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Globale Aktien: Hilft Disziplin bei der Beherrschung fundamentaler Risiken?

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Kurios oder gefährlich? Trotz Januarrallye Abflüsse aus US-Aktienfonds

Auf den schlechtesten Dezember für US-Aktien seit der Großen Depression, wo der S&P 500 am 24. Dezember 2018 für wenige Sekunden in den Bärenmarkt eintauchte, folgte der beste Januar-Monat seit 1987 mit einem Plus von 7,9 Prozent. Doch die Investoren scheinen offensichtlich nicht mitzuspielen.

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Warum drehen die Aktienfonds-Abflüsse nicht angesichts der Januar-Rallye in den Vereinigten Staaten? Ist gar das Vertrauen in die Fed angeschlagen?
© marklt / Fotolia

Die Kehrtwende zum Besseren war auf den 180-Grad-Schwenk der US-Notenbank zurückzuführen, die sich vom Autopiloten in Bezug auf weitere Leitzinserhöhungen und den Entzug von 50 Milliarden US-Dollar Liquidität pro Monat in Richtung eines taubenhaften, der jeweiligen Situation angepassten Verhaltens drehte. So soll es zumindest bis zum Sommer 2019, wenn nicht gar darüber hinaus, keine weiteren Leitzinsanhebungen geben. Das erwartet der Markt, genauso wie eine erste Leitzinssenkung Anfang 2020, so eine Rezession eintritt. Dies signalisierte den Marktteilnehmern grünes Licht für Aktien, zumindest bis zum tatsächlichen Eintritt einer Rezession, oder vielleicht sogar darüber hinaus. Schließlich würde die Fed dann wohl ein QE4-Programm starten müssen. Ein Mehr an Liquidität wäre dann gut für Aktien, die längst aufgehört haben, den Zustand der Wirtschaft wiederzugeben, sondern Spielball der Liquiditätsversorgung der Notenbank geworden sind, wie Kommentator Tylor Durden auf zerohedge.com schreibt.

Investoren kaufen die Rallye nicht
Interessanterweise scheinen die Fondsanleger der Fed bei ihrem Kurswechsel nicht zu folgen. Trotz steigender Kurse kaufen die Anlager Ende Januar US-Aktienfonds nicht, sondern geehen vielmehr in typische Risk-Off-Anlagen wie Rentenfonds, die sich über 9,4 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen freuen konnten, während US-Aktienfonds im Gegenwert von 15 Millliarden US-Dollar verkauft wurden. Anfang Februar war trotz starker US-Aktien Ähnliches zu beobachten: Anleger zogen weiter Geld aus US-Aktienfonds ab und gingen in US-Anleihen, und das, obwohl bis vor wenigen Tagen eine historische Rallye stattgefunden hatte. 

Ratlose Experten
Seit dem der US-Aktienmarkt sein Bärenmarkt-Tief am 2. Januar 2019 gesehen hat, haben Investoren für 36 Milliarden Rentenfonds gekauft und im Gegenwert von 10 Milliarden US-Dollar US-Aktienfonds verkauft. Vertrauen in eine sechswöchige Rallye sieht anders aus! Auch der Experte für Fonds-Flows der Deutschen Bank, Parag Thattle, zeigte sich vor einer Woche ratlos und kann sich nur an ganz wenige Zeitabschnitte erinnern, wo mehr als fünfprozentige Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt mit Fondsabflüssen einhergingen. Bei zweien dieser Ereignisse, konkret Anfang 2016 nach der Wachstumspanik mit China im Fokus und nach der Finanzkrise in Europa kamen die Zuflüsse mit ein paar Wochen Verspätung zurück. Eine Ausnahme stellte das frühe 2015 dar, als die Fondsabflüsse anhielten, als sich die US-Daten signifikant abschwächten. 

