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Le Pen-Kandidatur: Bondmarkt reagiert nervös

Marine Le Pens erneute Kandidatur für die französische Präsidentschaft verschärft die Nervosität am Anleihemarkt. Investoren verweisen auf schwaches Wachstum, hohe Defizite und den begrenzten politischen Spielraum für eine Konsolidierung der Staatsfinanzen.

Marine Le Pen, Vorsitzende des Rassemblement National, verlässt am Dienstag, 7. Juli 2026, nach der Urteilsverkündung den Pariser Justizpalast. Ein Berufungsgericht bestätigte ihre Verurteilung wegen Veruntreuung, lockerte jedoch das verhängte Wahlverbot, was Le Pen den Antritt bei der französischen Präsidentschaftswahl ermöglicht.
Marine Le Pen, Vorsitzende des Rassemblement National, verlässt am Dienstag, 7. Juli 2026, nach der Urteilsverkündung den Pariser Justizpalast. Ein Berufungsgericht bestätigte ihre Verurteilung wegen Veruntreuung, lockerte jedoch das verhängte Wahlverbot, was Le Pen den Antritt bei der französischen Präsidentschaftswahl ermöglicht.© Anita Pouchard Serra / Bloomberg

ECKPUNKTE:
• Marine Le Pens mögliche Präsidentschaftskandidatur verstärkt die politischen Risiken am französischen Anleihemarkt.
• Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg mit 3,93 Prozent auf den höchsten Stand seit 2009.
• Vanguard untergewichtet Frankreich gegenüber südeuropäischen Staaten, Natixis bevorzugt belgische Anleihen.
• Schwächeres Wachstum und hohe Defizite erschweren die Konsolidierung der Staatsfinanzen.


Die Aussicht auf eine Präsidentschaftskandidatur Marine Le Pens erhöht den Druck auf französische Staatsanleihen. Umfragen sehen die Politikerin des Rassemblement National derzeit im Rennen um die Nachfolge Emmanuel Macrons vorn. Für Investoren kommt damit zu Frankreichs hoher Verschuldung und dem schwachen Wachstum ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu.

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte am Mittwoch 3,93 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2009. Der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen stieg in der Vorwoche erstmals seit Oktober wieder auf mehr als 80 Basispunkte. Nach Einschätzung von Annalisa Piazza, Portfoliomanagerin bei MFS Investment Management, dürften die Spreads daher länger erhöht bleiben.

Quelle: Bloomberg


Zusätzlichen Auftrieb erhielt die Skepsis, nachdem ein Berufungsgericht Le Pens Kandidatur trotz ihrer Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern ermöglicht hatte. Gleichzeitig senkte Finanzminister Roland Lescure die Wachstumsprognose für 2026 von 0,9 auf 0,7 Prozent. Das Ziel, das Haushaltsdefizit von 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf fünf Prozent zu verringern, bezeichnete er als schwer erreichbar.

Wetten gegen Frankreich
Mehrere große Investoren haben ihre Positionierung bereits angepasst. Ales Koutny, Leiter des internationalen Zinsgeschäfts bei Vanguard, untergewichtet Frankreich über Futures gegenüber Spanien, Portugal und Griechenland. Natixis-Stratege Theophile Legrand setzt auf belgische Staatsanleihen gegenüber fünfjährigen französischen Papieren. MFS erwägt wiederum, bestehende Übergewichte in Frankreich in kürzere Laufzeiten zu verlagern.

Die politische Belastungsprobe beginnt spätestens im September, wenn Premierminister Sébastien Lecornu einen Haushalt für 2027 durch das gespaltene Parlament bringen muss. Die Regierung strebt ein Defizit von weniger als fünf Prozent an. Scheitert eine Einigung, könnte sich die Haushaltslücke nach Lecornus Warnung auf bis zu 6,5 Prozent ausweiten. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl ist für den 18. April 2027 angesetzt.

Ajay Rajadhyaksha, globaler Research-Chef von Barclays, sieht Le Pens Wahlkampf gegnüber Bloomberg als zusätzliche Hürde für die Konsolidierung der Staatsfinanzen. Frankreichs Schuldenstand liegt bei annähernd 120 Prozent des BIP. Frühere Programme des Rassemblement National sahen unter anderem ein niedrigeres Pensionsalter, Steuersenkungen auf Treibstoffe und die Verstaatlichung von Autobahnmautgesellschaften vor. Ein detailliertes Programm für 2027 liegt bislang allerdings nicht vor.

Contrarian: Raus aus Bundesanleihen, rein in französische Bonds
Einige Fondsmanager ziehen bereits Parallelen zur britischen Marktkrise unter Premierministerin Liz Truss im Jahr 2022. John Stopford von Ninety One hält einen vergleichbaren Vertrauensschock in Frankreich für möglich, weist aber zugleich darauf hin, dass die jüngste Marktreaktion teilweise auf Erwartungen statt auf konkrete politische Beschlüsse zurückgeht. Laut Bloomberg nutzte Stopford nutztedie jüngste Spreadausweitung sogar, um aus deutschen Bundesanleihen in französische Papiere umzuschichten. Die Position sei zunächst klein, könne bei weiter steigenden Risikoaufschlägen aber ausgebaut werden. Damit bleibt das Bild uneinheitlich: Frankreichs Anleihen tragen inzwischen einen deutlich höheren politischen Risikoaufschlag, zugleich beginnen einzelne Investoren, die gestiegenen Renditen als Einstiegschance zu betrachten. (bloomberg/hw)

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