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Katastrophale Zahlen: Die Enttäuschungen und die Risiken nehmen zu

Während die breiten Aktienmärkte in der Nähe ihrer Höchststände notieren und die Investoren in Urlaubsstimmung sind, werden hinter der schönen Kulisse die „Risse“ respektive die negativen Nachrichten aus der Realwirtschaft immer bedrohlicher, warnt Bantleon-Chefvolkswirt Dr. Daniel Hartmann.

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Dr. Daniel Hartmann, Bantleon: "Es handelt sich dieses Mal immerhin um das drittgrößte Minus seit der Rezession von 2008/2009".
© Bantleon

Investoren sollten sich von der guten Stimmung bei vielen Aktien nicht einlullen lassen. Denn die konjunkturelle Entwicklung trübt sich ein und könnte damit die Kurse von Risikopapieren unter Druck bringen. Wie Bantleons Chefvolkswirt, Dr. Daniel Hartmann, in einer aktuellen Einschätzung schreibt, reißt die Serie der Enttäuschung in der deutschen Industrie nicht ab. „Besonders hohe Wellen schlug die jüngste Nachricht, wonach der Auftragseingang der Industrie im Juni um 4,0 Prozent gegenüber Mai eingebrochen ist“, erklärt Hartmann. Zur Veranschaulichung, warum diese Zahl besorgniserregend ist: Der Konsensus hatte lediglich ein kleines Minus erwartet (-0,5%, Bantleon: -1,0%).

Drittgrößtes Minus seit 2008/09 und es geht weiter bergab
Wie Hartmann einräumt, sei die Interpretation der volatilen Orderdaten generell mit Vorsicht zu genießen. Starke Ausschläge in die eine oder andere Richtung seien keine Seltenheit (die durchschnittliche monatliche Schwankung liegt bei ±2,0%). „Dessen ungeachtet handelt es sich dieses Mal immerhin um das drittgrößte Minus seit der Rezession von 2008/2009. Überdies hellt sich das Bild nicht auf, wenn Großaufträge ausgeklammert werden. Im Gegenteil, in dieser seit Januar 2010 ermittelten Reihe kam es im Juni zum größten bisher gemessenen Rückgang überhaupt (-3,2%)“, betont Hartmann.

Das Juni-Ergebnis fügt sich laut dem Bantleon-Chefvolkswirt darüber hinaus nahtlos in die Entwicklung des laufenden Jahres ein. Schließlich handelt es sich bereits um das fünfte Minus der vergangenen sechs Monate. Lediglich im Mai (+2,6%) kam es zu einem kurzen Aufatmen. Der Trend sei indes eindeutig abwärtsgerichtet. Dies spiegelt sich auch in der 6-Monats-Veränderung wider, die mit -7,3 Prozent auf einen siebenjährigen Tiefststand gefallen ist. Die Jahresrate rutschte unterdessen das erste Mal seit Mitte 2016 wieder ins Minus (-0,8%). Im Januar übertrafen die Auftragseingänge das Vorjahresniveau noch um +8,6%, wie die nachfolgende, erste Grafik zeigt:

Breiter Abschwung
Auch auf sektoraler Ebene findet sich für Hartmann kaum ein positiver Aspekt. Die Abwärtsbewegung ist vielmehr breit fundiert. Am stärksten betroffen sind die Hersteller von Kapitalgütern (Jahresrate: -1,6%). Aber auch die Produzenten von Vorleistungs- und Konsumgütern sehen sich einer schwindenden Nachfrage gegenüber.

In regionaler Hinsicht sticht laut Hartmann auf den ersten Blick der Einbruch bei den Bestellungen aus der Nichteurozone hervor (unter anderem USA und China). Sie sackten im Juni um 5,9 Prozent ab. Es liegt auf der Hand, dafür die jüngsten Handelsstreitigkeiten verantwortlich zu machen. „Wir sind bei solchen Spekulationen jedoch vorsichtig. Betrachtet man die Entwicklung im gesamten 1. Halbjahr ist die Abschwächung bei den Orders aus der Eurozone nicht viel geringer. Mithin ist der Bestellrückgang auch regional breit gestreut“, erklärt Hartmann und verweist dabei auf die nachfolgende Abbildung.

Rücksetzer bekräftigt pessimistische Prognose
„Als Zwischenfazit kann somit festgehalten werden: Bei dem kräftigen Juni-Minus der Auftragseingänge dürfte es sich – wie so häufig – einerseits um ein Überschießen handeln. Andererseits steht der rückläufige Trend bei den Orders vollkommen im Einklang mit unserem skeptischen Konjunkturausblick und spiegelt ziemlich exakt die jüngste Entwicklung bei den Frühindikatoren wider“, betont Hartmann.

Wendet man sich den anderen Juni-Daten der deutschen Industrie zu, überwiegen ebenfalls die Minuszeichen – die Einbrüche sind aber weniger ausgeprägt. Demnach ging der Umsatz des verarbeitenden Gewerbes „nur“ um 1,0 Prozent zurück, die Produktion sank um 0,9 Prozent (Konsensus: -0,5%) und die Exporte blieben sogar konstant (die Außenhandelsdaten werden allerdings zunächst nur in nominaler Rechnung publiziert). Insgesamt sei dies Hartmann zufolge aber kein allzu großer Trost:

Erstens ist auch bei Produktions-, Umsatz- und Exportdaten der Trend seit Jahresbeginn seitwärts- oder abwärtsgerichtet.

Zweitens laufen die Auftragsdaten den anderen Reihen vorweg und

drittens zeigen die ersten Branchendaten (Fahrzeugbau), dass die Industrieproduktion im Juli erneut schwach ausfallen würden.

Alles in allem seien die Auftragsdaten neben den Frühindikatoren (vom Juli) ein weiteres Indiz dafür, dass nach dem enttäuschenden 1. Halbjahr auch im 3. Quartal kein kräftiges Aufbäumen in der Industrie stattfinden werde. Der Konjunkturtrend bleibe Hartmanns Einschätzung nach stattdessen zu Beginn des 2. Halbjahres abwärtsgerichtet.

Sonderfaktoren dienen als Ausreden
Auch der ständige Hinweis auf Sonderfaktoren werde Hartmann zufolge immer unglaubwürdiger. Waren es zu Jahresbeginn Streiks, ein hoher Krankenstand und die ungünstige Lage der Feiertage, die als Bremskräfte aufgezählt wurden, könnte man die Reihe nunmehr weiter ergänzen. So werde bei VW die Produktion durch die neuen Abgastests gedämpft und die heiße Witterung habe zu niedrigen Wasserständen für die Binnenschifffahrt geführt. Außerdem müssten bereits erste Industrieunternehmen ihre Produktion drosseln, um die Wassertemperaturen nicht weiter ansteigen zu lassen. „Letztendlich gibt es jedes Jahr irgendwelche Sonderfaktoren, die – wenn es passt – dankbar als Erklärung für Rückschläge angeführt werden. Wenn es gut läuft, werden sie dagegen ignoriert“, moniert Hartmann abschließend. (aa)

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