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LBBW AM-CIO Hünseler: Diese großen Aufgaben hat die Fed

Alle Augen richten sich auf die Federal Reserve (Fed) und ihre Zinspolitik. Doch wie könnte der weitere Zinspfad aussehen und welche Faktoren haben darauf Einfluss? Michael Hünseler, CIO bei LBBW Asset Management, erläutert, worauf und wie sich institutionelle Anleger vorbereiten sollten.

Michael Hünseler, LBBW Asset Management: "Die Fed hat große Aufgaben: Die Wirtschaft stützen und ihre Autonomie bewahren."
 
Michael Hünseler, LBBW Asset Management: "Die Fed hat große Aufgaben: Die Wirtschaft stützen und ihre Autonomie bewahren."
 © LBBW Asset Management

Marktteilnehmer verfolgen Zinsentscheidungen des Federal Open Market Committees (FOMC) mit größter Spannung: Denn das duale Mandat der US-Notenbank, das neben dem Ziel der Preisstabilität auch das der Vollbeschäftigung umfasst, stellt das Gremium vor eine kaum lösbare Herausforderung. Mit einer Inflation nahe der Drei-Prozent-Marke im Jahresvergleich und der Erwartung, dass zollinduzierte Kosten auf den Verbraucher überwälzt werden und so zu einem weiteren Preisauftrieb beitragen, ist der Spielraum für eine geldpolitische Lockerung begrenzt. "Gleichzeitig zeigen die jüngsten Arbeitsmarktdaten wie auch die gravierende Revision der vorhergehenden, dass die Jobmaschine in den USA weit weniger brummt, als zuvor angenommen", schreibt Michael Hünseler, CIO bei LBBW Asset Management, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

US-Konjunktur: weniger stark als gedacht
Zweifel an der Stärke der US-Wirtschaft sind angebracht, eine Zinssenkung käme da recht und wird nicht nur deswegen vom US-Präsidenten vehement eingefordert. Der möchte die Fed mit einem dritten Mandat – nämlich dem der langfristig moderaten Zinsen – ausstatten. "In Form billiger Kredite würde das nicht nur die Konjunktur befeuern, sondern auch die enormen Kosten der ausufernden Staatsverschuldung senken und so neben den Zolleinnahmen, die seit April des Jahres bereits etwa 100 Milliarden US-Dollar zusätzlich in die Kasse spülten, das besorgniserregende Haushaltsdefizit entlasten", erläutert Hünseler.

Eine Senkung der Leitzinsen von 25 Basispunkten gilt daher als ausgemachte Sache und würde als ausgewogene und umsichtige Entscheidung der Fed gelten. Ein maßvolles Vorgehen würde zudem der Zentralbank die erforderliche Flexibilität erhalten, auf eine unerwartete Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren.

Was würde ein Jumbo Cut bedeuten?
Hinzu kommt die bei Quartalsmeetings übliche Kommunikation der „Forward Guidance“ und des „Dot Plots“, bei dem die Mitglieder des FOMC Einsicht in ihre Prognosen und die Einschätzung des künftigen Leitzinses geben. Belässt die Fed die Leitzinsen unverändert oder senkt sie sogar um einen „Jumbo Cut“‘, also 50 Basispunkte oder mehr, besteht die Gefahr einer starken Marktreaktion. "In beiden Fällen wäre zu befürchten, dass die Aktienmärkte kurz- oder mittelfristig enttäuscht reagieren. Entweder, weil die Erwartung eines geldpolitischen Rückenwindes sich nicht erfüllt oder weil eine überdeutliche Senkung auf ernsthafte Sorgen der Notenbank bezüglich Arbeitsmarkt und Wirtschaft hindeutet. Es würde zudem einen Hinweis darauf geben, welches der beiden genannten Ziele eine höhere Priorität bei der Fed genießt", erklärt Hünseler.

Einflussnahme der US-Regierung belastet den Dollar
Zudem signalisiert Hünseler zufolge die fortgesetzte Dollarschwäche, dass die öffentlich ausgetragene Einflussnahme der US-Regierung der Unabhängigkeit der Fed schadet. "Kommt der Kapitalmarkt zu dem Schluss, dass sich die Notenbanker dem Willen des US-Präsidenten beugen, wären infolge des Vertrauensverlustes signifikant steigende Renditen besonders am langen Ende der Zinskurve die unausweichliche Konsequenz. In diesem Spannungsfeld ist nicht nur die Zinsentscheidung, sondern auch die begleitende Kommunikation der Fed eine nicht zu unterschätzende Gratwanderung", betont der LBBW AM-CIO

Welche Hedges und Absicherungs-Optionen sinnvoll sind
Aus diesen Gründen erscheint Hünseler zufolge eine Folge gradueller Zinssenkungen am wahrscheinlichsten und lässt sowohl europäische als auch US-amerikanische Staatsanleihen im mittleren Laufzeitbereich attraktiv erscheinen. Die vergleichsweise niedrige Volatilität an den Aktien- und Rentenmärkten erlaubt dabei eine kostengünstige Absicherung von Zins- und Aktienkursrisiken.

"Hier bieten sich sogenannte „Tail Risk Hedges“ an, bei denen weit aus dem Geld handelnde Put-Optionen gegen extreme Kursverwerfungen versichern. Angesichts zum Teil recht ambitionierter Aktienbewertungen erscheinen auch Kombinationen vorteilhaft, bei denen der zur Absicherung gegen einen Kursverfall gekaufte Put durch einen Verkauf einer Call-Option finanziert wird", empfiehlt Hünseler.

Aufgrund der hohen Korrelation von Aktien und Kreditrisikoprämien und der derzeit vergleichsweise moderaten Spreads von Kreditderivateindizes bietet sich Hünseler zufolge bei Erwartung einer sich derzeit noch nicht abzeichnenden Rezession, der die Fed zu spät und zu zaghaft geldpolitisch entgegenwirkt, der derivative Verkauf von Kreditrisiken an.

Pfade in Europa und USA vorhersehbar – sofern die Inflation mitspielt
Sowohl die beispiellose Diskussion um die Besetzung von FOMC-Posten als auch die Aussicht auf eine geldpolitische Lockerung in der USA haben bereits zur einer starken Abwertung des US-Dollars im Vergleich zum Euro geführt. Da die Europäische Zentralbank (EZB) seit 2024 deutlich früher und häufiger die Zinsen senkte, ist in Europa zunächst mit einer Pause zu rechen.

"Zu erwarten ist, dass die Fed bis zum Jahresende in drei Schritten um jeweils 25 Basispunkte senkt, sofern die Preisentwicklung dem nicht entgegensteht. Denkbar ist, dass in diesem Umfeld der Euro, der aktuell auf einem Vierjahreshoch handelt, weiter an Stärke gewinnt und so auch die EZB – wie zuvor bereits die Schweizer Notenbank SNB – zum Handeln zwingt. Davon würden dann auch europäische Anleihen profitieren, prognostiziert Hünseler abschießend. (aa)

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