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LBBW analysiert das neue 750-Milliarden-Euro schwere „PEPP“ der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) will für 750 Milliarden Euro Anleihen privater und öffentlicher Emittenten kaufen. Das Programm der EZB läuft unter dem Namen "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP) und folgt dem Motto: „Not kennt kein Gebot“

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Die EZB schießt weiter aus allen Rohren, um mehr Liquidität ins System zu bekommen.
 
© Jiri Vondrous / stock.adobe.com

Angesichts der anhaltenden Marktverwerfungen musste die EZB erneut aktiv werden, berichtet die LBBW in einer aktuellen Analyse. Die Zentralbank musste schon kurze Zeit nach den als unzureichend empfundenen Beschlüssen vom 12. März 2020 erneut reagieren und wirft neue Reserven in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro in die Schlacht um die Stabilisierung der Märkte. Die offizielle Begründung der EZB sei, dass sie die Transmission geldpolitischer Impulse sicherstellen will.

Den Ausschlag für das Programm dürfte laut LBBW der massive Zins- und Spreadanstieg am Markt für Staatsanleihen der EWU-Staaten gegeben haben. EZB-Vertreter hatten schon zuvor durchblicken lassen, dass die EZB notfalls handeln werde - nun ist es soweit.

Mehr Papiere erwerbbar
Die EZB kauft ab sofort und bis Jahresende zusätzlich Anleihen privater und öffentlicher Emittenten im Umfang von insgesamt 750 Milliarden Euro. Neben dem Erwerb von Staatsanleihen dürften auch kurzfristige Schuldverschreibungen von Non-Financials angekauft werden. Außerdem lockert die EZB ihre Collateral-Anforderungen für die Refigeschäfte durch Ausweitung der Additional Credit Claims (ACC). Dies dürfte in Summe vor allem kleineren und mittleren Unternehmen helfen. Das Programm der EZB läuft unter dem Namen Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP).

Die EZB behält sich größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der Zusammensetzung der Assetklassen vor. Dauer und Umfang des Programms wird sie im Bedarfsfall anpassen. Sie wird dabei dieses Notprogramm durchführen, solange die Corona-Pandemie andauert, aber in jedem Fall bis mindestens Ende des Jahres.

Kapitalschlüssel wird angewendet, solange er die EZB nicht behindert
Griechische Staatsanleihen werden unter diesem Programm mit einer Ausnahmeregelung (waiver) ebenfalls gekauft. Grundsätzlich kauft die EZB öffentliche Anleihen entlang ihres Kapitalschlüssels. „Aber die Zeiten sind nicht mehr für althergebrachte Regeln geeignet. Die einzige Leitlinie ist heute "Not kennt kein Gebot!", und so wird die EZB vom Kapitalschlüssel abweichen, falls er ihr im Wege steht. Vermutlich dürfte sie insbesondere Anleihen der von der Pandemie besonders gebeutelten Länder Italien und Spanien erwerben“, schätzt die LBBW.

Starke Hände nun gefragt
Die EZB will mit ihrem erneuten Eingriff die Märkte beruhigen und dass Signal senden, dass sie immer bereitsteht, um Exzesse wie den Renditeanstieg der letzten Tage zu verhindern. Zudem wird die Aufnahmefähigkeit der Märkte wichtig sein, um die angekündigten Hilfsprogramme der Staaten zu finanzieren. Eine Finanzkrise zusätzlich zur Corona-Krise kann niemand wollen, betont die LBBW.

In einer ersten Reaktion gaben die Renditen italienischer Staatsanleihen massiv nach. Allerdings ist fraglich, wie weit dieser Schritt an den Märkten trägt. Die Wirkung der Programme der Zentralbanken in den letzten Tagen war letztlich begrenzt. Oft nahm noch am selben Handelstag die Angst vor den Folgen der Pandemie wieder überhand. Verluste in allen möglichen Assetklassen von Aktien über Anleihen bis hin zu Gold sind ein Hinweis darauf, dass die meisten Anleger in Cash flüchten und Liquidität vor Rentabilität geht.

Geldpolitik erst nach Pandemie wieder wirksam
Je nach Marktreaktion und Fortgang der Pandemie (immerhin gab es aus China heute ermutigende Nachrichten) wird die EZB zu weiteren Schritten bereit sein, schätzt die LBBW.

Allerdings greift die Geldpolitik der EZB ebenso wie die anderen Notenbanken zurzeit ins Leere. „Ähnlich wie in einem Auto, wo kein Gang eingelegt ist, kann sie zwar Gas geben und den Motor auf Touren bringen, aber es geht keinen Meter vorwärts“, erklärt die LBBW.

Die Angst vor Corona lähmt derzeit noch das öffentliche Leben und die komplette Weltwirtschaft. Eine Transmission geldpolitischer Impulse kann unter diesen Bedingungen nicht erreicht werden. Allerdings dürfte an den Märkten zumindest eine Spekulation auf ein erneutes Ausbrechen einer EWU-Schuldenkrise unter diesen Umständen deutlich weniger erfolgversprechend sein. Das ist immerhin nicht wenig, wenn die EZB der Politik dadurch gewissermaßen den Rücken freihält. (aa)

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