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Krypto-Liquidationen machen DeFi-Prinzipien zu Schall und Rauch

Die Kryptotalfahrt stellt das Dezentrale Finanzwesens (DeFi) vor das Problem, Notverkäufe abzuwenden, die sich kaskadenartig verstärken und damit das ganze System destabilisieren könnten. Dabei werden Maßnahmen ins Auge gefasst, die das Bekenntnis zu Transparenz und Demokratie auf den Kopf stellen.

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© DedMityay / stock.adobe.com

Am Sonntag stimmten die Token-Inhaber der Kreditvergabe-App Solend dafür, vorübergehend das Konto eines großen Nutzers zu übernehmen, dem eine umfangreiche Liquidation drohte. Ein solcher Schritt wäre im DeFi-Sektor wohl ein Novum gewesen und hätte der DeFi-Basis der algorithmen-basierten Smart Contracts diametral widersprochen. In der Krypto-Community bei Twitter führte dies zu lautstarkem Protest und schließlich am Montag zu einer zweiten Abstimmung, die das Vorhaben kippte. DeFi-Apps ermöglichen den Nutzern, miteinander zu handeln, sich gegenseitig Geld zu leihen und zu verleihen - ohne Vermittler wie Banken. Solche Apps basieren oft auf anderen DeFi-Anwendungen, so dass Probleme an einem Ort lawinenartige Auswirkungen auf andere haben können.

Nachschussforderungen für Sicherheiten
Eine populäre DeFi-Anlagestrategie beruht darauf, dass Nutzer Coins aus einer App ausleihen und diese dann in einer anderen App einzahlen, wo höhere Renditen erzielt werden können. Für die geliehenen Coins stellen die Nutzer Token als Sicherheiten zur Verfügung. Wenn die Kryptopreise in den Keller gehen - wie in letzter Zeit -, kann dies wie bei traditionellen Handelskonten Nachschussforderungen für die Sicherheiten auslösen. 

Zwangsliquidierende Bots stehen sich im Weg
Kommen Nutzer den Nachschusspflichten nicht nach, werden ihre Portfolios zwangsliquidiert - dies geschieht allerdings automatisiert durch Software-Programme, sogenannte Bots, die für diese Aufgabe maßgeschneidert sind. Die von Programmierern und Tradern betriebenen Bots wetteifern darum, die Positionen aufzulösen, um so einen Bonus zu erhalten. 

Verstopfte Blockchain
Wenn viele Bots um die Auflösung einer Position konkurrieren, kann dies die Blockchain mit Transaktionen verstopfen. Überdies kann es die Token-Preise weiter unter Druck setzen, wenn in diesem Rahmen viele Coins gleichzeitig abgestoßen werden und eine weitere Kaskade von Liquidationen auslösen. Durch ihr Eingreifen versuchen die DeFi-Gemeinschaften, all dies zu vermeiden. “Viele DeFi-Protokolle reduzieren in dieser volatilen Zeit das Kontrahentenrisiko”, berichtet Paul Veradittakit, Partner bei Pantera Capital, gegenüber Boomberg.

Eingreifen der DeFi-Gemeinschaften, um Abärtsspiralen zu verhindern
Im Fall von Solend hatten die Tokeninhaber mit überwältigender Mehrheit für einen Vorschlag gestimmt, das Konto eines Großnutzers vorübergehend zu übernehmen, nachdem die App den Nutzer vergeblich kontaktiert hatte. Dadurch war die Gefahr einer massiven Liquidation näher gerückt. Sollte es zu einem Ansturm von Bots kommen, die um die Positionsauflösung konkurrieren, könnte dies laut dem Solend-Papier “zu einem Chaos führen und das Solana-Netzwerk belasten”. Durch die Übernahme des Kontos wollte das Solend-Team versuchen, für die Position einen bestimmt Käufer zu finden und sie so außerbörslich zu liquidieren. Damit würde der Tokenpreis weniger unter Druck geraten. 

Eingriffe im Stil von Notenbanken wären ein klarer Normenverstoß
Der Eingriff ist Methoden im traditionellen Finanzwesen zur Abwendung von Panikverkäufen bei Banken oder anderen Marktteilnehmern nicht unähnlich, würde jedoch gegen die DeFi-Normen verstoßen. Der Löwenanteil der Token, die bei der ersten Abstimmung für die Kontoübernahme gestimmt hatten, entfiel zudem auf eine einzige Kryptoadresse, was Zweifel an der Legitimität aufwarf.

Solend-Vorschlag durchgefallen, nun soll ein neuer her
Bei einer Zweitabstimmung am Montag fiel der Solend-Vorschlag durch. Nun solle an einem neuen Vorschlag gearbeitet werden, “der keine Notfallbefugnisse für die Übernahme eines Kontos beinhaltet”, hieß es in einem Posting, in dem die Abstimmungsergebnis bekannt gemacht wurden. Details dazu wurden nicht genannt. 

Eingefrorene Kundeneinlagen lassen Kryptomarkt erzittern
In den vergangenen sieben Tagen sind die Preise am Kryptomarkt im zweistelligen Bereich abgesackt. Hinter dem Ausverkauf stand erst die Entscheidung des zentralisierten Krypto-Kreditgebers Celsius Network, Kundeneinlagen einzufrieren. Dann wurde bekannt, dass sich auch der Konkurrent Babel zu einem solchen Schritt entschlossen hatte. Der Hedgefonds Three Arrows Capital kam so unter Druck, dass er mitteilte, an einer Bereinigung der Lage zu arbeiten.

Hinterlegtes Kryptogesamtvermögen in gut einem Monat fast gedrittelt
Das am DeFi-Markt in Apps hinterlegte Krypto-Gesamtvermögen ist nach Angaben des Marktbeobachters DeFi Llama auf 70,6 Milliarden US-Dollar zusammengeschmolzen. Kurz bevor die Implosion der Terra-Blockchain die aktuelle Digitalwährungskrise lostrat, waren es per 5. Mai 2022 noch 205,7 Milliarden US-Dollar. (kb)

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