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Larry Hatheway: „Die Post-Peak-Phase ist eingeläutet“

Sein Resüme: Das US-Wachstum verlangsamt sich weiter nach seinem Höhepunkt im ersten Halbjahr 2018. Schwächere Unternehmensgewinne bieten zudem wenig Anreiz für Aktionäre. Und ein Ersatz für die USA als Wachstumstreiber nicht in Sicht.

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Larry Hatheway, Chefökonom bei GAM Investments
© GAM

Ein deutlicher Kurseinbruch an den globalen Aktienmärkten hat die Investoren im Oktober überrascht. Die Ursache für den Ausverkauf ist nicht unbedingt einem bestimmten Ereignis zuzuschreiben. Denn neu sind die Sorgen, die die Weltwirtschaft in Atem halten, sicher nicht: sei es eine mögliche Eskalation des Handelskriegs, die Unsicherheit über die US-Halbzeitwahlen, das verlangsamte Wachstum in China oder ein möglicher harter Brexit.

Wer beziehungsweise was ist schuld am Ausverkauf?
Es sei zwar gerade in Mode, große Ausverkäufe an den Märkten auf algorithmischen Handel oder Index-Tracker zu schieben, die ETFs abstoßen. Doch auch das kann nicht die ganze Wahrheit sein, ist Larry Hatheway, Chefökonom bei GAM Investments, überzeugt: „Die Zurückhaltung der Stock Picker deutet darauf hin, dass die Märkte ihren Höhepunkt bereits erreicht haben. Mit Beginn der ‚Post-Peak‘-Phase werden sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Unternehmensgewinne nicht mehr zunehmen.“ Eine Folgeerscheinung sei, dass den wiederkehrenden Meldungen zu umstrittenen politischen Entscheiden und Entwicklungen mehr Bedeutung zugemessen werde.

Wirtschaftswachstum verlangsamt sich
In der Regel sei es für die Märkte einfacher, über Unsicherheiten hinwegzusehen, wenn die Fundamentaldaten stark sind. Ändere sich dies, hätte dies zufolge, dass Investoren sich mit einem Abgrund konfrontiert sähen. Betrachtet man vor diesem Hintergrund das globale Wachstum, hat die Wirtschaft in den USA bereits Mitte diesen Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Der amerikanische Immobilienmarkt und die Autoverkäufe entwickeln sich schwächer und die realen Short-Zinsen nähern sich wieder dem positiven Bereich. Der Anstieg der Unternehmensausgaben dank Steuersenkungen und Deregulierung ist im Gange, wird aber wohl nächstes Jahr wieder nachlassen. Die Unternehmenssteuern werden nicht noch einmal gesenkt, und die Früchte der Deregulierung wurden bereits geerntet.

Alle guten Nachrichten sind aus dem Sack
„Dazu hat die US-Wirtschaft Vollbeschäftigung erreicht, mit einem Trendwachstum von rund 2,5 Prozent. Im Vergleich dazu verzeichnete das BIP eine Wachstumsrate von 4,2 Prozent im zweiten Quartal und 3,5 Prozent im dritten Quartal. Ab diesem Punkt verlangsamt sich entweder das Wachstum oder beschleunigt die Inflation. Passiert letzteres, wird die Fed die Zinsen noch schneller anheben, um sicherzustellen, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt“, so Hatheway.

Unternehmensgewinne schwächen sich ab
Auch das Argument des goldenen Zeitalters der Rentabilität könne Investoren nicht unbedingt zu Aktien zurücklocken: „Der Anteil der Unternehmensgewinne am US-BIP erreichte im zweiten Quartal 2012 mit 12,6 Prozent seinen Höhepunkt, um den er einige Jahre lang schwankte. In den vergangenen zwei Jahren ist er jedoch zurückgegangen und liegt nun fast zwei Prozentpunkte unter dem zyklischen Höchststand“, so der Experte. Die Löhne nähmen allmählich zu, die Produktivität lasse nach. Energiekosten steigen, ebenso wie die Kosten der Fremdfinanzierung. Und nicht zuletzt treiben die neuen Zölle die Preise für gewisse Rohmaterialien in die Höhe.

Fehlender Antrieb
Kann China die USA als Wachstumslokomotive der Welt ersetzen? Für Hatheway ist dieses Szenario aus zwei Gründen unwahrscheinlich: „Erstens hätte China nur wenig davon, die Geldpolitik weiter zu lockern. Zweitens lockert China nun die Kreditvorgaben, um das Risiko auszugleichen, dass die Exporte durch den zunehmenden Handelskonflikt mit den USA schrumpfen könnten. Das ist kaum beruhigend, denn China bereitet sich auf das Schlimmste vor, statt sich kompromissbereit zu zeigen.“

Die Unternehmensgewinne in den USA nach dem Höchststand seien beunruhigend, denn 2018 waren US-Aktien der einzige sichere Wert. Auf die Frage, ob ein anderer Aktienmarkt die USA in dieser Rolle ablösen könne, zeigt sich Hatheway eher pessimistisch: „Japan erfreut sich zwar heimlich eines bemerkenswerten jahrzehntelangen Anstiegs der Unternehmensgewinne - aber kann sich wirklich jemand vorstellen, dass Japan allein die globalen Aktienmärkte anführen wird? Europa und die Schwellenländer haben es immer wieder versäumt, ihre Gewinne zu steigern, und ohne eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums wird sich dies auch nicht ändern.“

Fazit
Zusammenfassend könne man sagen, dass die Märkte in guten Zeiten eine schwierige politische Landschaft sowie eine restriktive Geldpolitik der Fed eher tolerierten als nachdem sie ihren Zenit überschritten haben. „Obwohl es durchaus willkommen wäre, wenn andere Aktienmärkte die Führungsrolle der USA übernehmen, scheint dies eher unwahrscheinlich, solange auf geo- wie auch wirtschaftspolitischer Ebene so viele Unsicherheiten herrschen“, schließt Hatheway. (kb)

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