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Jupiter: Nimm der Impfstoff Gold das Aufwärtspotenzial?

In wie weit das dieser Tage ausgelieferte Vakzin gegen die Covid-19-Krankheit dem gelben Edelmetall auf mittlere Sicht die Kursfantasie raubt, analysiert Jupiter Asset Management.

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© photobc1 / stock.adobe.com

Ob der lang erwartete Impfstoff Gold den Glanz nehmen wird, untersucht Chris Mahoney, Fondsmanager für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar. Vor dem Hintergrund der begonnenen Impfstoffauslieferungen und der darauf einsetzenden Überzeugung, dass jetzt eine Rückkehr zum „Business as usual“ in greifbare Nähe gerückt sei, gaben Anleger risikoreicheren Anlagen wie Aktien den Vorzug und wendeten sich von Gold ab.

"Da Gold einen Ruf als sicherer Hafen genießt, mag man sich fragen, wie sich das Edelmetall in einer Phase höherer Risikobereitschaft entwickeln wird. Schließlich war 2020 ein gutes Jahr für Gold: Der Goldpreis (in USD, Stand: 22. Dezember 2020) ist seit Jahresbeginn um über 23 Prozent gestiegen", erklärt Mahoney. Allerdings könne Gold entgegen der landläufigen Meinung auch in einem risikoreichen Umfeld kräftig zulegen – so etwa 2019, als sowohl Gold als auch der weltweite Aktienindex MSCI World parallel zueinander ein Plus von 18 bzw. 25 Prozent verzeichneten.

Realzins entscheidend
Noch viel wichtiger für die Entwicklung des Goldpreises als die Risikobereitschaft ist die Richtung, in die sich die Realzinsen (d. h. die inflationsbereinigten Nominalzinsen) bewegen. Über lange Zeit entwickelten sich Goldpreis und Realzins gegensätzlich zueinander: Niedrigere Realzinsen bedeuteten einen hohen Goldpreis und umgekehrt. "Das ist vollkommen logisch, wenn man bedenkt, dass Gold als Anlageklasse, die keine Erträge abwirft, mit anderen Anlageklassen um Anlegerkapital konkurriert", erinnert Mahoney.

Zentralbanken weiterhin auf Lockerungskurs
Der wirtschaftliche Schaden, den die Pandemie angerichtet hat, bedeutet laut Mahoney, dass die Fed, die ihren Leitzins auf null gesenkt hat, der Wirtschaft noch für eine ganze Weile mit ihrer Nullzinspolitik unter die Arme greifen muss. "Ihren eigenen Prognosen zufolge wird die Fed die Zinsen bis 2023 nicht erhöhen, und ich persönlich wäre nicht überrascht, wenn es erst 2025 zu einer ersten Zinserhöhung kommt. Man erinnere sich daran, dass die Fed die Null, auf die sie die Zinsen im Jahr 2008 als Reaktion auf die globale Finanzkrise gesenkt hatte, anschließend für sieben Jahre beibehielt", prognostiziert Mahoney.

Für Mahoney scheint es unvermeidlich, dass die EZB ihren negativen Einlagenzins ebenfalls noch jahrelang beibehalten wird. Die Wirtschaft der Eurozone wurde noch schwerer von der Pandemie getroffen als die der USA, und die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die Erholung in Europa in den kommenden Jahren weniger robust ausfallen wird als in den USA – ganz ähnlich wie nach der globalen Finanzkrise. Anleger lassen natürlich die Möglichkeit nicht unberücksichtigt, dass die EZB in diesem Zyklus die Zinsen noch weiter senken könnte.

Geldpolitik und Inflation – niedrige Zinsen als Treiber für den Goldpreis
Mithin sei es unwahrscheinlich, dass die Nominalzinsen auf beiden Seiten des Atlantiks in absehbarer Zeit steigen werden. Doch wie sieht es auf der anderen Seite der Realzins-Gleichung aus? Was ist mit der Inflation?, fragt Mahoney.

In den vergangenen zehn Jahren bewegte sich die Inflation in beiden Regionen innerhalb einer relativ schmalen Spanne auf anhaltend niedrigem Niveau. Es gäbe keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird. Doch sei Mahoney zufolge allgemein bekannt, dass sowohl die Fed als auch die EZB gern eine nachhaltig höhere Inflation sehen würden, da sich die Inflation in ihren jeweiligen Regionen bereits lange Zeit unterhalb ihres Zielwertes bewegt hat.

Daraus folgt, dass beide Zentralbanken abgeneigt sein werden, der Inflation mit höheren Zinsen entgegenzuwirken, sofern die Inflation nicht ihr Ziel deutlich überschreitet oder problematisch werden sollte. Diese Toleranz für höhere Inflation spiegelt sich in der Anpassung des Inflationsziels der Fed im Sommer von einer Obergrenze von zwei Prozent zu einem Durchschnittswert von zwei Prozent wider, was viele Inflationsspitzen über dieser Marke zulassen würde. Bei ansonsten gleichen Bedingungen bedeutet eine höhere Inflation einen niedrigeren Realzins, was einem höheren Goldpreis zuträglich ist.

"Es scheint wahrscheinlich, dass die Realzinsen sowohl in den USA als auch in Europa aufgrund der niedrigeren Nominalzinsen und/oder der höheren Inflation sinken werden, bevor sie wieder steigen. Dementsprechend dürfte Gold meiner Einschätzung nach seinen Glanz durchaus behalten, ob nun in einem mehr oder weniger risikofreudigen Umfeld", erklärt Mahoney abschließend. (aa)

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