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KI und Energiesicherheit treiben Schwellenländer-Aktien

Für Vontobel entscheiden bei Schwellenländern zunehmend strukturelle Zukunftsthemen über den Anlageerfolg – nicht mehr die klassische Länderallokation. Besonders Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und Governance-Reformen schaffen neue Gewinner.

Thomas Schaffner, Vontobel: „Der KI-Capex-Superzyklus schafft eine neue Hierarchie von Gewinnern und Verlierern.“
Thomas Schaffner, Vontobel: „Der KI-Capex-Superzyklus schafft eine neue Hierarchie von Gewinnern und Verlierern.“© Vontobel

Eckpunkte:

  • Taiwan und Südkorea Gewinner des KI-Capex-Zyklus
  • Führende Player in Energietechnik und kritischen Rohstoffen
  • Welle von politischen Maßnahmen für mehr Aktionärsrechte

Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und Corporate-Governance-Reformen verändern nach Einschätzung von Vontobel derzeit das gesamte Anlageuniversum der Schwellenländer. Für Investoren werde es deshalb wichtiger, auf strukturelle Gewinnerbranchen zu setzen statt lediglich einzelne Länder zu gewichten.

„Schwellenländer sind nicht länger Nachzügler, sondern in Schlüsselsegmenten globale Marktführer“, schreiben Jean-Louis Nakamura, Thomas Schaffner und Raphael Lüscher von Vontobel in einem Kommentar.

Im Zentrum steht dabei der globale Boom rund um künstliche Intelligenz. Die Investitionsausgaben großer Technologieunternehmen dürften laut Vontobel bis 2027 auf mehr als 900 Milliarden US-Dollar steigen. Davon profitieren vor allem asiatische Schwellenländer.

Besonders Taiwan und Südkorea gelten als zentrale Gewinner des KI-Capex-Zyklus. Beide Länder spielen eine Schlüsselrolle bei Halbleitern, Hochleistungschips und Advanced Packaging. Gleichzeitig habe China ein eigenes KI-Ökosystem aufgebaut und kontrolliere große Teile der industriellen Wertschöpfungskette.

Der Boom erfasse inzwischen nicht nur modernste Chips, sondern auch Strominfrastruktur, Netzwerktechnik und Rechenzentren. Gerade Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht könnten dabei von steigender Nachfrage und knappen Kapazitäten profitieren. „Der KI-Capex-Superzyklus schafft eine neue Hierarchie von Gewinnern und Verlierern“, so die Autoren.

Neuausrichtung der Energieversorgung
Ein zweites großes Thema bleibt Energiesicherheit. Der steigende Energiebedarf von KI-Anwendungen sowie geopolitische Konflikte erhöhen weltweit den Druck auf Staaten und Unternehmen, ihre Energieversorgung neu auszurichten.

Davon profitieren laut Vontobel vor allem Anbieter aus den Bereichen Stromnetze, Elektrifizierung, erneuerbare Energien und Batteriespeicher. Gleichzeitig steige die strategische Bedeutung wichtiger Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Lithium. „Der Schwerpunkt verschiebt sich von effizienzoptimierten Energiesystemen hin zu robusten, auf Redundanz ausgerichteten Systemen“, schreiben die Experten.

Gerade viele Schwellenländerunternehmen seien in diesen Bereichen international führend positioniert. Das gelte insbesondere für asiatische Technologie- und Industriekonzerne.

Reformen können erhebliches Kurspotenzial freisetzen
Hinzu komme eine wachsende Welle von Corporate-Governance-Reformen. Mehrere asiatische Länder verbessern derzeit gleichzeitig ihre Kapitalmarktstandards und stärken die Rechte von Minderheitsaktionären. Besonders hervorgehoben wird Südkoreas „Value-up“-Programm, das große Konglomerate zu effizienterer Kapitalallokation und höheren Aktionärsrenditen bewegen soll.

Nach Einschätzung von Vontobel könnten solche Reformen erhebliches Kurspotenzial freisetzen. Bereits in der Vergangenheit hätten vergleichbare Programme in Asien zu deutlichen Neubewertungen geführt.

Auch regional sehen die Experten klare Präferenzen. Vontobel bleibt bei asiatischen KI-Infrastrukturanbietern übergewichtet. Besonders positiv beurteilt werden Zulieferer für Hyperscaler sowie Unternehmen aus den Bereichen Rechenzentren und Energieinfrastruktur.

Darüber hinaus sehen die Strategen Chancen in Brasilien. Sinkende Zinsen, steigende Rohstoffpreise und günstige Bewertungen könnten dort weiteres Potenzial eröffnen. Mexiko profitiere zusätzlich vom Nearshoring-Trend. Indien beurteilt Vontobel dagegen vorsichtiger. Zwar seien die Bewertungen nach dem jüngsten Rückgang attraktiver geworden, doch steigende Energiepreise könnten die Gewinne belasten.

Für Anleger werde damit die Auswahl von Qualitätsunternehmen mit steigender Kapitalrendite wichtiger als die klassische Länderallokation. „Wir bevorzugen Unternehmen, die an der Produktivitätsgrenze ihrer Branche operieren und ihre Kapitalrendite kontinuierlich steigern“, so die Autoren. (dv)

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