Logo von Institutional Money
| Märkte

KI justiert Büronachfrage neu – bevor sie wieder anzieht

In ihrem Basisszenario erwarten Cushman & Wakefield keine dauerhaft niedrigere Büronachfrage durch KI, sondern eine erneute Belebung des Marktes nach einer Phase der Effizienzsteigerung. Dauerhaft höhere Leerstände halten sie für unwahrscheinlich. Allerdings verändere sich die Nachfragestruktur.

Kevin Thorpe, Cushman & Wakefield: "Die Nachfrage nach Büroflächen wird durch KI nicht eliminiert, sondern neu geformt."
Kevin Thorpe, Cushman & Wakefield: "Die Nachfrage nach Büroflächen wird durch KI nicht eliminiert, sondern neu geformt."© Markus Mainka / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Vorübergehend gedämpfte Nachfrage mit anschließender Belebung wahrscheinlich
  • KI erhöht Nachfrage nach höherwertigen, flexiblen Flächen
  • Austauschbare Bestandsobjekte könnten stärker unter Druck geraten

Künstliche Intelligenz dürfte den Büromarkt grundlegend verändern – allerdings anders, als vielfach erwartet. Nach Einschätzung des amerikanischen Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield wird KI die Nachfrage nach Büroflächen im wahrscheinlichsten Szenario nicht dauerhaft schwächen, sondern zunächst neu justieren und anschließend wieder beleben. Zu diesem Ergebnis kommt der Immobiliendienstleister in seinem Whitepaper "AI Impact on Commercial Real Estate: The Next 10 Years".

Das Basisszenario, dem die Autoren eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 50 Prozent beimessen, geht von einer schrittweisen Einführung von KI aus. Unternehmen konzentrierten sich zunächst auf Effizienzsteigerungen und integrierten neue Technologien in ihre Prozesse. Dadurch verlangsame sich vorübergehend die Einstellungsdynamik und damit die Büronachfrage. Langfristig dürften jedoch höhere Produktivität, steigende Unternehmensgewinne und neue Unternehmensgründungen die Nachfrage nach Büroflächen wieder beleben.

"Die Nachfrage nach Büroflächen wird durch KI nicht eliminiert, sondern neu geformt", schreibt Kevin Thorpe, Chief Economist und Head of Global Research bei Cushman & Wakefield. Entscheidend sei künftig weniger, ob die Nachfrage wachse, sondern wo. KI erhöhe die Nachfrage nach hochwertigen, flexiblen Flächen in führenden Talentmärkten, während austauschbare Bestandsobjekte stärker unter Druck gerieten.

Alternative Entwicklungspfade
Neben dem Basisszenario entwirft Cushman & Wakefield drei weitere Szenarien. Im Wachstums- und Produktivitätsszenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent führen eine schnelle KI-Durchdringung und die Reinvestition der Produktivitätsgewinne zu kräftigem Wirtschaftswachstum. Davon würden neben Büroimmobilien auch Logistik-, Einzelhandels- und Wohnimmobilien profitieren.

Ein mit 25 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit bewertetes Szenario orientiert sich an der Dotcom-Ära. Überinvestitionen könnten zunächst zu einer Marktbereinigung und einer vorübergehend schwächeren Flächennachfrage führen.

Mit fünf Prozent am wenigsten wahrscheinlich stufen die Autoren ein Szenario ein, in dem KI menschliche Arbeitskräfte schneller ersetzt als neue Beschäftigung entsteht. Dann wären dauerhaft höhere Büroleerstände die Folge.

"Unsere Analysen deuten darauf hin, dass KI die Wirtschaft eher ausweitet als schrumpfen lässt. Die entscheidende Frage für den Immobilienmarkt ist daher nicht, ob Nachfrage verschwindet, sondern wie sie sich über Märkte, Nutzungsarten und Qualitätssegmente neu verteilt", so Thorpe. Für Immobilieninvestoren dürfte damit weniger die absolute Flächennachfrage entscheidend sein als die Fähigkeit einzelner Standorte und Gebäude, von den Veränderungen zu profitieren. (dv)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion