einen Weg gefunden!", kommentiert Olivier de Berranger, CIO bei LFDE, und stellt folgende Frage in den Raum: "Deuten der Markt und insbesondere der Technologiesektor also darauf hin, dass sich gerade eine Blase aufbaut, die bald platzen könnte?"

Wichtige Differenzierung
Zunächst einmal sollten Investoren zwischen Tesla und Technologiewerten im Allgemeinen, insbesondere jenen aus dem Internetbereich, unterscheiden. Tesla ist zwar ein Technologieunternehmen, jedoch habe es mit dem Internet sehr wenig zu tun. Der Titel bleibt laut Berranger eine sehr spekulative Position, während viele Technologietitel, deren Kurse gerade emporschießen, ihre Rentabilität bereits nachweisen konnten.

Es wäre nach Einschätzung Berrangers auch etwas vermessen, kategorisch von einer Blase zu spreche: "Die Zukunft wird es zeigen, aber wir gehen derzeit nicht davon aus, denn aus unserer Sicht mangelt es nicht an Gründen, die den Kursanstieg bei Technologietiteln rechtfertigen."

Corona verstärkt Strukturwandel
Hauptgrund dafür ist, dass die Top-Titel aus dem Internetbereich automatisch von der wachsenden Unsicherheit im Zuge der Gesundheitskrise profitieren. Sollten erneut lokale Lockdowns beschlossen werden, werden die Menschen weiterhin im Homeoffice bleiben, und sollte die Unsicherheit über die gesundheitliche Lage über Monate oder gar Jahre anhalten, spricht laut Berranger alles für einen weiteren Anstieg von Titeln, die auf Dematerialisierung und Roboterisierung setzen. "Diese fungieren trotz des ihnen innewohnenden Risikos als Fluchtwerte: Je länger die Krise dauert, desto mehr profitieren sie."

Niedrigstzinsen machen Growth-Titel günstiger
Der zweite Grund besteht Berranger zufolge darin, dass die große Mehrheit der Anleger erwartet, dass die Zinssätze auf Jahre oder gar Jahrzehnte bei (fast) null bleiben werden, wie dies in Japan seit mehr als 20 Jahren der Fall ist. Es gilt also, die Zeit zu überbrücken. Das betrifft auch die Bewertungsannahmen für die teuren Aktien. Diese sollten für einen längeren Zeitraum gelten – ein Zeithorizont, bei dem sie angemessener sind als auf kurze Sicht.

ESG-Investoren wertschätzen Technologieunternehmen
Zudem haben manche Technologietitel einen Bezug zu langfristig aussichtsreichen Themen wie ESG: Die CO2-Bilanz der betreffenden Unternehmen sei generell vertretbar, sie sind an der Forschung zu Energie- oder Produktionseffizienz beteiligt und leisten einen Beitrag zu universellen Herausforderungen wie dem Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Unterhaltung und sozialen Kontakten.

"Zwar mögen einige Bewertungen überzogen sein, doch in unserer gegenwärtig im Krisenmodus befindlichen Welt sollte die Gesundheit dieser Unternehmen nicht verteufelt werden", erklärt Berranger abschließend. (aa)

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