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Latam: China und Kampf gegen Klimawandel treiben Rohstoffpreise

Die Rohstoff-Reichtümer Lateinamerikas sind der Schlüssel zur klimaneutralen Energie- und Lebensmittelversorgung von morgen. Das gilt vor allem für die fast drei Milliarden Menschen in Asien, die wohlhabender und konsumfreudiger werden.

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© Teteline / stock.adobe.com

Mohammed Zaidi, Investment Director im Asia-ex-Japan-Aktienteam von Nikko Asset Management, äußert sich über die künftige Preisentwicklung von Rohstoffen. 

China: Hauptimporteur von Rohstoffen 
Brasilien ist der weltweit zweitgrößte Produzent von Eisenerz, dem wichtigsten Rohstoff für die Stahlerzeugung. Der Eisenerzmarkt wird von einer Handvoll Akteure beherrscht, unter denen Brasiliens Vale über eine der größten Minenkapazitäten und die niedrigsten Produktionskosten verfügt. Das Unternehmen ist sehr preisaggressiv und handelt in großem Umfang mit China, wo die Hälfte des weltweiten Stahls hergestellt wird. Das Land importiert heute 43 Prozent des weltweiten Eisenerzes, doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Das Bestreben Pekings, die Wirtschaft durch Infrastrukturausgaben zu stützen, und ein Mangel an neuen Lieferungen haben die Eisenerzpreise auf ein Allzeithoch getrieben. 

Ähnlich ist die Konstellation bei Kupfer, allerdings mit anderen lateinamerikanischen Ländern: Statt Brasilien liefern vornehmlich Chile und Peru, deren sozialistische Regierungen versuchen, ihre Einnahmen durch Erhöhungen der Mineralgewinnungssteuern zu steigern. Auch beim Kupfer ist China großer Importeur (mehr als 40 Prozent der Weltproduktion) und kleiner Produzent. 

Lithium ist das nächste Metall in dieser Tretmühle von Lateinamerika nach China. Es ist Hauptbestandteil von Batterien, die in Smartphones, Laptops und Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Chile ist (nach Australien) der zweitgrößte und wachsende Produzent, während der größte Teil des künftigen Nachfragewachstums auf China entfällt. China produziert den größten Teil der weltweiten Batterien für Elektrofahrzeuge. Zwei Unternehmen produzieren 30 Prozent des weltweiten Lithiumangebots; eines davon ist in Chile ansässig. 

Klimawandel als Folge der Nahrungsmittelproduktion 
Bei den Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion sieht es nicht anders aus. Brasilien produziert als Nummer 1 37 Prozent der weltweiten Sojabohnen, China 5 Prozent. Aber das Reich der Mitte importiert 60 Prozent der Weltproduktion. 

Brasilien produziert 17 Prozent des weltweiten Rindfleischs, das meiste davon für den Export. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet, dass Brasiliens Rindfleischexporte in den nächsten zehn Jahren die aller anderen Länder übertreffen werden. China importiert nur drei  Prozent der Weltproduktion, aber der chinesische Appetit befindet sich gerade erst zu regen. Die Importe dürften in fünf Jahren wesentlich höher liegen. Die Folge dieser wachsenden Nachfrage ist die beispiellose Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes. Dessen fortgesetzter Verlust wäre ein schwerer Schlag im Kampf gegen Erderwärmung und Klimawandel. 

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich im Supermarktregal und im Café bemerkbar. Schwere Dürreperioden haben die diesjährige Kaffeeernte beeinträchtigt; die Preise für Rohkaffeebohnen sind seit Jahresbeginn um fast 60 Prozent gestiegen. 

Politische Unwägbarkeiten
Auch politische Gründe tragen zu Preissteigerungen bei: Brasiliens Präsident Bolsonaro hat in der Pandemie schlechte Arbeit geleistet, Peru hat eine chaotische Präsidentschaftswahl hinter sich, und Chile debattiert über Steuererhöhungen im Rohstoffbereich. Die politische Unbeständigkeit macht Investitionen in neue Vorkommen weniger sicher. Chinesische Unternehmen investieren seit Jahren in Lateinamerika, um die Versorgung zu sichern. Da die Länder Lateinamerikas sich aber ihrer Bedeutung in der globalen Lieferkette zunehmend bewusst sind, ist mit härteren Verhandlungen und höheren Preisen zu rechnen. (kb)

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