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Konserven statt Passagiere: Die Luftfracht boomt wegen Corona

Luftfracht ist in normalen Zeiten ein wenig glamouröser Teil des Fliegens. In der Dunkelheit des Coronavirus erweist sie sich jedoch als Hoffnungsschimmer für so manchen Carrier.

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© Leonid Andronov / Fotolia

Viele Langstreckenmaschinen stehen nach wie vor am Boden, was das Angebot an Frachtkapazität massiv einschränkt. Dennoch müssen weiterhin eilige Medizingüter und die neuesten Smartphones kreuz und quer durch die Welt verschickt werden. Schließlich kaufen die Menschen trotz der Pandemie weiterhin ein - nur eben vielfach im Internet. Steigende Luftfrachtpreise sind die Folge und Experten schätzen, dass das so weitergeht, insbesondere mit Blick auf die Vorweihnachtszeit.

Steigende Luftfrachtpreise dadurch, dass viele Flieger am Boden bleiben
Die Güter, die auf dem globalen Förderband in 10.000 Metern Höhe bewegt werden, spiegeln den Verlauf der Pandemie wieder. Die anfänglichen Schutzmasken und Handschuhe sind Halbleitern und PC-Teilen gewichen, als die Menschen während des Lockdowns ihre Arbeitsplätze daheim einrichteten. Sobald ein Impfstoff gefunden ist, werden es wiederum die Fluggesellschaften sein, in deren gekühlten Frachträumen Milliarden von Ampullen über die Welt verteilen werden. In normalen Zeiten fliegt etwa 60 Prozent der weltweiten Luftfracht im unteren Teil von Passagierflugzeugen mit. Aktuell sind jedoch hunderte Jets in der Wüste geparkt. Die Luftfrachtraten sind dadurch in die Höhe geschossen: die Preise von Hongkong nach Nordamerika etwa sind heute fast 70 Prozent höher als Anfang Januar.

Die Top 12 Cargo-Luftlinien

„Was wir gesehen haben, waren riesige Mengen an leichten, aber sperrigen Gütern - Masken, Kittel, Handschuhe und dergleichen. Da begannen Fluggesellschaften, große Kisten einfach in die Passagierkabinen zu laden“, sagte Nick McGlynn, Chief Customer Officer im Frachtbereich von Qantas. Das hat sich mittlerweile normalisiert. Inzwischen fliegt Qantas große Mengen frischer Lebensmittel von Australien nach Asien, darunter Thunfisch nach Japan oder Forellen nach Hongkong. Auf dem Rückweg laden die Maschinen medizinische Güter, Autoteile und Elektronik oder Teile für Bergbaumaschinen von Caterpillar aus den USA. Fiji Airways verdient sich derzeit etwas dazu mit dem Transport frischer Meeresfrüchte und dem Wurzelextrakt Kava, so Vorstandschef Andre Viljoen letzte Woche.

Airlines strecken sich nach der Decke - und entdecken den Charme von Cargo
Bloomberg Intelligence schätzt, dass die Beladekapazität von Passagierflugzeugen nicht vor 2022 auf das Niveau von vor der Pandemie zurückkehren wird. United Airlines Holdings hat mittlerweile 5.000 reine Frachtflüge durchgeführt und die entsprechenden Einnahmen stiegen im zweites Quartal um über ein Drittel auf 402 Millionen US-Dollar. American Airlines Group . hatte 35 Jahren keine reinen Frachterdienst im Angebot. Diesen Monat schickt die Fluggesellschaft voraussichtlich mehr als 1.000 Maschinen zu 32 Zielen in Lateinamerika, Europa und Asien. Emirates, die viertgrößte Fluggesellschaft im Frachtbereich, hat ihr Frachtnetz schnell hochgefahren von 50 Zielen im April auf 75 Mitte Mai und 100 im Juli. 

Lufthansa gut dabei
Dennoch leidet die globalen Luftfahrt enorm, verliert Geld und entlässt zehntausende Mitarbeiter. Während das Frachtgeschäft der Deutschen Lufthansa AG im zweiten Quartal einen Rekordgewinn von 299 Millionen Euro erzielte, flog das Unternehmen insgesamt dennoch einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro ein.

Corona-Boost
Lufthansas Luftfrachtgeschäft hatte sein profitabelste Quartal von April bis Juni 2020.

Trotzdem zählt in einem so schwierigen Umfeld jede  Kleinigkeit. Indonesiens Lion Mentari Airlines fliegt sogar Lebensmittelkonserven durch das Archipel. “Da die Passagierzahlen so stark sinken, müssen wir andere Einnahmequellen finden,” sagte Geschäftsführer Daniel Putut. Laut Qatar Airways dürften die Frachtraten noch mindestens 12 Monate ähnlich hoch bleiben. “Die Welt ist ein Dorf und Luftfracht ist die Hauptstraße”, sagte Guillaume Halleux, Chief Cargo Officer von Qatar. “Fluggesellschaften sind zur Lebensader der Welt geworden.” (kb)

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