KI-Offensive aus China sorgt für "Todeszone" und Marktbereinigung
Chinas KI-Offensive um DeepSeek, GLM & Co. schafft eine "Todeszone" für US-Anbieter, die weniger leistungsfähige KI-Programme haben oder gute zu teuer anbieten. Damit werden die Karten im Bereich KI neu gemischt und Investoren laufen Gefahr, aufs falsche Pferd zu setzen.
Eckpunkte:
- In den letzten Tagen und Wochen kam gleich mehrere, hochwertige KI-Programme chinesischer Anbieter auf den Markt
- Diese sind wesentlich günstiger als US-Programme
- Das könnte eine Gefahr für die Rally bei KI-Aktien werden
- Vielfach wird von einer “DeepSeek-Todeszone” gesprochen
Acht Wochen mit einer Serie neuer KI-Modelle aus China haben den Abstand zum Silicon Valley deutlich verringert. Gleichzeitig entsteht ein Umfeld, das als “DeepSeek-Todeszone” beschrieben wird. Wer weder Spitzentechnologie noch marktverändernde Preise bietet, gerät zunehmend unter Druck. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Veröffentlichungs-Reigen
Alibaba hat mit Qwen3.8-Max in dieser Woche sein bislang leistungsfähigstes Modell vorgestellt. Es erreicht oder übertrifft nach den vorliegenden Ergebnissen offenbar Anthropics Flaggschiff Fable 5.
Bereits zwei Wochen zuvor hatte Moonshot AI mit Kimi K3 eine Leistung gezeigt, die mit den teuersten US-Modellen vergleichbar ist. Das Modell entstand jedoch mit deutlich geringerem Budget und löste neue Fragen zur Wirksamkeit der US-Chipsanktionen aus, die Chinas technologischen Aufstieg bremsen sollen.
ByteDance hat mit Seedance die Konkurrenz bei der Videogenerierung überholt. Version 2.5 ist gerade erschienen.
DeepSeek, der ursprüngliche chinesische Herausforderer der US-Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz, kehrte in diesem Sommer mit V4 Flash zurück. Das Modell gilt beim Preis als Durchbruch.
China rollt das KI-Feld von hinten auf
Aus einem einzelnen Überraschungserfolg ist Bloomberg zufolge inzwischen eine Serie neuer Modelle geworden, die nicht nur günstige Alternativen bieten, sondern auch leistungsstarke Fähigkeiten beim logischen Schlussfolgern, Programmieren und bei komplexen Aufgaben. Damit treten sie in direkte Konkurrenz zu OpenAI und anderen US-Anbietern.
“Die wichtigste Veränderung seit Januar 2025 ist, dass Chinas Fortschritte nicht mehr wie der Durchbruch eines einzelnen Unternehmens aussehen”, sagte der in Peking ansässige Technologieanalyst und Gründer des Newsletters Hello China Tech, Poe Zhao. “Der erste DeepSeek-Moment wirkte außergewöhnlich. Die jüngsten Veröffentlichungen deuten darauf hin, dass China inzwischen über ein wiederholbares System verfügt, um Modelle nahe an der globalen Spitze zu entwickeln.”
Zusammen mit Z.ais GLM-5.2, das im Juni das weltweit höchstplatzierte Open-Source-Modell war, zeigt diese Serie von fünf Modellen innerhalb von acht Wochen, dass chinesische Entwickler zu den US-Pionieren aufschließen oder sie in einigen Fällen übertreffen. Der entscheidende Vorteil liegt nicht nur im niedrigen Preis, sondern vor allem in der hohen Effizienz.
US-Anbieter rund hundertmal teurer als die Chinesen
Nach Benchmark-Tests des unabhängigen Bewertungsunternehmens Artificial Analysis kostet die Ausführung einer komplexen realen Arbeitslast mit DeepSeek V4 Flash lediglich 0,03 Dollar. Mit Claude Fable 5 fallen dafür 3,15 Dollar an. Wenn chinesische Anbieter Centbeträge verlangen, während US-Unternehmen Dollar berechnen, verändert sich der Wettbewerb um KI-Kunden, insbesondere in anderen Teilen der Welt.
Harter Wettbewerb zwischen China und den USA um die Vorherrschaft
“Viele Länder beobachten den Wettbewerb zwischen den USA und China und wollen sich derzeit nicht auf eine Seite schlagen, weil der Wettbewerb gerade erst beginnt”, sagte George Chen, Partner und Leiter der Digital Practice bei The Asia Group. Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch sein Amtskollege Xi Jinping haben die Führungsrolle bei KI zu einer nationalen Priorität gemacht. “Wenn Xi im September das Weiße Haus besucht, wird Xi wegen Kimi, wegen Alibaba und wegen des Modells, das sie gestern Abend veröffentlicht haben, ganz sicher das Gefühl haben, dass er, um Trumps Worte zu verwenden, mehr Karten auf der Hand hat.”
Regulierung ist ein zweischneidiges Schwert
Die schnellen Fortschritte verschärfen die technologischen Spannungen zwischen den USA und China. Nach dem Durchbruch von Moonshots Kimi hat Washington wegen Bedenken zum Schutz geistigen Eigentums mit Sanktionen gedroht.
Trump habe signalisiert, dass seine Regierung sowohl die Risiken mit Blick auf China vor Augen hat als auch die Notwendigkeit zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen für KI-Modelle wie Anthropics Fable oder die GPT-Serie von OpenAI. “Wir müssen in beide Richtungen vorsichtig sein”, sagte er Reportern am vergangenen Mittwoch im Oval Office. “Wir wollen sie nicht so stark einschränken, dass wir am Ende hinter China zurückfallen.”
DeepSeek-Todeszone
Um Entwickler zu gewinnen, müssen KI-Anbieter inzwischen entweder DeepSeek beim Preis unterbieten oder bei der Leistungsfähigkeit übertreffen. In einer viel beachteten Benchmark-Grafik von Artificial Analysis hat sich inzwischen die sogenannte DeepSeek-Todeszone herausgebildet. Wer für ein vergleichbares Produkt mehr verlangt oder zum gleichen Preis weniger Leistung bietet, hat kaum noch Chancen. Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit ist es entscheidend geworden, diese Gefahrenzone zu verlassen.
Anbieter im mittleren Marktsegment stehen deshalb unter Druck, entweder ihre Preise auf das Niveau des Start-ups aus Hangzhou zu senken oder erhebliche Summen in leistungsfähigere Modelle zu investieren. Die größeren Modelle GLM-5.2, Kimi K3 und Qwen3.8-Max liegen alle oberhalb dieser Zone in einer höheren Leistungsklasse. (aa)
Neue KI-Angebote chinesischen Ursprungs


