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Lazard sieht genügend Spielraum für weitere Spreadeinengungen bei EMD

Wie sind die Aussichten für Schwellenländeranleihen im dritten Quartal 2020? Denise Simon, Co-Head und Portfoliomanagerin/Analystin im Emerging Markets Debt (EMD) Team von Lazard Asset Management, hat eine konstruktive Sicht auf die Anlageklasse und erklärt, wie sie und ihr Team sich positionieren.

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Denise Simon, Co-Head und Portfoliomanagerin/Analystin im Emerging Markets Debt (EMD) Team von Lazard Asset Management
© Lazard AM

„Das zweite Quartal 2020 markiert eine Kehrtwende für Investoren in Schwellenländeranleihen. Der Gesamtmarkt, bestehend aus Hart- und Lokalwährungsanleihen, verzeichnete historisch gesehen eines seiner besten Quartale mit einer Rendite von 11,05 Prozent. Damit konnte er in nur drei Monaten rund 75 Prozent des Einbruchs aus dem ersten Quartal wieder aufholen. So bemerkenswert diese Erholung auch ist, so blieb sie doch hinter der Entwicklung der US-amerikanischen und globalen Anleihemärkte zurück, die 80 bis 90 Prozent ihrer Verluste wieder aufholen konnten. Das deutet aus unserer Sicht darauf hin, dass Schwellenländeranleihen einen größeren Spielraum für eine künftige Outperformance bieten“, analysiert Denise Simon, Co-Head und Portfoliomanagerin/Analystin im Emerging Markets Debt (EMD) Team von Lazard Asset Management.

Aufholprozess bei EMD hat noch Luft nach oben
„Unsere positive Einschätzung stützt sich auf mehrere Faktoren: Erstens wurden die Lockdown-Beschränkungen gelockert, und die Wirtschaftsdaten dürften sich nach den Tiefständen vom April wieder verbessern. Zweitens hat sich der Zugang zu Kapital für die große Mehrheit der Länder deutlich verbessert. Drittens haben die Ölpreise die Talsohle durchschritten. Ein geringeres Angebot und eine unerwartet höhere Nachfrage trugen dazu bei, dass sich der Preis für Rohöl der Sorte Brent seit seinem Tiefpunkt Ende April mehr als verdoppelt hat.“

Relative Value-Betrachtung
„Unter Bewertungsgesichtspunkten sind in US-Dollar notierende High-Yield-Anleihen weiterhin attraktiv – sowohl im Vergleich zu anderen Schwellenländeranleihesegmenten als auch gegenüber Anleihen aus den Industrieländern. Die Spread-Differenz zwischen High-Yield- und Investment-Grade-Schwellenländeranleihen ist mit über 600 Basispunkten (bps) noch immer historisch hoch. Zum Vergleich: Der langfristige Durchschnitt liegt bei rund 300 bps", weiß Simon. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass sich diese Spreaddifferenz in absehbarer Zeit dem längerfristigen historischen Durchschnitt annähern werde, doch sehe man reichlich Spielraum für eine weitere Spreadeinengung bei Hochzinsanleihen, während dieser im Investment-Grade-Bereich deutlich geringer sei.

Steigende Ausfallsraten erwartet
Bei Lazar AM rechnet man mit einem Anstieg der Zahlungsausfälle in den Schwellenländern im Jahr 2020, allerdings dürften die Ausfallraten dennoch vergleichsweise niedrig bleiben. Die meisten Ausfälle seien entweder bereits eingetreten oder im Markt eingepreist, so Simon weiter. "Im Gegensatz dazu wird erwartet, dass die Zahlungsausfälle bei US-Hochzinsanleihen in diesem Jahr im hohen einstelligen Bereich liegen werden, da sie in erheblichem Maße von in Schwierigkeiten befindlichen Industrien wie der Schieferölproduktion, dem Einzelhandel und dem Reise- und Gastgewerbe abhängen.“
 
Sicht auf Schwellenländeranleihen ist konstruktiv, aber Selektivität ist entscheidend
Dennoch wäre es nachlässig, die Risiken angesichts der großen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise, den Wirtschaftsdaten und den geopolitischen Aussichten zu ignorieren. Simon führt aus: "Unseres Erachtens nach besteht das Hauptrisiko in einer möglichen zweiten Infektionswelle, die eine weitere weltweite Konjunkturabschwächung auslösen könnte. Grundsätzlich sind die Schwellenländer aus einer Position relativer Stärke in die Krise geraten. Viele Länder haben bewiesen, dass sie über einen starken institutionellen Rahmen, ausreichende Reserven und politische Flexibilität verfügen, um auf die Pandemie reagieren zu können. Allerdings werden nicht alle Länder gleichermaßen gut aus der Krise hervorgehen, und einige werden zweifellos vor größeren Herausforderungen stehen. Viele Schwellenländer haben nur einen begrenzten fiskal- und geldpolitischen Spielraum, um weiter auf die Krise reagieren zu können, und obwohl dies bislang weniger im Zentrum des Interesses der Märkte stand, so hinken viele Schwellenländer auch bei der Kontrolle des Virus hinter den Industrieländern her. Wir vermeiden deshalb Anleihen von Ländern mit sich verschlechternden Fundamentaldaten, schwachen Institutionen und einem Mangel an politischer Glaubwürdigkeit sowie kleinere Länder mit schwachen Bilanzen und weniger diversifizierten Volkswirtschaften, die tendenziell stark von Rohstoffen abhängig sind.“ (kb)

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