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Jupiter: Ist der Aufschwung der Türkei durch den Krieg gefährdet?

Reza Karim, Assistant Fund Manager bei Jupiter Asset Management, kommentiert die jüngsten Entwicklungen in der Türkei. Angesichts türkischer Expansionsbestrebungen nach Syrien sind Investoren hinsichtlich ihres dortigen Exposures in Sorge.

Reza Karim, Assistant Fund Manager bei Jupiter Asset Management
Reza Karim, Jupiter Asset Management
© Jupiter Asset Management

Die Erholung der türkischen Wirtschaft könnte auf der Kippe stehen. Ob dem wirklich so ist, analysiert Reza Karim, Assistant Fund Manager bei Jupiter Asset Management. Er weist darauf hin, dass es bis vor kurzem der Türkei entgegen allen Erwartungen wieder gut zu gehen schien.

Die Inflation war von 25 Prozent im vergangenen Jahr auf neun Prozent gesunken. Die Zentralbank hatte es zudem geschafft, die Zinsen um 750 Basispunkte zu senken, was den schuldengetriebenen Wachstumsmotor wieder in Gang brachte. Die Regierung hatte gleichzeitig Maßnahmen getroffen, um den Zustand des Bankensystems zu verbessern. Infolgedessen zogen die Investitionen wieder an und die türkische Unternehmensverschuldung ging wieder auf etwa 13 Prozent (ytd) zurück. Und auch die Inflationsrate liegt wieder auf demselben Niveau wie vor der Krise im vergangenen Jahr.

Türkei räumt in ihrem "Hinterhof" auf
Dann kehrte sich die Situation wieder um. Das Verhältnis zwischen der Türkei, den USA und den Kurden ist laut Karim kompliziert. Die USA sind mit der Türkei verbündet und nutzten die Kurden, um den sogenannten Islamischen Staat (IS) zu bekämpfen. Die Türkei betrachtet sowohl die Kurden als auch die IS als Feinde, und jetzt, da die Bedrohung durch den IS größtenteils verschwunden ist, bekämpft die Türkei die Kurden in Syrien.

Damit befinden sich die USA in einer unangenehmen Lage. Sie hatten versucht, sich aus Syrien zurückzuziehen, denn Truppen vor Ort sind innenpolitisch äußerst unpopulär. Das hat der Türkei den Raum eröffnet, in Syrien zu agieren.

USA agiert ohne strategischen Weitblick
Die Schwierigkeit besteht darin, dass die USA in eine Lage gebracht werden, in der sie sich auf die Seite eines wichtigen strategischen Verbündeten in einem Konflikt mit einem anderen stellen müssen. Es ist keine einfache Wahl für die USA, und die US-Regierung scheint sich selbst nicht darüber im Klaren zu sein, was nun zu tun ist. Sie drohte zuletzt mit umfassenden Sanktionen, die sich tatsächlich aber als recht überschaubar erwiesen.

Stabilität trotz hoher Auslandsschulden
Die türkische Währung reagierte angesichts der Inkonsistenz der US-Politik ziemlich stabil. Seit neun Jahren beschäftigt sich Jupiter mit türkischen Anleihen und seitdem bestand immer die Angst, dass das Land große Probleme bekommt. Diese Befürchtungen werden durch die Auslandsverschuldung der Türkei von 450 Milliarden US-Dollar, die kurzfristige Verschuldung von 126 Milliarden US-Dollar und die Nettoauslandsverbindlichkeiten von 340 Milliarden US-Dollaruntermauert. Das sind sehr hohe Zahlen für ein Land, das in der Regel ein Leistungsbilanzdefizit aufweist. Die Türkei benötigt einen konstanten Zufluss von US-Dollar, um ihre Schulden weiter zu refinanzieren. Daher sind sowohl die Währung als auch die gesamte Wirtschaft verwundbar.

Türkei ist zu wichtig, um hart angefasst zu werden
Der Punkt sei laut Karim, dass die Türkei trotz dieser Zahlen geostrategisch sehr wichtig ist. Bei der Türkei handelt es sich um das Tor zu Europa, wodurch die Verknüpfungen zu europäischen Banken stark sind. Und obwohl die US-Rhetorik oft dagegen agitiert, bleibt dies zahnlos, weil die USA nicht wollen, dass die Türkei stattdessen eine engere Partnerschaft mit Russland eingeht. Viele Großmächte haben ein wirtschaftliches Interesse an der Türkei und somit auch daran, dass das Land lebensfähig bleibt. (aa)
 

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