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Kathrein: Lang verdrängtes Thema beschäftigt nun die Investoren

Die jüngsten Entwicklungen am US-Rentenmarkt und eine Ankündigung aus Washington haben viele Marktteilnehmer aufgerüttelt und sorgen dafür, dass die Verschuldungssituation der USA immer genauer beobachtet wird. Die Diskussionen darüber haben laut Kathreins Harald Besser erst begonnen.

Harald Besser, Senior Fund Manager bei der Kathrein Bank: "In den vergangenen Wochen rückte ein Thema wieder ins Zentrum der Finanzmärkte, das lange Zeit verdrängt wurde: die Tragfähigkeit der US-Staatsverschuldung." 
Harald Besser, Senior Fund Manager bei der Kathrein Bank: "In den vergangenen Wochen rückte ein Thema wieder ins Zentrum der Finanzmärkte, das lange Zeit verdrängt wurde: die Tragfähigkeit der US-Staatsverschuldung." © Kathrein

Eckpunkte:

  • Die jüngste Ankündigung von Markteingriffen seitens der US-Regierung rüttelte viele Marktteilnehmer auf
  • Investoren schauen nun genauer hin, ob sich die USA die hohen Schulden leisten kann und fordern zur Abgeltung höherer Risiken höhere Renditen
  • Die mittlerweile hohen Renditen finden manche Investoren mittlerweile interessant
  • Andere Investoren sind pessimistischer gestimmt
  • Im Ergebnis werden die Diskussionen über die US-Schulden noch länger die Börsen beschäftigen

Überraschende Ankündigung
Vor dem Hintergrund explodierender US-Staatsschulden und mittlerweile gestiegener Renditen von 30-Jährigen US-Treasuries in Höhe von rund 5,30 Prozent überraschte vor wenigen Tagen das US-Finanzministerium mit einer kurzfristigen Ausweitung seines Rückkaufprogramms für langlaufende Staatsanleihen. "Rein technisch handelt es sich dabei weder um ein neues Gelddrucken der Federal Reserve noch um eine Neuauflage des Quantitative Easing. Das Volumen ist gemessen am gesamten Anleihemarkt sogar eher überschaubar. Die Rückkäufe sind deutlich kleiner als die gleichzeitig stattfindenden Neuemissionen", schreibt Harald Besser, Senior Fund Manager bei der Kathrein Bank, in einem aktuellen Marktkommentar.

In einer ersten Reaktion reagierte der Markt relativ stark. Die Renditen langer Laufzeiten fielen innerhalb eines Tages deutlich, Aktien legten zu, Gold stieg, Bitcoin gewann an Wert, und der US-Dollar geriet unter Druck. Warum? "Weil Anleger weniger auf die Größe der Maßnahme achteten als auf die Botschaft dahinter", erklärt Besser.

Viele Marktteilnehmer interpretierten laut Besser die Entscheidung als Zeichen, dass Washington die stark gestiegenen Langfristzinsen nicht ignorieren könne. Wenn die Renditen zu stark steigen, verteuert sich die Finanzierung der ohnehin hohen Staatsverschuldung zusätzlich. "Die Ankündigung wurde deshalb als eine Art informelles Signal verstanden, dass die Regierung ein Auge auf die Entwicklung der langfristigen Finanzierungskosten habe."

Am falschen Fuß erwischt
Hinzu kam laut Besser ein zweiter Faktor: Der Markt für langlaufende US-Staatsanleihen war kurzfristig extrem negativ positioniert. Nach dem starken Renditeanstieg waren viele Investoren auf weiter fallende Anleihekurse eingestellt. Das Rückkaufsignal löste deshalb einen klassischen "Entlastungs-Trade" aus. Anleger deckten Short-Positionen ein, wodurch die Kurse zusätzlich stiegen und die Renditen entsprechend fielen. "Ein Teil der Rally war daher weniger Ausdruck eines fundamentalen Sinneswandels als vielmehr die Korrektur eines zuvor überverkauften Marktes", merkt Besser an.

Langfristige Lösung erforderlich
Besser zufolge liegt hier allerdings der entscheidende Unterschied zwischen kurzfristiger Entspannung und langfristiger Lösung:

Die Rückkäufe verändern nichts an den grundlegenden Herausforderungen. Die USA müssen weiterhin enorme Defizite finanzieren und die Staatsverschuldung steigt weiter.

Gleichzeitig nimmt die Zahl natürlicher Käufer von US-Staatsanleihen langfristig eher ab als zu. Die strukturelle Angebotsflut am Treasury-Markt bleibt bestehen.

Deshalb gehen die Meinungen der Experten weit auseinander, merkt Besser an: "Die Skeptiker argumentieren, dass die Maßnahme lediglich Symptome bekämpfe. Die eigentliche Ursache, nämlich die ausufernde Verschuldung, bleibe unangetastet. Die optimistischere Sichtweise lautet dagegen, dass Anleihen inzwischen Renditen bieten, die historisch wieder attraktiv seien. Zudem habe sich das Wirtschaftswachstum bereits verlangsamt, und die Inflation liege deutlich unter den Spitzenwerten der vergangenen Jahre. Für diese Gruppe von Anlegern könnten Renditen oberhalb von 5,0 Prozent bereits viele schlechte Nachrichten eingepreist haben."

Auswirkungen auf Aktien, Gold und Kryptowährungen
Für andere Anlageklassen sind die Ereignisse Besser zufolge ebenfalls relevant. Gold profitierte, weil einige Investoren die Entwicklung als weiteres Zeichen für die zunehmende Belastung des amerikanischen Staatshaushalts sehen. Der schwächere US-Dollar unterstützte den Goldpreis zusätzlich.

Auch Bitcoin erhielt Auftrieb, da ein Teil der Anleger nach Alternativen zu klassischen Staatswährungen suche.

Aktien wiederum reagierten positiv, weil sinkende Langfristzinsen die Unternehmensfinanzierung erleichtern und die Bewertungsmodelle entlasten.

Aktives Management gefragt
"Das eigentliche Fazit für langfristige Anleger ist deshalb weniger die Rückkaufankündigung selbst, sondern das Signal, das der Markt ausgesendet hat. Erstmals seit vielen Jahren werde die Finanzierung der US-Staatsschulden wieder zu einem eigenständigen Thema für die Kapitalmärkte. Die heftige Reaktion auf eine vergleichsweise kleine Maßnahme zeige, wie sensibel Investoren inzwischen auf Entwicklungen rund um die amerikanische Verschuldung reagierten", merkt Besser an. Ob sich die jüngste Erholung bei langlaufenden Anleihen fortsetzt, lässt sich Besser zufolge aus der bisherigen Entwicklung nicht verlässlich ableiten.

Das große Bild bleibt laut Besser jedoch unverändert: Solange Defizite und Schulden weiter steigen, wird das Vertrauen der Anleger in die langfristige Stabilität der US-Staatsfinanzen ein zentrales Thema der kommenden Jahre bleiben. Genau deshalb dürfte die Diskussion über Treasury-Renditen, Staatsverschuldung und die Rolle des US-Dollars gerade erst begonnen haben. Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte seien mannigfaltig.

"Themen wie diese beobachten wir laufend und bewerten deren Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Mit unserer aktiv gesteuerten Kathrein Anleihenstrategie können wir die Portfolios flexibel an neue Marktgegebenheiten anpassen und so Chancen nutzen, ohne dabei die weiterhin bestehenden Risiken aus dem Blick zu verlieren", erklärt der Kathrein-Mann abschließend. (aa)

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