KI-Goldrausch: Verdienen am Ende vor allem die "Schaufelverkäufer"?
Die Schlagzeilen gehören OpenAI, Anthropic und Co. Die nachhaltigsten Profiteure des KI-Booms könnten jedoch woanders sitzen. William Blair sieht vor allem Anbieter von Halbleitern, Infrastruktur und Rechenzentren in einer aussichtsreichen Position.

Eckpunkte:
- Gewinner bei Sprachmodellen schwer zu prognostizieren
- Infrastruktur verlässlichster langfristiger Wertschöpfer
- Geografische Arbitrage bei Tech-Dienstleistungen funktioniert nicht mehr
Wer verdient am meisten am KI-Boom? Laut William Blair Investment Management könnten das langfristig weniger die Entwickler großer Sprachmodelle und KI-Anwendungen als die Unternehmen sein, die die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellen.
Während des kalifornischen Goldrauschs wurden oft nicht die Goldsucher reich, sondern diejenigen, die Spitzhacken, Schaufeln und Ausrüstung verkauften. "Die eigentlichen Goldsucher gingen häufig pleite oder fanden nur wenig Gold", sagt Jay Kannan, Research Analyst im globalen Aktienteam von William Blair Investment Management, in einem Podcast. Eine ähnliche Dynamik sieht er heute im Markt für künstliche Intelligenz. Die eigentliche Wertschöpfung könnte zunehmend bei Herstellern von Halbleitern, Produktionsanlagen und technischer Infrastruktur anfallen.
Markt wird kapitalintensiver
Nach Einschätzung des Asset Managers verändert KI die Struktur des Technologiesektors grundlegend. „Die Cloud ist auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt“, so Kannan. Während in den vergangenen Jahren Software und digitale Plattformen die Wachstumsgeschichte geprägt hätten, werde Technologie heute wieder deutlich kapitalintensiver. Im Mittelpunkt stünden Rechenzentren, Stromversorgung, Chipfertigung und komplexe Lieferketten.
Treiber dieser Entwicklung ist die stark steigende Nachfrage nach Rechenleistung. Die Engpässe hätten sich in den vergangenen Jahren von Grafikprozessoren und Speicherchips zunehmend auf vorgelagerte Bereiche wie Trägermaterialien, Glas, Kupfer sowie Energieversorgung und Netzanschlüsse verlagert. Gleichzeitig erschwerten lange Vorlaufzeiten beim Ausbau von Infrastruktur eine schnelle Ausweitung des Angebots.
Während sich die Gewinner unter den Anbietern von KI-Modellen und Anwendungen nur schwer vorhersagen ließen, erscheine die Nachfrage nach Infrastruktur deutlich besser kalkulierbar. Infrastruktur sei der „verlässlichste langfristige Wertschöpfer“ innerhalb des KI-Ökosystems.
Kritischer blickt Kannan auf Teile des IT-Dienstleistungssektors. Geschäftsmodelle, die auf globaler Lohnkostenarbitrage beruhen, könnten durch leistungsfähige Sprachmodelle unter Druck geraten. Große Sprachmodelle hätten dieses Modell „vollständig aufgebrochen“. Für betroffene Anbieter sei dies „kein zyklisches Problem, sondern ein existenzielles“. (dv)


