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Kathrein über heiß gelaufene Aktien und besonnene Entscheidungen

Florian König, Portfoliomanager bei der Kathrein Bank, rekapituliert die jüngsten Entwicklungen bei Technologieaktien mit Schwerpunkt Südkorea und verrät, wie man als Profianleger mit den hohen Volatilitäten richtig umgeht.

Florian König, Kathrein Bank: "Aktuell bewegt sich der globale Aktienmarkt zwischen Zuversicht und Skepsis hinsichtlich der weiteren Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz."
Florian König, Kathrein Bank: "Aktuell bewegt sich der globale Aktienmarkt zwischen Zuversicht und Skepsis hinsichtlich der weiteren Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz."© Kathrein Capital Management

Eckpunkte:

  • Aktien mit Bezug zu KI freuen sich starker Kurszuwächse - auch wenn zwischendurch starke Kurskorrekturen eintreten
  • Vor allem in Korea stiegen Chip-Aktien extrem stark an
  • Zwischenzeitliche Korrekturen ließen die Volatilitäten auf Rekord-Niveaus ansteigen
  • Vor diesem Hintergrund sind besonnene Investments ratsam, die sich im Gesamtportfoliokontext bewähren

An den Aktienmärkten ist keine Spur von einem Sommerloch erkennbar. Die Marktentwicklung wird weiterhin von einer regelmäßigen Rotation zwischen Chip-Produzenten und Software-as-a-Service-Unternehmen geprägt, hinzu kommt die Situation im Nahen Osten. Nicht zuletzt befindet sich der südkoreanische Aktienmarkt (KOSPI-Index), der im vergangenen Jahr der erfolgreichste war, in einer - gelinde ausgedrückt - äußerst volatilen Phase. Wie könnte man als Anleger damit umgehen? Dieser Frage geht Florian König, Portfoliomanager bei der Kathrein Bank, in einem aktuellen Marktkommentar nach.

Starker Anstieg, scharfe Korrektur
Getrieben vom KI- und Halbleiterzyklus erreichte der KOSPI-Index im Jahresverlauf ein Plus von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Jahresanfangsniveau, bevor er vom Hoch deutlich korrigierte. "Die zuletzt beobachtete Volatilität am südkoreanischen Aktienmarkt erreichte zeitweise Niveaus, die mit historischen Stressphasen wie der globalen Finanzkrise, der Dotcom-Blase oder der Asienkrise 1997 vergleichbar sind. Betrachtet man die Entwicklung anhand einer Volatilitätskennzahl – konkret der annualisierten rollierenden 90-Tage-Volatilität des KOSPI-Index – zeigt sich eindrucksvoll, wie außergewöhnlich die aktuelle Marktphase in Südkorea im historischen Kontext einzuordnen ist", merkt König an und verweist dabei auf nachfolgende Grafik:

Historische Volatilität verschiedener Aktieninidizes

Heterogene Entwicklung
König hebt positiv hervor, dass die Bewegung bislang keine breiten globalen Verwerfungen ausgelöst habe. Aktuell bewegt sich der globale Aktienmarkt zwischen Zuversicht und Skepsis hinsichtlich der weiteren Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz. Dies hinderte ausgewählte globale Leitindizes bislang nicht daran, nach neuerlichen Allzeithochs zu streben. Ein Blick in die Tiefe zeige allerdings, wie heterogen sich das heurige Aktienjahr präsentiert.

Des einen Freud, des anderen Leid
Die massiven Kapitalströme in den Halbleitersektor tragen nach Beobachtung von König Züge einer narrativgetriebenen Momentum-Rally: Hohe Wachstumserwartungen ziehen Kapital an, steigende Kurse bestätigten wiederum das Markt-Narrativ. "Wenn in bestimmten Wirtschaftsbereichen dauerhaft enormes Wachstum erwartet wird und gleichzeitig eine massive Kapitalreallokation in ebendiese Bereiche stattfindet, stiegen in der Regel auch die Aktienkurse der exponierten Unternehmen", merkt König an.

