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Lars Feld: "Rezession wird immer wahrscheinlicher"

Der Starökonom hielt auf dem Wiener Kongress von "FONDS professionell" eine viel beachtete Keynote, in der er unter anderem zur Wahrscheinlichkeit einer Rezession und den Russland-Sanktionen Stellung bezog und dem deutschen Bundeskanzler "Wiederholungstäterschaft" unterstellte.

Lars Feld
Lars Feld zur Kritik des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz an der Arbeit der Ökonomen: "Das finde ich von einem Juristen schon ziemlich dreist."
© István Pajor / FONDS professionell

Lars Feld hat sich geärgert. Und zwar über den deutschen Bundeskanzler und dessen Behauptungen, seine beratenden Ökonomen könnten – verkürzt und zugespitzt – nicht rechnen. "Das finde ich von einem Juristen schon relativ dreist", wetterte der ehemalige Vorsitzende des deutschen "Wirtschaftsweisenrates" und legte nach: "Da ist der Kanzler Wiederholungstäter". Jüngster Anlass waren Äußerungen von Olaf Scholz in der ARD-Talkshow von Anne Will, wonach es unverantwortlich sei, "irgendwelche mathematischen Modelle zusammenzurechnen, die dann nicht funktionieren“ und in den Raum zu stellen, dass Deutschland komplett auf Öl- und Gaslieferungen aus Russland verzichten könne, um damit Putin zu stoppen.

Feld wirkt nun, nachdem der den Job als Vorsitzender des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts IHS abgelehnt hatte, als Berater des FDP-Finanzministers Christian Lindner. "Als solcher kann ich Ihnen sagen, dass die deutschen Finanzen durchaus solide sind. Und das sage ich nicht nur, weil ich da angebandelt habe." Demnach könne bereits für das laufende Jahre erwartet werden, dass die führende Volkswirtschaft Europas eine Schuldenquote von unter 70 Prozent erreichen werde.

An diesem soliden Ausblick würde sich auch wenig ändern, wenn die EZB zur Zügelung der Inflation die Zinsen anheben würde. "Es dauert, bis sich das in die Budgets von Staaten frisst", so Feld. So habe sich nicht zuletzt Italien "während der Nullzins-Zeit erfolgreich günstig und langfristig finanziert."

Sorgen um das BIP
Anders sieht es aus, wenn man sich die gesamtwirtschaftliche Betrachtung und die Inflationszahlen ansieht. Hier müssten laut Feld die Weisenrat-Prognosen aus dem November 2021 korrigiert werden, "obwohl die ja zeitlich sehr nahe an uns dran sind". Grund dafür sind – natürlich – die Verwerfungen, die der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine nach sich zieht.

Dieser hat die bis dahin an sich positiven Prognosen wieder nach unten gehen lassen. Demnach hätten sich die Ungleichgewichte einer starken Nachfrage bei gleichzeitigen Problemen auf der Angebotsseite durch teilweise vollkommen unterbrochene Versorgungsketten verstärkt.

Rezession bei Importstopp
Hinzu kommen die Auswirkungen der Sanktionen, die bereits jetzt zu Verwerfungen an den Energie- und Rohstoffmärkten gesorgt hätten. "Dabei ist der Ölpreis gar nicht das Problem." Dieser sei nach Kaufkraft gerechnet in den 1970er-Jahren höher gewesen. "Aber Gas ist so teuer wie nie zuvor."

Diese Effekte würden sich logischerweise mit jeder Sanktionsverschärfung verstärken. "Bei einem vollkommenen Importstopp muss man mit einem BIP-Rückgang von zwei Prozentpunkten rechnen, wir würden also in eine milde Rezession schlittern." Feld führt aber auch andere Schätzungen ins Feld, in deren Rahmen mit einem sechsprozentigen Rückgang des BIP gerechnet wird.

Als Reaktion auf die Risiken eines kompletten Import-Ausfalls von Öl und Gas schlägt Feld vor, "die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Zwölf Prozent unseres Stroms werden nuklear erzeugt. das ist ein zu großer Anteil, als dass man ihn ignorieren könnte." Des weiteren müsse man Gas durch Kohle substituieren und selbstverständlich die Energieeffizienz erhöhen.

EZB in der Pflicht
Die Teuerungsraten werden wiederum laut aktuelle Prognosen – je nach Berechnung – um die sechs Prozent liegen. "Ich glaube aber nicht, dass wir damit auskommen", meint ein skeptischer Feld.

In die Pflicht nimmt der Ökonom hier die Notenbank, die als einzige über das Instrumentarium verfügt, die Teuerung in Zaum zum halten – etwa durch "eine klare Kommunikation von Zinsschritten, mit denen man die erwartete Inflation managen könnte. Passiert aber nicht", so Feld. (hw)

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