Eigentümliche Januar-Bilanz 
Nun kann man den Janaur 2019 in diese Liste eintragen, da Investoren für 30 Milliarden US-Dollar Investment Grade, High Yield und Emerging Markets Bonds kaufen, für 16 Milliarden US-Dollar Schwellenländeraktien und für 3 Milliarden Staatsanleihen. Im Gegenzug gaben Sie US-Aktien-Fonds für 26 Milliarden und europäische Aktien-Fonds für 7 Milliarden ab. Das zeigt die folgende Grafik.

Raus aus US-Aktien trotz imposanter Januar-Rallye

Risikoaversion sieht aber anders aus
Trotz der Abflüsse aus US-Aktienfonds konnten die Zahlen von Bank of America Merrill Lynch (BofA ML) und EPRA (Emerging Portfolio Fund Research) Global bei anderen risikonbehafteten Assets Zuflüsse verorten. So sah man die größten Ein-Wochen-Zuflüsse in den letzten drei Jahren in High Yield-Fonds (plus 4,8 Milliarden US-Dollar) und Emerging Market Debt Fonds (plus 4,4 Milliarden). Dazu kamen noch 4 Milliarden Zuflüsse in Investment grade-Anleihen sowie die bis dato zweitgrößten Inflows bei REITs (plus 1,9 Milliarden). Rechnet man die Zuflüsse von Schwellenländer-Aktienfonds und -Rentenfonds zusammen, kommt man sogar auf den höchsten Zufluss seit Beginn der wöchentlichen Flow-Beobachtung. 

Zwei mögliche Erklärungen 
Michael Hartnett, Experte von BofA ML, fallen zwei mögliche Erklärungen für dieses merkwürdige Investorenverhalten in Bezug auf US-Aktien ein: Erstens könnten die Anleger trotz der US-Aktien-Rallye eine säkulare Stagnation diskontieren und stattdessen Income und Wachstum in Form von Schwellenländeranlagen kaufen. Zweitens wäre denkbar, dass die Flows eine Bewegung hin zu Credit, aber nicht zu Aktien signalisierten, da bei letzteren ein Test des Januar-Tiefs noch aussteht.

Spätere Anpassung des Verhaltens
Laut Hartnett sei es trotz der voherrschenden Skepsis vieler Marktteilnehmer nur eine Frage der Zeit, bis die Anleger in Aktienfonds zurückkämen, denn das entscheidende Argument sei die geänderte Notenbankpolitik. Der Zyklus der Zinsanhebungen komme zu einem Ende, da die FED Angst vor einem globalen Credit-Event gehabt habe. Im Epizentrum der möglichen - und durch die Fed zu verhindernden - Krise seien Leveraged Loans gestanden, die sich seit der Kehrtwende der Notenbank fast vollständig erholt hätten. Das illustriert der folgende Chart. 

Kursentwicklung des Senior Loan-ETF von Invesco
Dieser bildet den S&P/LISTA US Leveraged Loan 100 Index physisch ab. 

Einige Joker könnten noch kommen, etwa wenn die Fed das Quantitative Tightening (QT) beendet, China mit dem Deleveraging im Schattenbankensystem Schluss macht, die USA und China einen Waffenstillstand im Handelskrieg schließen oder Deutschland einen fiskalen Stimulus startet.

Hat Dumb Money wieder die Nase vorn?
Das "Smart Money" denkt, dass das "Dumb Money" falsch liegt. In den letzten zehn Jahren war es aber das sogenannte dumme Geld, das die Hedgefondsprofis schlug. "Wird das dem dummen Geld dieses Mal wieder gelingen?", fragt sich Zerohedge-Blogger Durden. Und er stellt eine weitere, wichtige Frage: "Wenn die Anleger dieses Mal sagen, dass die Fed ihre Glaubwürdigkeit verliert, und sie Aktien verkaufen anstatt kaufen, wie will in Gottes Namen die Fed in der Lage sein, die nächste Krise bei diesem Vertrauensverlust wirkungsvoll auszubremsen? Diese Frage ist tatsächlich geeignet, einem den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben.... (kb)

 

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