Während „Hyperscaler“ (die großen US-Techunternehmen) immense Summen in den Ausbau von Rechenzentren und technologische Infrastruktur investierten, profitierten „Pick-and-Shovel“-Unternehmen - in diesem Fall Hersteller von Rechen- und Speicherchips - von starkem Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Wachstum.

"Vereinzelt mussten Unternehmen jedoch bereits schmerzhafte Aktienkursverluste hinnehmen, nachdem hohe Investitionen den Free Cashflow belasteten oder sich keine deutliche Verbesserung der Cloud-Umsätze abzeichnete. Andere wiederum scheinen sich gut auf Kurs zu befinden, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen", räumt König ein.

Starke Kursbewegungen erhöhen den Stress
Wer früh investiert gewesen ist, sitzt aktuell auf enormen Zugewinnen. Das jüngste Marktumfeld hat jedoch vereinzelt selbst Hedgefonds in die Bredouille gebracht. Manche Marktsegmente erscheinen mittlerweile stark überlaufen. Die Rückkehr der Volatilität ließ somit manche Kapitalgewinne rasch zu Asche werden, nachdem viele Investoren ihre Positionen - teils auch gezwungenermaßen - liquidieren mussten. Geschieht dies gleichzeitig, führt dies zu Stress.

Long-Short-Strategien können in solchen Phasen besonders anfällig werden, wenn die Kurse gut gelaufener Long-Positionen fallen und die Kurse von Short-Positionen gleichzeitig kräftig steigen.

Das Ausmaß an Leverage verschärft die Situation König zufolge zusätzlich: Durch die Aufnahme von Fremdkapital wurde stellenweise versucht, die Partizipation an den Aktienmärkten zu maximieren - von Privatanlegern bis hin zu Hedgefonds-Schwergewichten. Je nach Ausmaß kann dies rasch zum Verhängnis werden. "Bereits Kursrückgänge von zehn Prozent könnten bei 2x- oder 4x-Leverage erhebliche Verluste auslösen und – je nach Liquiditätslage und Margin-Anforderungen – zu erzwungenen Positionsauflösungen führen", merkt König an.

Mit ruhiger Hand durch die schwankenden Märkte navigieren
Sowohl Tech-Giganten als auch südkoreanische Unternehmen finden Berücksichtigung in der Kathrein Investmentstrategie – jedoch mit Maß und Ziel. Es gilt laut König stets, Klumpenrisiken zu vermeiden und Diversifikation in den Vordergrund zu stellen. Ein selektives Vorgehen rundet die Positionierung ab.

Die jüngste Entwicklung am südkoreanischen Aktienmarkt sollte man weniger als isoliertes Länderereignis verstehen, sondern als Ausdruck der starken Konzentration auf den globalen KI- und Halbleiterzyklus. Die Marktbewegung wird durch fundamentale Faktoren wie steigende Nachfrage nach Speicherchips und KI-Infrastruktur unterstützt, und zugleich durch Momentum und ausgeprägte Kapitalflüsse verstärkt. Gerade diese Mischung aus realem Wachstum, hohen Erwartungen und zunehmender Marktkonzentration macht die aktuelle Phase außergewöhnlich – und verlange nach diszipliniertem Risikomanagement.

"Halbleiterunternehmen räumen wir in allen unseren Strategien einen angemessenen Stellenwert ein. Gleichzeitig sehen wir auch innerhalb des Software-as-a-Service-Bereichs Opportunitäten, da ausgewählte Unternehmen nach den jüngsten Kursrückgängen wieder attraktivere Bewertungsniveaus erreicht haben", erklärt König.

"Am Ende des Tages zählt der Mix: Beide Sparten sollten in einem gut diversifizierten Portfolio ausreichend Aufmerksamkeit erhalten – jedoch nicht geblendet von vergangenen Kursbewegungen, sondern auf Basis besonnener Entscheidungen, die sich im Gesamtportfoliokontext bewähren", betont König abschließend. (aa)

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