KfW: Fachkräftemangel sinkt vor allem wegen der Konjunkturflaute
Der Fachkräftemangel in Deutschland hat deutlich nachgelassen. Laut KfW melden nur noch 21 Prozent der Unternehmen Personalengpässe. Die Entspannung ist jedoch vor allem Folge der schwachen Konjunktur – und könnte sich bei einer wirtschaftlichen Erholung rasch umkehren.

Eckpunkte:
- Anteil betroffener Unternehmen seit 2022 mehr als halbiert
- Bauwirtschaft und Dienstleister leiden weiterhin unter Engpässen
- Strukturelles Angebot an Fachkräften kaum verbessert
Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 Prozent der Unternehmen Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit aufgrund fehlender Fachkräfte. Auf dem Höhepunkt der Personalengpässe im Jahr 2022 waren es noch mehr als doppelt so viele.
Nach Einschätzung der KfW ist die Entwicklung allerdings weniger auf eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt als vielmehr auf die anhaltende Konjunkturschwäche zurückzuführen. Vor allem in der Industrie, die unter schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerbsdruck leidet, hat der Personalbedarf spürbar nachgelassen. Dort berichten inzwischen nur noch 14 Prozent der Unternehmen von Fachkräfteengpässen, nach 44,5 Prozent im dritten Quartal 2022.
„Der Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen hat etwas nachgelassen. Leider ist das allerdings vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurückzuführen“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher. Die Unternehmen stellen weniger ein, wodurch der Fachkräftemangel zurückgeht, obwohl sich das strukturelle Angebot an Fachkräften kaum verbessert hat.
Dienstleister und Bauwirtschaft bleiben unter Druck
Deutlich angespannter bleibt die Lage in vielen Dienstleistungsbranchen. Dort sehen sich 25 Prozent der Unternehmen mit Fachkräftemangel konfrontiert. Besonders betroffen sind unter anderem Rechts- und Steuerberater, Verkehrsunternehmen, Gastronomiebetriebe sowie Architektur- und Ingenieurbüros.
Auch im Bauhauptgewerbe bleibt der Fachkräftemangel ausgeprägt. Knapp ein Drittel der Betriebe meldet Einschränkungen durch fehlendes Personal. Stabilisierend wirken hier laut KfW insbesondere öffentliche Investitionen in Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur.
„Anders sieht es dort aus, wo die Nachfrage nach Leistungen trotz Flaute hoch bleibt oder sogar wächst“, heißt es in der Analyse. Entsprechend hoch bleiben die Personalengpässe in einzelnen Dienstleistungsbereichen und im Baugewerbe.
Mittelständler stärker betroffen
Besonders stark trifft der Fachkräftemangel weiterhin kleine und mittlere Unternehmen. Im April 2026 meldeten 22 Prozent der Mittelständler Beeinträchtigungen durch fehlende Fachkräfte, während der Anteil bei Großunternehmen bei 19,3 Prozent lag. Im Verarbeitenden Gewerbe fällt der Unterschied noch deutlicher aus.
Als Grund nennt die KfW die oftmals geringeren Möglichkeiten mittelständischer Unternehmen, im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte mit Großunternehmen mitzuhalten.
Mit Blick auf die kommenden Jahre sieht Schumacher trotz der aktuellen Entspannung keinen Anlass zur Entwarnung: „Der Fachkräftemangel wird voraussichtlich wieder anziehen, wenn die konjunkturelle Lage sich bessert.“ Um den Arbeitsmarkt langfristig zu entlasten, seien mehr Weiterbildung, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie eine stärkere Fachkräfteeinwanderung notwendig. (dv)