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Lazard: Europas Rüstung vor Jahren zweistelliger Gewinnzuwächse

Europas Streben nach strategischer Souveränität wird zu einem eigenständigen Investmentthema, sagte Thomas Brenier von Lazard im Interview. Für den Verteidigungssektor erwartet er für die nächsten Jahre zweistellige jährliche Gewinnzuwächse – und sieht Chancen weit über die Branche hinaus.

Thomas Brénier, Lazard Frères Gestion: "Das häufigste Missverständnis besteht darin, dieses Thema auf den Verteidigungssektor zu reduzieren." 
Thomas Brénier, Lazard Frères Gestion: "Das häufigste Missverständnis besteht darin, dieses Thema auf den Verteidigungssektor zu reduzieren." © Lazard Frères Gestion

Eckpunkte:

  • Zweistellige Gewinnzuwächse im Verteidigungssektor für mindestens fünf Jahre
  • Milliardenprogramme treiben Investitionen in Infrastruktur und Technologie
  • Europas Souveränität wird zum eigenständigen Investmentthema

Europas Streben nach mehr strategischer Autonomie eröffnet nach Einschätzung von Lazard Frères Gestion einen der attraktivsten langfristigen Investmenttrends der kommenden Jahre. Sichtbarster Profiteur sei der Verteidigungssektor. "Aus unserer Sicht ist der Sektor in der Lage, die Gewinne über mindestens die kommenden fünf Jahre zweistellig zu steigern. Ein vergleichbares Maß an Wachstum und Visibilität findet sich derzeit in kaum einem anderen Sektor", sagte Thomas Brenier, Head of Equity bei Lazard Frères Gestion, im Interview mit Institutional Money.

Treiber seien mehrere strukturelle Entwicklungen zugleich. Die europäischen NATO-Staaten hätten ihre Verteidigungsausgaben in den vergangenen 25 Jahren überwiegend bei 1,5 bis 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehalten. Künftig solle dieser Anteil in Richtung 3,5 Prozent steigen. Gleichzeitig sei der Anteil der Ausrüstungsausgaben am Verteidigungsetat bereits von 13 Prozent im Jahr 2014 auf heute rund 30 Prozent gestiegen und könnte langfristig 50 Prozent erreichen. Hinzu komme der politische Wille, Beschaffungen verstärkt an europäische Anbieter zu vergeben.

Souveränität reicht weit über Verteidigung hinaus
Nach Ansicht Breniers greift es jedoch zu kurz, die Investmentstory ausschließlich auf Rüstungsunternehmen zu reduzieren. "Europäische Souveränität ist zu einem eigenständigen Investmentthema geworden, weil sie inzwischen viele Sektoren umfasst, die zu einem gemeinsamen strategischen Ziel beitragen."

Europa befinde sich in einer Phase struktureller Reinvestitionen. Neben Verteidigung gehe es um den Ausbau industrieller Kapazitäten, die Modernisierung der Energieversorgung, den Aufbau technologischer Unabhängigkeit sowie Investitionen in kritische Infrastruktur. Profitieren könnten deshalb auch Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, Künstliche Intelligenz, Stromnetze, Telekommunikation, Satelliten- und Finanzinfrastruktur.

Die Größenordnung der Investitionen sei erheblich. Seit der Pandemie habe die Europäische Union unter anderem den 807 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds "NextGenerationEU" sowie den auf bis zu 800 Milliarden Euro angelegten Verteidigungsplan "ReArm Europe" beschlossen. Zusammen stünden diese Programme für mehrere Billionen Euro an öffentlichen und privaten Investitionen, die Europas Abhängigkeit von ausländischen Energie-, Technologie- und Verteidigungskapazitäten verringern sollen.

FCAS ändert die Investmentthese nicht
Das Anfang Juni besiegelte Aus des deutsch-französisch-spanischen Kampfjetprojekts FCAS bewertet Brenier deshalb nicht als Rückschlag für die europäische Souveränitätsstrategie. "Aus unserer Sicht bleibt FCAS ein Einzelfall", sagt er. Andere europäische Kooperationsprojekte funktionierten weiterhin erfolgreich. Der Investitionsbedarf im Verteidigungsbereich bleibe nach Jahrzehnten der Unterinvestition hoch, und gerade bei komplexen Waffensystemen sei die Zusammenarbeit mehrerer europäischer Staaten häufig der effizienteste Weg.

Brenier warnt zugleich vor einem verbreiteten Missverständnis. "Das häufigste Missverständnis besteht darin, dieses Thema auf den Verteidigungssektor zu reduzieren, obwohl es tatsächlich einen großen Teil der Wirtschaft betrifft." Europas Streben nach strategischer Autonomie sei kein kurzfristiger Effekt geopolitischer Krisen, sondern Ausdruck eines langfristigen strukturellen Wandels. Für institutionelle Investoren eröffne sich damit ein Investitionszyklus, der weit über die Rüstungsindustrie hinausreiche. (dv)

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