KI braucht Burggräben – und Steinbrüche
William Blair sieht die dauerhaftesten Profiteure des KI-Investitionszyklus dort, wo Unternehmen über schwer kopierbare Wettbewerbsvorteile verfügen – von Kühltechnik und Strominfrastruktur bis hin zu genehmigten Steinbrüchen.

Eckpunkte
- William Blair sieht Hauptpotenziale in Engpasssegmenten
- Asset Manager rückt Wettbewerbsvorteile in den Fokus
- Kühlung, Energie und Bau gelten als strukturelle KI-Profiteure
Der Ausbau der Künstlichen Intelligenz schafft Opportunitäten auch in nicht unmittelbar naheliegenden Segmenten. Die Anlagechance gehe "weit über die Hyperscaler selbst hinaus", sagt Aaron Socker, Portfoliospezialist im U.S.-Growth- und Core-Equity-Team von William Blair Investment Management. Jede Stufe der KI-Lieferkette verfüge über "überzeugende Wachstumstreiber" und Unternehmen, die von einer "dauerhaften, strukturellen Nachfrage profitieren können".
Treiber bleibt der massive Ausbau der KI-Infrastruktur. Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle könnten laut William Blair im Jahr 2026 gemeinsam nahezu 700 Milliarden US-Dollar investieren. Das Kapital fließe jedoch nicht nur in Halbleiter, sondern ebenso in Stromnetze, Kühlung, Netzwerktechnik und den Bau neuer Rechenzentren.
Kühlung und Strom werden zum Flaschenhals
Besonders großes Potenzial sieht William Blair dort, wo der Ausbau von Rechenzentren an physische Grenzen stößt. Moderne KI-Server erzeugen enorme Wärmemengen und benötigen immer mehr elektrische Leistung. Hersteller von Transformatoren, Schaltanlagen und Stromverteilungssystemen könnten ebenso profitieren wie Anbieter von Flüssigkeitskühlung oder Industriegasen für die Halbleiterfertigung. Die Wärmedichte moderner KI-Rechencluster bringe "traditionelle luftgekühlte Rechenzentrumsdesigns an ihre physischen Grenzen", heißt es in der Analyse. Flüssigkeitskühlung entwickle sich deshalb "von einer Nischenlösung zu einer zentralen Anforderung".
Auch spezialisierte Bauunternehmen rücken stärker in den Fokus. Der Bau moderner Rechenzentren erfordert Know-how bei Stromversorgung, Kühltechnik und Standortentwicklung. Unternehmen mit engen Kundenbeziehungen zu Hyperscalern könnten dadurch über Jahre gut gefüllte Auftragsbücher aufbauen.
Burggräben entscheiden über die Gewinner
Für die Aktienauswahl empfiehlt William Blair, auf Unternehmen mit dauerhaft verteidigbaren Marktpositionen zu setzen. Als Beispiele nennt der Asset Manager proprietäre Technologien, langfristige Lieferverträge, hohe Wechselkosten und regulatorische Eintrittsbarrieren.
Ein nicht naheliegendes Beispiel liefert die Studie selbst: genehmigte Steinbrüche. Anbieter von Zuschlagstoffen profitierten davon, dass es "nahezu unmöglich" sei, neue Steinbrüche in der Nähe wachstumsstarker Rechenzentrumskorridore genehmigen zu lassen. Schotter könne wirtschaftlich nur über kurze Distanzen transportiert werden. Ein bestehender genehmigter Steinbruch in einem Markt mit begrenztem Angebot stelle daher einen dauerhaften standortspezifischen Vorteil dar, den kein neuer Anbieter unabhängig vom verfügbaren Kapital replizieren kann.
Neben solchen "Burggräben" verweist William Blair auf Risiken. Dazu zählen eine mögliche Abschwächung der Investitionen der Hyperscaler, technologische Umbrüche und geopolitische Spannungen in der Halbleiterindustrie. Für Investoren spreche dies für eine breite Diversifikation entlang der gesamten KI-Lieferkette statt einer Konzentration auf wenige prominente Technologiewerte. (dv)