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Aktien: Sechs Anzeichen für einen Bullenmarkt in der Endphase

Die Hausse am Aktienmarkt ist in ihr elftes Jahr eingetreten. Wie lange wird die Rallye noch anhalten? Es gib sechs verräterische Anzeichen für eine Abkühlung der Aktienmärkte. Erfahren Sie mehr.

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Kristina Hooper, Invesco: „Notenbanken haben Anleihenmärkte verzerrt“

Die Invesco-Chefmarktstrategin geht trotz einer inversen Zinskurve und jüngst fallenden Aktienkursen von weiter steigenden Notierungen aus. Die Märkte belastete zuletzt aber auch eine weitere, potenzielle Quelle geldpolitischer Disruption, die Investoren genau beobachten sollten.

Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco.
Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco
© Invesco

„In der letzten Woche hat sich einmal mehr gezeigt, wie disruptiv die Geldpolitik wirken kann: Die Fed kündigte eine einschneidende Abweichung von ihrem Normalisierungsplan an, die Zinsstrukturkurve wurde invers, das schürte Sorgen an den Märkten, und ein ausgesprochener Fed-Kritiker wurde für den Gouverneursrat, das Führungsgremium der US-Notenbank, nominiert“, leitete Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco, eine aktuelle Kommentierung des Marktgeschehens ein.

Fed geht vor den Märkten in die Knie
Die Fed signalisierte bei ihrer geldpolitischen Sitzung im März, dass in diesem Jahr keine weiteren Zinsschritte ihrerseits erfolgen würden und sie ab Herbst ev. keine weiteren Anleihen aus ihrer Bilanz auf den Markt werfen würde. Das wirft laut Hooper und wohl bei allen Investoren weltweit die Frage auf, wie schwach das globale Wachstum tatsächlich sei.

Bei der Pressekonferenz hat der Fed-Vorsitzende Jerome Powell versucht, die Märkte zu beruhigen. So erklärte er, dass sich die US-Wirtschaft in einer guten Verfassung befände und der globale Abschwung nur moderat sei.

„Diese Aussagen passen jedoch nicht zur dramatischen Kehrtwende, die die Fed in den vergangenen Monaten vollzogen hat. Innerhalb weniger Monate ist die Fed von der Bilanznormalisierung im Autopilot-Modus zur Rückführung und kurzfristigen Beendigung der Bilanzkonsolidierung übergegangen – und von drei Zinserhöhungen im Jahr 2019 zu keinem weiteren Zinsschritt“, merkt Hooper an. Zuletzt signalisierten die Fed Fund Futures eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis zum Jahresende. Die inzwischen deutlich größeren Wachstumssorgen der Marktteilnehmer würden sich in den Treasury-Renditen widerspiegeln, die Hooper für ein sehr viel besseres Angstbarometer hält als den VIX Index. Dadurch werde jetzt erwartet, dass andere Zentralbanken ebenfalls eine weichere Haltung einnehmen könnten.

Der Kurswechsel der Fed war Hooper zufolge „ein einschneidendes Ereignis“ und sollte für ein deutlich besseres Umfeld für Risikoanlagen sorgen. Allerdings gäbe es ganz klar gewisse Ängste am Markt, die sich in den US-Staatsanleiherenditen widerspiegeln. Dass sich die Aktienmärkte in diesem Umfeld zunächst gut gehalten haben, war keine Überraschung. Für Unterstützung sorgten hier die deutlich akkommodierendere Haltung der Fed und die Hoffnung, dass Powell mit seiner Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in den USA und weltweit richtig liegt.

Invertierte Zinskurve muss nicht immer zur Rezession führen
Freitag, dem 22. März 2019, kam es zur Inversion der Zinsstrukturkurve. So kurz nach der dramatischen Kehrtwende der Fed sorgte das am Markt für erhebliche Nervosität, da sich die Investoren fragten, ob der globale Abschwung tatsächlich nur moderat ist. Verstärkt wurden diese Ängste durch schwache Daten aus Europa und anhaltende Sorgen über die US-chinesischen Handelsstreitigkeiten. „Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass Zölle ein disruptiver geopolitischer Faktor sind, der eine erhebliche Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt. Ein altes Sprichwort lautet: Untaten fallen immer auf den Urheber zurück. In diesem Fall sind die Zölle die Untaten — die ersten negativen Folgen sind bereits erkennbar und es könnten noch mehr werden“, warnt Hooper.

Letztlich sollten Investoren laut Hooper bedenken, dass eine inverse Zinskurve keine Rezession auslöst – in den vergangenen Jahren aber ein guter Indikator dafür war, dass eine solche bevorstehen könnte. Diese Aussage sei allerdings mit einigen Vorbehalten behaftet, betont die Invesco-Frau.

Erstens: Eine inverse Zinsstrukturkurve sei erst dann ein ernstzunehmender Hinweis auf eine Rezession, wenn sie rund drei Monate oder länger andauert — und nicht nur einen Tag. Auch sollten Investoren nicht vergessen, dass es häufig lange dauert, bis auf eine inverse Zinskurve eine Rezession folgt.

Der vielleicht wichtigste Punkt sei nach Ansicht Hoopers: „Eine inverse Zinsstrukturkurve kann auch nur Folge einer experimentellen Geldpolitik sein: Die großen Zentralbanken haben ihre heimischen Anleihemärkte völlig verzerrt.“

Hooper zufolge ließen sich noch zahllose weitere Vorbehalte nennen. „Die einfache Faustformel ist also mit Vorsicht zu genießen und ich sehe keinen Grund für Panik. Ganz im Gegenteil: Ich glaube sogar, dass sich die Aktienmärkte in den nächsten Monaten positiv entwickeln könnten. Die akkommodierendere Haltung der Fed sollte für gute Unterstützung an den Risikomärkten sorgen — solange sich die Wirtschaftsdaten nicht gravierend verschlechtern“, prognostiziert Hooper. Investoren sollten aber eine jüngst bekannt gewordene, geplante Fed-Personalie genauer beobachten.

Trump benennt Fed-Kritiker ins Führungsgremium der Fed
„Eine weitere potenzielle Quelle geldpolitischer Disruption kam letzte Woche hinzu, als US-Präsident Donald Trump seinen früheren Wahlkampfberater Stephen Moore, einen Dauerkritiker der Fed, für einen Sitz im Gouverneursrat der Fed nominierte“, erklärt Hooper. Moore hatte die Fed in der Vergangenheit erst für eine ultralockere Zinspolitik und im vergangenen Jahr dann für ihre Zinserhöhungen kritisiert. Er hat sich sogar dafür ausgesprochen, den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zu entlassen.

Hooper warnt, dass die Zentralbanken ins Visier der Politik geraten könnten und Investoren sich Sorgen über eine mögliche Politisierung dieser Banken machen sollten, da eine solche Entwicklung sehr disruptiv sein kann und sich in der nächsten Krise als problematisch erweisen könnte. Moore hat viele Kritiker. Einer davon, der sich gegen seine Nominierung ausgesprochen hat, ist Greg Mankiw, Harvard-Professor und ehemaliger Chef-Wirtschaftsberater von Ex-US-Präsident George W. Bush. „Moores Wechsel in das Führungsgremium der Fed muss erst noch vom Senat bestätigt werden. Das dürfte kein ganz einfacher Prozess werden. Wir werden diese Situation genau beobachten“, erklärt Hooper abschließend. (aa)

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