Langjährige Nummer eins muss KI-Boom Tribut zollen
Aufgrund eines stark gestiegenen Aktienkurses hat Softbank den Automobilhersteller Toyota als wertvollstes Unternehmen am japanischen Aktienmarkt gemessen an der Marktkapitalisierung überholt.
Eckpunkte:
- KI-Boom treibt SoftBank an Toyota vorbei an die Spitze der japanischen Börse
- Den entscheidenden Unterschied machte ein starker Kurszuwachs zu Wochenanfang
SoftBank hat Toyota als wertvollstes Unternehmen Japans überholt. Der Führungswechsel gilt als Meilenstein des globalen Booms rund um Künstliche Intelligenz und markiert eine tiefgreifende Verschiebung in der Unternehmenshierarchie der japanischen Wirtschaft. Darüber berichtet Bloomberg News.
Erinnerungen an das Jahr 2000 werden wach
Die Aktien des von Masayoshi Son geführten Technologiekonzerns stiegen am Montag im Handel in Tokio um 14 Prozent. Damit übertraf die Marktkapitalisierung von SoftBank erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten die von Toyota. Zuletzt war dies nur kurzzeitig auf dem Höhepunkt der japanischen Internetblase im Jahr 2000 gelungen, gemessen an der Marktkapitalisierung einschließlich eigener Aktien.
Die Kursrally hat die SoftBank-Aktie seit Jahresbeginn um mehr als 90 Prozent steigen lassen. Der Börsenwert des Unternehmens liegt damit bei mehr als 48 Billionen Yen (262 Milliarden Euro) und damit über Toyotas Marktkapitalisierung von rund 46 Billionen Yen. Die Toyota-Aktie hat im gleichen Zeitraum dagegen mehr als zehn Prozent verloren.
Favoritenwechsel
Der Führungswechsel verdeutlicht Bloomberg zufolge, wie schnell sich Anlegerpräferenzen zugunsten von Unternehmen verschoben haben, die vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Zugleich zeigt er die auseinanderlaufende Entwicklung zweier japanischer Wirtschaftsgiganten, während makroökonomische Belastungen und geopolitische Spannungen auf die Automobilbranche drücken und die Begeisterung für KI zunimmt.
“Dieses epochale Ereignis symbolisiert den KI-Boom”, sagte Kazuhiro Sasaki, Leiter Research bei Phillip Securities Japan. Rund um die Erwartungen an große Börsengänge in den USA entstünden außergewöhnliche Bedingungen. Dies löse eine Umschichtung von Kapital aus.
Auch die Marktkapitalisierung des japanischen Speicherchipherstellers Kioxia Holdings bewegt sich mit rund 40 Billionen Yen auf hohem Niveau. Das Unternehmen ist damit Japans drittwertvollster Konzern und hat Mitsubishi UFJ Financial Group überholt. Der Hersteller von NAND-Flash-Speichern erwartet im laufenden Quartal einen höheren Gewinn als im gesamten Zwölfmonatszeitraum bis Ende März, angetrieben durch den enormen Bedarf von KI-Rechenzentren an Datenspeicherung.
Viel Fantasie
Die SoftBank-Aktie legte am Montag zu, während KI-nahe Unternehmen in der gesamten Region Gewinne verzeichneten. Die Aktie leistete damit den größten positiven Beitrag zum Topix-Index, während Toyota den stärksten Belastungsfaktor darstellte. Das Unternehmen hatte am Wochenende Pläne angekündigt, bis zu 87 Milliarden Dollar in den Bau von KI-Rechenzentren in Frankreich zu investieren. Dies schürte Optimismus hinsichtlich einer steigenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur.
Das Papier hat seit der Bekanntgabe im letzten Monat zugelegt, dass zwei namhafte Portfoliounternehmen - OpenAI und SB Energy - einen möglichen Börsengang in den USA vorbereiten. SoftBank hat dem Entwickler von ChatGPT Investitionen von nahezu 65 Milliarden Dollar zugesagt und wird damit bis Oktober einen Anteil von rund 13% halten.
Die Stimmung der Investoren gegenüber SoftBank hat sich deutlich verbessert. Frühere Sorgen, dass der zunehmende Wettbewerb durch Konkurrenten wie Anthropic, die Alphabet-Tochter Google und Elon Musks xAI die Dominanz von OpenAI schwächen könnte, sind in den Hintergrund getreten.
Das Wachstum des Automobilsektors steht weiterhin unter starkem Druck, da die Industrie einen kostspieligen und kapitalintensiven Strukturwandel hin zu Elektrofahrzeugen und stärkerer Softwareintegration bewältigen muss.
“SoftBank hat seine Managementressourcen auf KI-bezogene Geschäftsfelder konzentriert und erfolgreich von der globalen Technologierally profitiert”, sagte Tomo Kinoshita, globaler Marktstratege bei Invesco Asset Management Japan. “Toyota hingegen leidet unter den steigenden Ölpreisen infolge des Iran-Krieges, was die Betriebskosten von Fahrzeugen erhöht und die weltweite Nachfrage nach Autos belastet.” (aa)
Führungswechsel in Japan






