Julius Bär: Warum die Volatilität bei Gold und Silber hoch bleibt
Die Preise von Gold und Silber werden derzeit von besonders vielen Faktoren beeinflusst. Auf lange Sicht sollten sich laut Einschätzung von Julius Bär die großvolumigen Käufe der Zentralbanken durchsetzen und vor allem den Goldpreis nach oben hieven.

Eckpunkte:
- Die Preise von Gold und Silber sollten zukünftig aufgrund von Käufen der Zentralbanken steigen
- Kurzfristig beeinflussen weitere Faktoren die Gold- und Silberpreise
Seit Beginn des Iran-Kriegs entwickelt sich der Goldpreis stärker im Einklang mit dem US-Dollar und den Renditen von US-Anleihen. Insbesondere die Verbindung zu den realen Renditen von US-Anleihen scheint sich wieder verstärkt zu haben, wie der Preisrückgang der letzten Tage zeigt. "Anstatt dies als Rückkehr zu dem renditegetriebenen Regime vor 2022 zu betrachten, gehen wir davon aus, dass sich der Fokus wieder auf jene Faktoren verlagern wird, die den Rekordlauf seit 2022 vorangetrieben haben. Die Käufe der Zentralbanken bleiben die stärkste strukturelle Kraft auf dem Goldmarkt, und die Investitionsnachfrage aus der westlichen Welt dürfte wieder anziehen, sobald Klarheit und Zuversicht hinsichtlich der US-Geldpolitik zurückkehren“, meint Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär, in einem aktuellen Kommentar.
Weitere Goldkäufe zu erwarten
Angesichts des Ziels der Schwellenländer, weniger vom US-Dollar als Reservewährung abhängig zu sein, und eines unterdurchschnittlichen Anteils von Gold in ihren Reserven dürften die Käufe laut Menke noch drei bis fünf Jahre andauern. Der US-Dollar bleibe aber ein wichtiger Baustein der Zentralbankreserven.
Auch wenn Menke und seine Kollegen angesichts einer widerstandsfähigeren US-Wirtschaft mit weniger Zinssenkungen rechnen als vor Kriegsbeginn, wird die geldpolitische Lockerung wohl zurückkehren und der US-Dollar somit schwächer werden. Ein schwächerer US-Dollar sei wiederum ein weiterer positiver Faktor für Gold. Daher sei das Narrativ eines „Dollar-Abwertungs-Trades“ gar nicht notwendig, damit die Goldrally wieder anzieht.
Schwieriges Umfeld
Insgesamt sieht Menke nach wie vor günstige fundamentale Rahmenbedingungen für Gold und bleibt konstruktiv. Allerdings dürfte die Volatilität so lange hoch bleiben, wie der Krieg andauert. Der Goldmarkt hat Schwierigkeiten, dies angemessen einzupreisen, da potenzieller Rückenwind durch den Krieg durch Gegenwind wie einen stärkeren US-Dollar, höhere US-Anleiherenditen und anhaltende Bedenken hinsichtlich einer weniger expansiven Geldpolitik derzeit ausgeglichen werden.
Silber weiter aussichtsreich
Silber bewegt sich erneut im Windschatten von Gold und demonstriert damit einmal mehr seine höhere Sensitivität gegenüber dem US-Dollar, den US-Anleiherenditen und der Investitionsnachfrage. "Unsere Einschätzung zu Silber bleibt neutral, und wir bekräftigen unsere Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis", erklärt Menke abschließend. (aa)


