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Keine Anzeichen für eine Pleitewelle in den USA

Die Zahlungsausfälle in den USA waren während der gesamten Pandemie überraschend niedrig. Das dürfte sich in absehbarer Zeit nicht ändern, meinen die Experten der DWS Group in einem aktuellen Kommentar.

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Zombifizierung von Teilen der Wirtschaft ist nicht ausgeschlossen.
© Fotolia

Es ist eine der ältesten Faustregeln in der Wirtschaftsprognose: bei wirtschaftlichen Abschwüngen nehmen Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu. Man kennt das Thema bereits aus der Literatur des viktorianischen Englands, noch lange bevor Ökonomen viel über Konjunkturzyklen zu sagen hatten. Was sollten Anleger also von den überraschend niedrigen US-Zahlungsausfällen während der Pandemie halten?

Überraschend wenige US-Insolvenzen

Quellen: U.S. Federal Reserve, Administrative Office of U.S. Courts, Bloomberg, DWS Investment GmbH; Stand: 01.09.2021

Unsichtbarer Corona-Schock dank fiskalischer und monetärer Anreize
Covid-19 versetzte sowohl den USA als auch der Weltwirtschaft den wohl heftigsten Schock seit Beginn der Sammlung zuverlässiger Daten. Nicht, dass man das an den US-Insolvenzstatistiken erkennen könnte, wie der Chart der DWS zeigt. Die Zahl Unternehmen, die nach Chapter 11 ein Insolvenzverfahren anstrebten, blieb verhalten, ebenso wie die allgemeinen Ausfallquoten (die hauptsächlich auf den Ausfall von Krediten an private Haushalte zurückzuführen sind). Für Haushalte sind die Erklärungen einfach. Schließlich war die Covid-Rezession nicht nur im Hinblick auf einen starken, aber sehr kurzen, Abschwung ungewöhnlich, gefolgt von einer ebenso schnellen Erholung. Letzteres wurde durch beispiellose fiskalische und monetäre Anreize, einschließlich Direktzahlungen an die Haushalte, ermöglicht.

Beunruhigungspotential dennoch - wegen Zombiefizierung - vorhanden
Die geringe Zahl an Insolvenzanmeldungen von Unternehmen ist überraschender und potenziell beunruhigend. Zu Beginn der Pandemie gab es weit verbreitete und nicht ganz unberechtigte Befürchtungen, dass wahllose Rettungen eine wirtschaftliche „Zombiefizierung“  riskieren könnten.

Schumpeters kreative Zerstörung ausgebremst
Kreative Zerstörung ist schmerzhaft, aber ein wesentlicher Bestandteil von Anpassungen in Marktwirtschaften. Unternehmen, die als wandelnde Tote überleben, können Produktivität und Wachstum dämpfen. Es gibt jedoch auch zahlreiche Beispiele, bei denen sich Durchhaltevermögen nachhaltig für Länder wie für Firmen ausgezahlt hat. Zum Beispiel gelang es japanischen Chipherstellern ab Mitte der 70er Jahre schließlich, die Dominanz der USA bei Speicherchips zu brechen. Ihr Geheimnis? Aufrechterhaltung ihrer Belegschaft und Produktionskapazität während der Rezession, die auf den ersten Ölschock folgte – was im deutlichen Gegensatz zu den meisten US-Halbleiterfirmen stand.  Jüngere Beispiele sind die europäischen Kurzarbeitsregelungen während der Finanzkrise um 2009. Insgesamt erwarten die  Experten der DWS Group für US-Hochzinsanleihen in den nächsten zwölf Monaten lediglich eine Ausfallrate von 1,5 Prozent. Angesichts der engen Spreads werde man jedoch die Statistiken weiter genau im Auge behalten, heißt es in einer aktuelllen Aussendung. (kb)

 

1 Umgangssprachlicher Ausdruck dafür, Unternehmen am Leben zu erhalten, die unter normalen Umständen bereits unfähig wären, ihre Geschäfte fortzuführen

2 Reid, T. (1986), The chip: how two Americans invented the microchip and launched a revolution, Touchstone, p. 222

 

 

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