KI-Verlierer vor Comeback? J.P. Morgan wird selektiv optimistisch
Der KI-Boom treibt das Gewinnwachstum an den Aktienmärkten weiter an. Nach Einschätzung von J.P. Morgan AM liegen die spannendsten Anlagechancen inzwischen jedoch bei vermeintlichen KI-Verlierern. Vor allem Software-, IT- und ausgewählte Qualitätswerte könnten vor einer Neubewertung stehen.

Eckpunkte:
- J.P. Morgan sieht Chancen bei vermeintlichen KI-Verlierern
- Qualitätsaktien notieren wieder auf attraktiveren Bewertungen
- Gewinnwachstum verbreitert sich über die Magnificent 7 hinaus
Der KI-Investitionsboom bleibt nach Einschätzung von Paul Quinsee, Global Head of Equities bei J.P. Morgan Asset Management, der wichtigste Treiber für das Gewinnwachstum globaler Unternehmen. Gleichzeitig werde die Erholung breiter. Während bislang vor allem die "Magnificent 7" die Gewinne nach oben gezogen hätten, dürften 2026 auch die übrigen Unternehmen des S&P 500 wieder stärker wachsen. Auch Europa, Japan und die Schwellenländer profitierten von besseren Gewinnaussichten.
Markt unterscheidet zu wenig
Besonders interessant seien inzwischen Unternehmen, die der Markt pauschal als Verlierer der KI-Entwicklung eingestuft habe. Vor allem Softwareunternehmen, SaaS-Anbieter und IT-Dienstleister hätten deutliche Bewertungsabschläge hinnehmen müssen. Nach Einschätzung von Quinsee könnten insbesondere IT-Dienstleister und Infrastrukturunternehmen von einer Neubewertung profitieren, da sie widerstandsfähigere Gewinnrevisionen und attraktivere Bewertungen aufwiesen.
"Dieser breite Abverkauf hat jedoch Chancen geschaffen. Denn nicht alle 'KI-Verlierer' sind gleich", schreibt Quinsee in einem Kommentar. Entscheidend sei eine sorgfältige Fundamentalanalyse. Anleger müssten Datenvorteile, Wechselkosten, regulatorische Eintrittsbarrieren und die Fähigkeit zur Integration von KI bewerten. Nur so lasse sich "zwischen echten strukturellen Verlierern und Unternehmen unterscheiden, die in der Lage sind, sich in einer KI-getriebenen Welt anzupassen und zu behaupten".
Ein pauschales Übergewicht des gesamten Segments empfiehlt der Aktienstratege nicht. Chancen sieht er vielmehr bei einzelnen Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten und geringem Disruptionsrisiko.
Qualitätsaktien wieder attraktiver
Neben den vermeintlichen KI-Verlierern rückt J.P. Morgan auch Qualitätsaktien stärker in den Fokus. Unternehmen mit soliden Bilanzen, hohen Kapitalrenditen und stabilen Gewinnen hätten zuletzt insbesondere in den USA hinter dem Gesamtmarkt zurückgelegen. Dadurch seien ihre Bewertungen wieder attraktiver geworden.
"Historisch gesehen haben Qualitäts- und Value-Faktoren nach bedeutenden Ölpreisschocks eine Outperformance erzielt, während Wachstums- und spekulative Titel zurückblieben", erklärt Quinsee.
Chancen sieht er in Europa vor allem bei Gesundheits- und Konsumgüterunternehmen, in den USA bei Industrieunternehmen, Softwareanbietern und Versicherungen.
Angesichts des breiter werdenden Gewinnwachstums könnten sich damit attraktive Einstiegsmöglichkeiten eröffnen – insbesondere dort, wo der Markt die Auswirkungen der KI-Revolution derzeit zu pessimistisch einschätze. (dv)



