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Kritik an nachhaltigen Finanzprodukten als nicht klimafreundlich

An den Nachhaltigkeitsbestrebungen der Finanzbranche ist Kritik laut geworden. Ein vor kurzem vorgestellter Bericht der Umwelt- und Klimaschutzorganisation Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Fonds bei Schweizer Banken nicht klimafreundlich sind, berichtet der Bankenbrief des BVB.

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Greenwashingverdacht ortet Greenpeace bei Schweizer Fonds, die sich als klimaverträglich präsentieren.  
© Fotolia

Die Organisation hatte ein "Mystery Shopping" durchgeführt und 33 Tester zum Beratungsgespräch bei 19 Schweizer Geldhäusern geschickt. Dabei seien Finanzprodukte als klimaverträglich empfohlen worden, die nach Auffassung von Greenpeace "in keiner Weise mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sind", heißt es in den aktuellen Bericht. Insgesamt sei die Beratungsqualität zu nachhaltigen Kapitalanlagen mangelhaft. Diese Ergebnisse seien ein weiterer Beweis dafür, dass der Schweizer Finanzplatz mit «Sustainable Finance» Greenwashing betreibe, so Greenpeacens Résumé.

Klimaverträgliche Fonds nicht Paris-kompatibel 
​In der Analyse der von den Beratern als klimaverträglich empfohlenen Produkte zeigte sich laut Greenpeace. dass kein einziges der Produkte diesem Anspruch gerecht werde. Sie würden  keinen Absenkungspfad für die Treibhausgasintensität der enthaltenen Unternehmen verfolgen, die mit dem Ziel einer maximalen globalen Erwärmung von 1,5 Grad vereinbar wäre. Somit seien die Produkte auch nicht mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens vereinbar. Sehr problematisch sei überdies, dass bei fast 60 Prozent der als klimaverträglich beworbenen Fonds die Nachhaltigkeitskriterien nicht für das gesamte Fondsportfolio angewendet würden,  sondern nur für einen Teil davon. Das Risiko sei somit hoch, dass diese Fonds auch weiterhin in klimaschädliche Unternehmen investierten. 

Die Branche reagiert
Zwei Schweizer Großbanken – Credit Suisse und UBS – wiesen die Kritik an ihren Produkten zurück. Zuvor hatte Greenpeace bereits eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass nachhaltige Anlagefonds es nicht schafften, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft als herkömmliche Fonds zu lenken.

Eines Sinns mit Ex-CIO for Sustainable Investing bei BlackRock in dieser Frage
Diese Einschätzung teilt auch der frühere BlackRock-Nachhaltigkeitschef Tariq Fancy. "Ob ich in einen normalen ETF oder in einen grünen ETF investiere, macht für das Klima kaum einen Unterschied. Für die Fondsgesellschaften allerdings schon. Das vermeintlich grüne Produkt kostet mehr Gebühren", sagte Fancy in einem heute veröffentlichten Interview. Es sei gefährlich, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit glaube, ESG sei die Lösung. Dieser "Irrglaube" bremse staatliches Handeln und lenke von den wirklich benötigten Maßnahmen ab, die den Klimawandel drosseln könnten, fügte er hinzu.

Rasche Einigung auf gemeinsame ESG-Kriterien tut not
Fancys ehemaliger Arbeitgeber BlackRock hatte Europas Geldhäusern und Aufsichtsbehörden in einer Studie erst kürzlich zu einer raschen Einigung auf gemeinsame ESG-Kriterien geraten. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hatte bereits in einer Stellungnahme im Juli die Festlegung von freiwilligen Standards für "grüne" Anlagen auf Ebene der EU-Europäischen Union als richtig bezeichnet. Diese müsse marktkonform durchgeführt werden. (kb)

 

 

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