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Katalonienkrise lässt die Märkte kalt

Madrid stellt Katalonien unter Zwangsverwaltung und hat Neuwahlen in Region am 21. Dezember angesetzt. Neueste Umfragen sehen die Gegner der Unabhängigkeit in Front. Das erklärt die Gelassenheit bei den Marktreaktionen.

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© alexlmx / Fotolia

Es sieht so aus, als könnten die Gegner einer katalanischen Republik die Oberhand behalten. So fand in Barcelona am Sonntag eine Kundgebung statt, bei der ca. 300.000 Teilnehmer für den Verbleib Kataloniens bei Spanien demonstrierten. Zudem sieht eine erste Umfrage den Verlust der parlamentarischen Mehrheit der Separatisten und eine, wenn auch knappe Mehrheit der Befürworter eines Verbleibs bei Spanien. In Reaktion darauf haben sich die Spreads 10-jähriger spanischer Staatsanleihen zu Bundesanleihen um neun auf 112 Basispunkte eingeengt und liegen jetzt wieder auf dem Niveau unmittelbar vor der Unabhängigkeitserklärung. schreibt Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economis der LBBW in Stuttgart, in einer aktuellen Research-Note. Im selben Kontext hat auch der spanische Aktienmarkt am Montagvormittag um fast 1,5 Prozent zugelegt und damit seine Verluste vom Freitag wieder aufgeholt.

An den Märkten dominiert damit überwiegend Gelassenheit

Vermutlich sei es noch zu früh, um schon auf eine rein politische Befriedung der Katalonienkrise zu setzen. Nach dem teils unnötig harschen Vorgehen der Zentralregierung könne die Stimmung bis zu den Wahlen immer noch zugunsten der Separatisten kippen. Außerdem gebe es mit dem Brexit und der Trump-Wahl zwei Abstimmung der jüngsten Vergangenheit, bei denen das Ergebnis letztlich anders ausfiel als nach den Umfragen zu erwarten gewesen sei, so der Ökomom weiter. Allerdings gebe es derzeit auch keine Anzeichen, die für eine weitere Verschärfung sprechen, so dass der Sachverhalt mindestens bis zur Wahl in der Schwebe bleiben werde.

Internationalisierung des Konflikts findet nicht statt

Vorerst gescheitert ist wohl die Strategie von Puigdemont, den innerspanischen Konflikt
zu internationalisieren und etwa die Vermittlung der EU anzurufen. Ebenso lassen sich
keine Anzeichen für ähnliche Bestrebungen in anderen Regionen Europas ausmachen,
die mit mehr Autonomie oder gar einem eigenen Staat liebäugeln. Freilich ist auch hier
das letzte Wort noch nicht gesprochen. Nach den Gesetzen Spaniens könnte dem katalanische
Präsidenten Puigdemont bis zu 30 Jahre Haft drohen.

Asyl für Puigdemont in Belgien?

Es gilt daher nicht als ausgeschlossen, dass er und enge Mitarbeiter versuchen könnten, ins Ausland zu gehen, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Vor diesem Hintergrund haben in Belgien die flämischen Nationalisten, die an der Regierung Belgiens beteiligt sind, politisches
Asyl für Puigdemont ins Gespräch gebracht und damit zugleich ihre Regierungskoalition
in Verlegenheit gebracht. Es ist nur schwer vorstellbar, dass ein EU-Land die Bürger
eines anderen EU-Landes als politisch verfolgt anerkennt und dies für das Verhältnis
beider EU-Staaten folgenlos bliebe. Der belgische Ministerpräsident Michel warf den
flämischen Nationalisten vor „Öl ins Feuer zu gießen“ und sagte, dass politisches Asyl
für Puigdemont nicht auf der Tagesordnung stünde. 

Welche negativen wirtschaftlichen Folgen könnte die Krise zeitigen? 

Diese Frage ist nich offen. Bekannt ist, dass sehr viele Unternehmen ihren Sitz aus dem wirtschaftlich starken Katalonien ins spanische Hauptland verlegt haben oder dies noch beabsichtigen. Die damit verbundene Unsicherheit dürfte sich als Belastung für die Konjunktur des Landes erweisen. Bis zuletzt war das Wachstum der spanischen Wirtschaft kräftig. Nach einer ersten Schätzung legte das BIP im dritten Quartal um 0,8 Prozent zum Vorquartal zu und lag damit in etwa in der Größenordnung des Wachstums der Vorquartale. (kb)

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