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Lazard: KI-Rally in Emerging Markets dürfte breiter werden

Der KI-Boom hat EM-Aktien vor allem in Taiwan und Südkorea beflügelt. Nach Einschätzung von Lazard dürfte sich die Erholung nun auf weitere Regionen ausweiten. Rückenwind liefern attraktive Bewertungen, ein schwächerer US-Dollar und neue Wachstumsimpulse außerhalb der bisherigen KI-Gewinner.

Rohit Chopra, Lazard Asset Management: "Aus unserer Sicht sollten Anleger Schwellenländer als strategische Allokation verstehen."
Rohit Chopra, Lazard Asset Management: "Aus unserer Sicht sollten Anleger Schwellenländer als strategische Allokation verstehen."© Lazard Asset Management

Eckpunkte:

  • KI-Rally könnte sich auf weitere Schwellenländer ausweiten
  • EM-Aktien mit rund 30 Prozent Bewertungsabschlag
  • Brasilien, Indien und Naher Osten rücken in den Fokus

Die jüngste Erholung der Schwellenländer-Aktien war nach Einschätzung von Lazard Asset Management bislang auf wenige Bereiche konzentriert. Getragen wurde sie vor allem von der Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz und den damit verbundenen Lieferketten in Taiwan und Südkorea. Künftig könnte sich die Rally jedoch deutlich verbreitern, erwartet Rohit Chopra, Portfolio Manager im Emerging Markets Equity Team des Asset Managers.

"Wenn man sich die Rally in den Emerging Markets ansieht, war sie bislang relativ eng", sagt Chopra. "Sie wurde vor allem durch die Nachfrage der Hyperscaler und durch künstliche Intelligenz getragen, insbesondere in Ländern wie Korea und Taiwan."

KI schafft neue Gewinner entlang der Lieferkette
Der KI-Boom bleibe zwar der wichtigste Wachstumstreiber, die Wertschöpfung finde jedoch längst nicht mehr ausschließlich in den USA statt. Unternehmen wie Samsung Electronics, SK Hynix oder TSMC seien unverzichtbare Bestandteile der globalen KI-Lieferkette. Gleichzeitig erweitere sich der Kreis der Profiteure zunehmend über die bisherigen Marktführer hinaus.

Unterstützt werde diese Entwicklung durch attraktive Bewertungen. Nach Angaben von Lazard werden Schwellenländer-Aktien derzeit mit einem Abschlag von knapp 30 Prozent gegenüber dem MSCI World gehandelt. Noch deutlicher falle die Bewertungslücke im Technologiesektor aus: Unternehmen aus Bereichen wie Halbleiter, Software oder digitaler Infrastruktur notierten mit einem Abschlag von 30 bis 50 Prozent gegenüber vergleichbaren US-Unternehmen, obwohl sie vom gleichen KI-Investitionszyklus profitierten.

Neue Chancen jenseits von Taiwan und Korea
Für die zweite Jahreshälfte sieht Chopra daher Chancen über die bisherigen KI-Gewinner hinaus. In Brasilien sorgten eine orthodoxere Geldpolitik, positive Realzinsen und ein günstigeres Rohstoffumfeld wieder für steigendes Investoreninteresse. Auch Indien könnte nach einer rund 18-monatigen Schwächephase wieder an Attraktivität gewinnen. Darüber hinaus verweist Lazard auf den Ausbau industrieller Kapazitäten in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten als weiteren Wachstumstreiber innerhalb der Emerging Markets.

Langfristig spricht aus Sicht des Asset Managers auch die Bedeutung der Schwellenländer für eine strategische Allokation. Emerging Markets stünden heute für rund 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf Kaufkraftparitätsbasis und etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung, machten jedoch lediglich rund 10 Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus. "Wir sehen Emerging Markets nicht als opportunistische Anlageklasse", so Chopra. "Aus unserer Sicht sollten Anleger Schwellenländer als strategische Allokation verstehen."

Trotz des konstruktiven Ausblicks mahnt Chopra zur Vorsicht. Geopolitische Risiken dürften die Entwicklung der Schwellenländer weiterhin maßgeblich beeinflussen. Die Spannungen im Nahen Osten und die zeitweisen Belastungen rund um die Straße von Hormus hätten gezeigt, wie anfällig insbesondere energieimportierende Länder wie Indien, Indonesien oder die Philippinen für steigende Ölpreise seien. Zugleich unterstreicht dies aus Sicht des Portfoliomanagers, dass Anleger Emerging Markets differenziert betrachten sollten. Entscheidend seien die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen – nicht pauschale Einschätzungen ganzer Länder. (dv)

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