Kettenreaktionen
In nur einer Woche kamen mit Polen und Katar zwei neue Krisenherde zu den bestehenden hinzu, während gleichzeitig mehrere Länder politisches Top-Personal verloren und die Staatsverschuldung weltweit immer weiter steigt – ohne Aussicht auf Änderung, auch nicht beim aktuellen Sorgenkind Frankreich.

"Die Märkte verhalten sich bislang ruhig, doch Kipppunkte, die im Voraus schlecht festzumachen sind, könnten das unter Umständen schnell ändern," warnt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Fed wird wohl Leitzins um 25 Basispunkte senken
Die Veröffentlichung des US-Verbraucherpreisindexes in dieser Woche hat die Erwartungen bestätigt, dass die US-Notenbank bei ihrer bevorstehenden FOMC-Sitzung im September die Zinsen senken wird. Auch wenn einige eine Senkung um 50 Basispunkte fordern, dürfte sich die Mehrheit innerhalb der Fed für eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte aussprechen. Damit würde der Leitzins bei knapp über vier Prozent landen, mit der Aussicht auf weitere Zinsschritte in den folgenden Sitzungen. "Grundsätzlich geht man von mehreren Anpassungen innerhalb eines Zyklus aus, sobald Zentralbanken mit Zinssenkungen beginnen. Deshalb wird der Markt im Übergang ins Jahr 2026 aufmerksam alle Anzeichen verfolgen, die Hinweise auf die Ziele der Notenbank geben", sagt Mark Dowding.
Schwacher Arbeitsmarkt
Was die Schwäche des Arbeitsmarktes angeht, so wurde die Korrektur der vergangenen Schätzungen zu den Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft um insgesamt 911.000 Arbeitnehmer angesichts früherer Kommentare der Behörde für Arbeitsmarktstatistik von den Märkten weitgehend erwartet. Allerdings war das schwächere Bild in Bezug auf die Beschäftigung ausschlaggebend dafür, dass die Fed ihre Haltung geändert hat.
Angesichts des starken Rückgangs von Einwanderungen und rückläufiger Zahlen für ausländische Arbeitnehmer liegt der Break-Even für ein stabiles Arbeitslosigkeitsniveau niedriger als in der Vergangenheit, als das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften noch schneller wuchs. In diesem Zusammenhang mögen monatliche Beschäftigungszahlen von rund 70.000 neuen Arbeitsplätzen recht normal erscheinen, auch wenn die Gesamtzahl im Vergleich zu den historischen Erfahrungen eher schwach ausfällt.
Frankreich
In Frankreich hat Präsident Macron Sébastien Lecornu als neuen Premierminister eingesetzt, um den abgesetzten Bayrou zu ersetzen. Ein Haushalt, der Brüssel zufriedenstellt, wird allerdings weiterhin eine Herausforderung bleiben. Das Bemühen um Kompromisse dürfte Haushaltskürzungen im großen Stil verhindern. So dürfte das Defizit die bisherigen Ziele überschreiten und weiteren Druck auf die französische Staatsverschuldung ausüben. OATs könnten einen Teil ihrer jüngsten Verluste wieder wettmachen, aber Mark Dowding und seine Kollegen von RBC Blue Bay AM glauben, dass es eine Grenze dafür gibt, wie weit sich der Spread erholen kann. "Im Vergleich zu anderen Ländern wie Italien, dessen Bevölkerung seit langem gelernt hat, dass sich das Land kein Leben über seine Verhältnisse leisten kann, scheint die französische Gesellschaft sich hartnäckig gegen diese Einsicht zu wehren. Die Bonität Frankreichs dürften sich mittelfristig weiter verschlechtern."
UK: Vizepremier Angela Rayner zurückgetreten
Unterdessen trat in Großbritannien die stellvertretende Premierministerin zurück, nachdem bekannt wurde, dass sie zu wenig Steuern gezahlt hatte. Angela Rayners Rücktritt hat die Wahrscheinlichkeit, dass Premierminister Starmer selbst in naher Zukunft zurücktreten muss, gesenkt – doch mittelfristig könnte die Situation für ihn noch weniger kontrollierbar werden. In Kombination mit einem erneuten Streik der Londoner U-Bahn-Mitarbeiter verfestigt sich das Bild eines wirtschaftlich und politisch angeschlagenen Landes, was die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern belastet – mit entsprechenden Auswirkungen auf britische Vermögenswerte und das Pfund.
Ausblick
Bilder von koreanischen Staatsangehörigen, die bei Hyundai in den USA beschäftigt sind und letzte Woche verhaftet und in Ketten gelegt wurden, könnten bei Trumps Wählern gut ankommen. Allerdings handelt es sich um Fachkräfte, die am Bau neuer Werke in den USA beteiligt sind, die eigentlich mehr Arbeitsplätze ins Land bringen sollen. Dieser Ansatz könnte also Investitionen aus dem Ausland verlangsamen oder abschrecken.
Ausländische Firmen werden sich die Entsendung ihrer Mitarbeiter gut überlegen
In Kombination mit dem Rückstand bei der Bearbeitung von Visaanträgen besteht ein Risiko für die USA. Denn der heimische Arbeitskräftepool wird frühestens in ein paar Jahren in der Lage sein, zumindest einige der bestehenden Qualifikationslücken in spezialisierten Bereichen zu schließen.
Politische Veränderungen und Umbrüche können Kettenreaktionen auslösen
Dowding dazu: "In nur einer Woche sind weltweit zwei Premierminister zurückgetreten, dazu eine stellvertretende Premierministerin und ein Botschafter im Vereinigten Königreich. Viele Länder scheinen Schwierigkeiten zu haben, ihre Bevölkerung in Zeiten ständig steigender Staatsverschuldung zufrieden zu stellen." (kb)